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Ski alpin : Die Emotionen des coolen Bode

  • -Aktualisiert am

Bode Miller: „Ich bin alt geworden“ Bild: AFP

Zum sechsten Mal gewinnt Bode Miller eine Medaille bei Olympischen Spielen. Diese bronzene im Super-G ist auch deshalb so besonders, weil er im Moment des Erfolgs an seinen verstorbenen Bruder denkt.

          3 Min.

          Man sah, dass es arbeitete in Bode Miller. Man sah es an seinem Gesicht, das in den vergangenen Tagen oft so undurchdringlich gewirkt hatte, so unbewegt, fast maskenhaft. Vielleicht, weil er so gerne dieses olympische Abfahrts-Gold gewonnen hätte, weil die Trainingsläufe dafür so verheißungsvoll waren und weil es dann doch nichts wurde mit dem großen Traum. Genauso wenig wie mit einer Medaille in der Super-Kombination.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Am Sonntag stand Bode Miller nun im Zielraum auf dem Siegerpodest, als Drittplazierter im Super-G hinter Kjetil Jansrud (Norwegen) und Millers Landsmann Andrew Weibrecht, zeitgleich mit dem Kanadier Jan Hudec. Und an seinem Gesicht, an der Bewegung darin und an den Tränen war abzulesen, dass diese Medaille, seine sechste bei Olympia, eine ganz besondere für ihn war.

          Die Emotionen des sonst so coolen Skistars hatten weniger damit zu tun, dass Miller es im Alter von 36 Jahren und nach 18 Monaten Auszeit vom Skirennsport wieder auf ein olympisches Siegerpodium geschafft hatte. Es waren eher die Gedanken an seinen jüngeren Bruder Chelone, die ihn bewegten.

          Endlich eine Medaille in Sotschi: Miller ist nun der zweiterfolgreichste Alpine der Olympiageschichte Bilderstrecke

          Chelone war im April vergangenen Jahres im Alter von 29 Jahren einem Schlaganfall erlegen, die späte Folge eines schweren Motorradunfalls vor neun Jahren, nach dem er elf Tage im Koma gelegen war. Chelone war ein talentierter Snowboarder, sein Ziel war es gewesen, bei den Winterspielen 2014 im Boardercross anzutreten. „Ihn zu verlieren war wirklich hart, für mich, für die Familie, für unsere ganze Gemeinschaft“, sagte Miller.

          Jetzt bei diesen Spielen 2014 eine Medaille zu gewinnen, zu erleben, wie so vieles dafür zu seinen Gunsten zusammenkam, an Glück, an guter Fügung, das wurde für ihn zum überwältigenden Erlebnis. „Es fühlte sich ziemlich elementar, ziemlich miteinander verbunden an“, sagte Miller.

          Und das Glück stand ihm diesmal definitiv zur Seite. Zwei Hundertstelsekunden nur lagen er und Hudec vor dem Österreicher Otmar Striedinger, sieben vor dessen Landsmann Max Franz, neun vor dem Norweger Aksel Lund Svindal. Wieder einmal war Miller kompromisslos durch die Tore gejagt, angriffslustig wie ein Teenager, wieder einmal war er dabei vom rechten Weg abgekommen, hatte durch einen Fahrfehler viel Zeit verloren. Diesmal aber reichte es gerade so für das Happy End.

          „Ich bin alt geworden“

          Damit ist Miller nun hinter dem Norweger Kjetil-Andre Aamodt, der in seiner Karriere acht Olympia-Medaillen gewann, der zweiterfolgreichste Skirennfahrer in der Geschichte der Spiele. Vergleiche wie dieser, sagte er, bedeuteten für ihn erst mal: „Ich bin alt geworden.“ Doch Miller empfindet auch viel Respekt für Allround-Größen wie Aamodt oder dessen Landsmann Lasse Kjus. Weil sie in fünf Disziplinen erfolgreich waren, weil sie in wichtigen Rennen voll auf der Höhe waren. „So wie Jansrud und die jungen Norweger hier fahren“, sagte Miller, „folgen sie diesen Spuren.“

          Der 28 Jahre alte Jansrud gewann am Sonntag seine zweite Olympia-Medaille in Sotschi, nach Bronze in der Abfahrt. Er setzte zudem eine gute alte norwegische Tradition fort: Seit zwölf Jahren ist Super-G-Gold in Händen der Norweger – zweimal siegte Aamodt (2002, 2006), einmal Svindal (2010). In fünf der bisher acht olympischen Super-G-Rennen stand ein norwegischer Fahrer ganz oben. Jansrud selbst kam der Erfolg „wie ein Märchen“ vor. Ein Jahr zuvor hatte er bei der Weltmeisterschaft in Schladming einen Kreuzbandriss erlitten, „das war für mich ein gewaltiger Schlag“, sagte er. Dass er nun so stark zurückkam und auch seinen favorisierten Landsmann Aksel Lund Svindal in den Schatten stellte, das „hatte nichts mit Zufall zu tun“, sagte der Olympia-Zweite 2010 im Riesenslalom, „sondern mit der harten Arbeit, die mein Team und ich geleistet haben“.

          Der zweite Amerikaner wie Kai aus der Kiste

          Nur einmal bekam Jansrud am Sonntag weiche Knie – als der Amerikaner Andrew Weibrecht mit Startnummer 29 wie Kai aus der Kiste mit bester Zwischenzeit in den Zielhang raste. Den erwischte er nicht perfekt, aber gut genug für Silber. Vor vier Jahren in Vancouver hatte Weibrecht schon überraschend Bronze im Super-G gewonnen, damals hinter Svindal und Miller. Anschließend war er wieder im sportlichen Nirgendwo verschwunden. „Es waren vier schwierige Jahre“, sagte der 27 Jahre alte Olympia-Spezialist. „Ich war oft schnell, konnte das aber im Rennen nicht zeigen. Das war mein erster sauberer Lauf seit langem.“

          Bei seinen Teamkollegen hat Weibrecht tatsächlich einen legendären Ruf. „Er ist ein phänomenaler Skifahrer“, sagt Ted Ligety. „Er ist der schnellste Fahrer der Welt auf zwanzig Sekunden.“ Bis dann der erste Fehler passiert. Am Sonntag war Weibrecht immerhin schon der Schnellste auf sechzig Sekunden. Und was die letzten zwanzig angeht: In vier Jahren ist ja wieder ein olympischer Super-G.

          Ergebnis, Ski alpin, Herren, Super-G

          Gold: Kjetil Jansrud (Norwegen) 1:18,14 Min.
          Silber: Andrew Weibrecht (USA) 1:18,44
          Bronze: Bode Miller (USA)  1:18,67 und Jan Hudec (Kanada) 1:18,67

          5. Otmar Striedinger (Österreich) 1:18,69
          6. Max Franz (Österreich) 1:18,74
          7. Aksel Lund Svindal (Norwegen) 1:18,76
          8. Peter Fill (Italien) 1:18,85
          9. Ondrej Bank (Tschechien) 1:19,11
          10. Morgan Pridy (Kanada) 1:19,19

          (keine deutsche Beteiligung)

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