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Olympia-Gold im Skispringen : Carina Vogt ist die große Überraschung

  • -Aktualisiert am

Einfach nur glücklich: Carina Vogt ist Olympiasiegerin Bild: dpa

Vorher landet sie immer auf zweiten und dritten Plätzen. Bei der Olympia-Premiere für die Skispringerinnen aber sorgt Carina Vogt aus deutscher Sicht für die erste Überraschung: Sie holt Gold.

          Der letzte Sprung des Tages gelang ihr dann wieder mit spielerischer Leichtigkeit. Aus dem Stand hüpfte Carina Vogt mit ihren klobigen Schuhen auf die oberste Stufe des von gleißendem Scheinwerferlicht bestrahlten Podiums, das auf die Schnelle im Schnee des Zielraums aufgebaut worden war. Die 22 Jahre alte Schwäbin strahlte dabei über das ganze Gesicht und bedankte sich anschließend mit einer angedeuteten Verbeugung bei den fast 3500 Zuschauern im Rus-Ski-Stadion.

          Ihre roten Backen spiegelten ihre Aufregung in diesem bislang berauschendsten Moment ihrer noch jungen Spitzensportlerlaufbahn. Carina Vogt sorgte aus deutscher Sicht für die erste Überraschung bei den Winterspielen. Sie setzte sich am späten Dienstagabend bei der Premiere der Skispringerinnen knapp vor der Österreicherin Daniela Iraschko-Stolz und Caroline Mattel aus Frankreich durch.

          Ehe nach dem zweiten Durchgang Gewissheit herrschte, durchlebte die Schwäbin vom SC Degenfeld einige nervenaufreibende Augenblicke. Bis die Wettkampfrichter ihr Urteil gefällt hatten und die eingegebenen Weiten sowie Haltungsnoten von den Computern in Punkte umgerechnet wurden, kauerte sie auf die Knie gesunken auf dem Boden - und schlug die Hände wie zum Gebet gefaltet vor das Gesicht.

          Erst als das Resultat feststand, die Ziffer eins auf der Anzeigetafel in Leuchtschrift hinter ihrem Namen auftauchte und damit Klarheit herrschte, löste sich die Anspannung in allgemeinem Jubel auf: Ihre drei Teammitgliederinnen stürzten zum Gratulieren herbei, alle fielen gemeinsam in den Schnee - und als Vogt wieder auf den Füßen stand, begann sie vor Freude zu weinen. Sie hatte zuvor noch nie ein Springen gewinnen können, allein in dieser Saison landete sie achtmal auf zweiten oder dritten Plätzen.

          Gruppenbild mit deutscher Olympiasiegerin: Carina Vogt mit Daniela Iraschko-Stolz (links) und Coline Mattel Bilderstrecke

          „Ich kann das gar nicht glauben“, lautete denn auch ihre erste Reaktion. Es war eine spannende Entscheidung, die eine ansonsten oftmals leichtfertig verwendete Bezeichnung diesmal tatsächlich zu Recht trug: Es ereigneten sich „historische“ Augenblicke in Krasnaja Poljana. Die Veranstaltung mit deutschem Happy End war der erste Wettbewerb der Skispringerinnen bei Olympia überhaupt und vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die erst vor zwei Jahrzehnten bescheiden begann: mit einem ersten offiziellen Springen mutiger Vorreiterinnen in Braunlage im Harz.

          Vogt setzte am Dienstagabend mit einem Satz auf 103 Meter im ersten Durchgang Maßstäbe und beeindruckte so die als Favoriten betrachteten Seriensieger der zurückliegenden Monate Iraschko-Stolz und Sara Takanashi. Im Finale allerdings zitterten ihr vor Anspannung dann doch die Knie, wie sie später erzählte, so dass sie früher als geplant zur Landung ansetzen musste und nur auf 97,5 Meter kam; Iraschko-Stolz war zuvor mit 104,5 nach 98,5 Metern zu Beginn Metern die beste Weite gelungen, doch in der Summe gaben die höheren Zähler für ihren Flug-Stil den Ausschlag zugunsten der Deutschen.

          Der Zeitplan der Olympischen Winterspiele in Sotschi

          „Mir fehlen eigentlich die Worte“, lautete die spontane Reaktion von Andreas Bauer. Der Bundestrainer sagte, er habe „eigentlich bloß mit Rang zwei oder drei geliebäugelt“. Doch „Olympia und der Sport schreiben immer wieder neue Geschichten“. Der 50 Jahre alte Coach, ehedem selbst Profi und Vierschanzentournee-Teilnehmer, gehört seit 2011 zu den Pionieren, die hierzulande versuchen, mit dem Frauenskispringen Neuland zu betreten und sich darauf zusammen mit einem kleinen Team an Helfern zu behaupten. „Was sich da aufgebaut hat, ist einmalig“, freute er sich Bauer nach dem Coup.

          Weniger glücklich endete das Debüt für die übrigen DSV-Athletinnen: Katharina Althaus wurde 23., Ulrike Gräßler schnitt als 22. nur unwesentlich besser ab, und Gianina Ernst, mit 15 Jahren jüngste Olympia-Teilnehmerin, erreichte Platz 28. Gräßler und Ernst waren durch eine fiebrige Grippe angeschlagen an den Start gegangen und hatten mit „matschigen Beinen“ während des Springens zu kämpfen, wie es Bauer ausdrückte. „Sie waren leider zu einem ungünstigen Zeitpunkt geschwächt.“ Um ihre triumphierende Kollegin anschließend hochleben zu lassen, reichten die Kräfte aber allemal aus.

          Ergebnisse im Skispringen, Damen, Einzel, Normalschanze

          Gold: Carina Vogt (Degenfeld) 247,4 Pkt.(103,0/97,5 m)
          Silber: Daniela Iraschko-Stolz (Österreich) 246,2 (98,5/104,5)
          Bronze: Coline Mattel (Frankreich)  245,2 (99,5/97,5)

          4. Sara Takanashi (Japan) 243,0 (100,0/98,5)
          5. Evelyn Insam (Italien) 242,2 (98,5/99,0)
          6. Maja Vtic (Slowenien) 241,9 (100,5/100,5)
          7. Yuki Ito (Japan) 241,8 (97,5/101,0)
          8. Maren Lundby (Norwegen) 235,5 (97,0/100,0)
          9. Line Jahr (Norwegen) 234,6 (97,5/98,5)
          10. Jessica Jerome (USA) 234,1 (97,0/99,0)

          ...22. Ulrike Gräßler (Klingenthal) 214,9 (94,0/91,5)
          23. Katharina Althaus (Oberstdorf) 211,8 (90,5/92,5)
          28. Gianina Ernst (Oberstdorf) 192,7 (90,5/87,5)

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