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Marit Björgen : Reich an Gold

„Jetzt habe mehr Goldmedaillen als mein Freund”: Marit Björgen Bild: DPA

Dreimal Gold, einmal Bronze - Marit Björgen ist „Königin von Whistler“. Zuvor hatte die Langläuferin bei Großereignissen nie die Erwartungen erfüllt. Mit ein Glück kann die Norwegerin an diesem Samstag sogar einen Rekord aufstellen.

          Es gibt kaum jemanden, der Marit Björgen diese Erfolgssträhne missgönnt. „Ich freue mich für sie“, sagt Evi Sachenbacher-Stehle, die Olympiasiegerin im Teamsprint, „weil sie jetzt endlich die Medaillen bekommt, die sie längst verdient hat.“ Zwar ist die Bayerin auch irgendwie Leidtragende, weil die 29 Jahre alte Norwegerin der deutschen 4×5-Kilometer-Staffel keine Chance auf Gold ließ, aber das spielt keine Rolle.

          Der Sieg des norwegischen Quartetts war schon der dritte Streich von Marit Björgen. Und manchmal muss sie sich wundern, wenn sie in den Medien jetzt „Königin von Whistler“ genannt wird. Gold im Sprint, Gold in der Doppel-Verfolgung und jetzt die Staffel, die Bronzemedaille über 10 Kilometer Freistil darf auch nicht unterschlagen werden. „Von einer Goldmedaille habe ich geträumt, und jetzt sind es drei. Das ist überwältigend.“

          So viel Bescheidenheit ist verwunderlich, denn Marit Björgen aus Trondheim ist seit Jahren die komplette Langläuferin. Ein Kraftpaket, das vom Anderthalb-Kilometer-Sprint bis zum Wasalauf alles gewinnen kann. Sie hatte schon mal so eine Serie hingelegt wie in Whistler. 2005 bei der Weltmeisterschaft in Oberstdorf: Dreimal Gold, einmal Silber, einmal Bronze.

          Goldmedaille I: Marit Björgen entscheidet den Sprint für sich

          „Jetzt habe ich eine goldene mehr als mein Freund“

          Aber seitdem konnte sie bei Großereignissen nie die Erwartungen erfüllen. 2006 in Turin war Marit Björgen die große Favoritin, aber die Bronchitis war nicht richtig auskuriert, der Magen spielte nicht ganz mit, und am Ende stand sie mit einer Silbermedaille da. Eine bittere Erfahrung, auch wenn sie heute behauptet: „Ich war glücklich über Silber.“

          Marit Björgen hat diesmal alles anders gemacht. Sie hat ihr Training umgestellt – hohe Umfänge mit geringer Intensität statt harter Einheiten –, trainierte sich mehr Armkraft an und nahm nicht mehr jeden Weltcup mit. Sie verzichtete sogar auf die Tour de Ski und legte lieber mal die Füße hoch. „Ich habe mir alles zu Hause am Fernseher angeschaut. Und ich war kein bisschen traurig.“

          Mit ein bisschen Glück könnte Marit Björgen an diesem Samstag, wenn noch der 30-Kilomter-Lauf ansteht (20.45 Uhr / FAZ.NET-Liveticker: Olympia 2010), sogar die berühmteste Olympiasiegerin Norwegens übertreffen: Eiskunstläuferin Sonja Henie, die von 1928 bis 1936 drei Goldmedaillen gewann und später eine Hollywood-Karriere einschlug. Als sie starb, war sie eine der reichsten Frauen der Welt.

          Mit der Parallele zur Glitzerwelt kann die bodenständige Langläuferin nichts anfangen. „Über Reichtum denke ich gar nicht nach.“ Marit Björgen hat längst ihre eigene Rechnung aufgemacht. Und zwar schon nach ihrem zweiten Streich: „Jetzt habe ich eine goldene mehr als mein Freund.“ Mittlerweile steht es drei zu eins. Fred Borre Lundberg, 1994 in Lillehammer Olympiasieger in der Nordischen Kombination, wird es verschmerzen können.

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