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Riesenslalom : „Dark Horse“ Rebensburg strahlt golden

  • -Aktualisiert am

Gold für Deutschland: Viktoria Rebensburg gewann den Riesenslalom Bild: AFP

Sieg für Viktoria: Die Skifahrerin Rebensburg beschert den deutschen Alpinen im Riesenslalom die zweite Goldmedaille - und muss ohne ihre Eltern feiern.

          „Es waren zwei harte Tage. Es war wirklich schwer, die Spannung aufrechtzuhalten“, sagte Viktoria Rebensburg. Doch das Warten hat sich gelohnt. Und wie. Es war der erste Riesenslalom in ihrer Karriere, den Viktoria Rebensburg an zwei Tagen fahren musste, aber am Ende stand dafür auch die größtmögliche Belohnung - die olympische Goldmedaille. Die 20 Jahre alte Skirennläuferin aus Kreuth war nach dem ersten Durchgang, der am Mittwoch ausgetragen wurde, mit 0,35 Sekunden Rückstand auf die führende Österreicherin Elisabeth Görgl noch Sechste und damit beste Deutsche gewesen. „Meine Ausgangssituation war gut“, sagte Viktoria Rebensburg, „ich habe gewusst, ich bin die Jagende“. Wie alle Fahrerinnen wurde sie danach auf eine lange Geduldsprobe gestellt, nachdem der zweite Lauf wegen Nebels und Regen zunächst um zwei Stunden verschoben und dann auf Donnerstag verlegt worden war.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Dass dieser 25. Februar dann zu ihrem Tag werden könnte, deutete sich nach ihrem fulminanten zweiten Lauf schnell an. Die Slowenin Tina Maze, die als Fünfte des ersten Durchgangs nach der Deutschen auf die wellige und nasse Piste gegangen war, fuhr vier Hundertstelsekunden zu spät über die Ziellinie. Das war zwar noch ziemlich knapp, aber schon die nächste Starterin, Eva-Maria Brem aus Österreich, die mit einer Zehntelsekunde Vorsprung losgefahren war, hatte im Ziel schon mehr als eine halbe Sekunde Rückstand.

          Da war klar: Viktoria Rebensburg hatte einen Lauf hingelegt, der nur schwer zu übertreffen sein würde. Es folgten die Österreicherin Kathrin Zettel und die Französin Taina Barioz, auch sie verspielten ihren Vorsprung. Und dann stand nur noch Elisabeth Görgl oben im Starthaus, die Silbermedaille hatte Viktoria Rebensburg da schon sicher. „Ich habe gar nicht mehr hinschauen können“, sagte sie, „ich habe es nicht mehr ausgehalten. Das war schlimmer, als wenn man selber am Start steht.“

          Als Sechste ging sie in den zweiten Lauf, danach jubelte sie

          Sensation durch dreimalige Junioren-Weltmeisterin

          Doch auch die Führende des ersten Durchgangs verlor Gold aus den Augen. Mit 14 Hundertstelsekunden Rückstand musste sie sich mit Bronze trösten. Und Viktoria Rebensburg machte einen Luftsprung im Ziel - ihr Triumph war eine Sensation, nie zuvor hatte die dreimalige Juniorenweltmeisterin zuvor ein Weltcuprennen gewonnen. Sie ist als Olympiasiegerin ein „dark horse“, wie die Kanadier sagen, eine Fahrerin, die niemand auf der Gold-Rechnung hatte.

          Der höher eingeschätzten Weltmeisterin Kathrin Hölzl blieb nach verpatztem ersten Durchgang nur Rang sechs, Kombinations-Olympiasiegerin Maria Riesch wurde Zehnte, die Silbermedaille ging an Tina Maze aus Slowenien. Und Viktoria Rebensburg war die zweite deutsche Riesenslalom-Olympiasiegerin nach Rosa „Ossi“ Reichert 1956 in Cortina d'Ampezzo. „Dass Viktoria Gold gewinnt, ist schon extrem überraschend. Es gibt Momente da sagst du dir nur: ,Mann, ist das cool‘“, sagte Alpin-Direktor Wolfgang Maier.

          Ein Titel fürs Leben

          „Gold? Ein Traum, das hätte ich nie gedacht“, sagte die Überraschungssiegerin selbst. „Ich war am Start komischerweise gar nicht mehr nervös und habe einfach einen guten Lauf runtergebracht.“ Damit bescherte Viktoria Rebensburg den deutschen Alpinen nach dem Sieg in der Super-Kombination von Maria Riesch bereits die zweite Goldmedaille in Whistler. Olympiasiegerin - das ist ein Titel für das ganze Leben, auch wenn Viktoria Rebensburg sich zunächst noch gar nicht recht an ihn gewöhnen konnte. „Ich glaube, der gehört gar nicht zu mir. Es ist unglaublich, mir war es die letzten Tage gar nicht gut gegangen, ich war ein bisschen krank gewesen.“

          Erkältung hin, Erkältung her, als Viktoria Rebensburg in den zweiten Lauf ging, gab es es kein Halten mehr. Der deutsche Damen-Cheftrainer Mathias Berthold hatte eine einfache Taktik ausgegeben: „Für uns ging es nur noch um volle Attacke, und dann wollten wir schauen, ob eine nach vorne durchkommt.“ Die Verlegung des zweiten Laufes auf Donnerstag war den deutschen Fahrerinnen dabei zugute gekommen. Wäre er nach mehrfacher Verschiebung des Starttermins doch noch am Mittwoch gestartet worden, dann von einem tiefer gelegenen Startpunkt aus, wäre der Kurs neun Tore kürzer gewesen - und die geplante Aufholjagd hätte sich weit schwieriger gestaltet.

          So passte an diesem wundersamen Tag eigentlich nur eines nicht für Viktoria Rebensburg: Ihre Eltern hatten schon am Morgen in den Flieger steigen müssen, der sie über den Zwischenstopp Montreal nach Deutschland bringen sollte - die Verschiebung des zweiten Durchgangs hatten sie nicht auf der Rechnung gehabt. Aber den Olympiasieg ihrer Tochter wohl noch viel weniger.

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