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Jake Burton, Snowboard-Erfinder : „Spaß haben - das ist alles, worum es geht“

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„Snowboarden erfindet sich ständig neu!” Bild: AFP

In den siebziger Jahren hat Jake Burton das Snowboard erfunden. Heute ist sein Unternehmen Weltmarktführer. Burton über den Einfluss des Snowboardens auf Olympia, die Gefahren neuer Tricks, und Skigebiete, in denen Boarden noch verboten ist.

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          Nach einem Wirtschaftsstudium hat Jake Burton in den siebziger Jahren das Snowboard erfunden. Zunächst tingelte er von einem amerikanischen Skigebiet zum nächsten, um seine Bretter zu verkaufen. Heute, mit 55 Jahren, ist er vielfacher Millionär und führt ein Unternehmen, das Weltmarktführer für Produkte rund ums Snowboarden ist. Im Interview spricht Burton über den Einfluss des Snowboardens auf die Olympischen Spiele, die Gefahren der neuen Tricks und Skigebiete, in denen Snowboarden immer noch verboten ist.

          Es gab ein Jahr, da sind Sie quer durch alle Kontinente dem Winter nachgereist. Ist das für Sie vorstellbar: Ein Leben ohne Sommer? Ein Leben im Schnee?

          Mit meiner Familie dem Winter hinterherzureisen, das war eine der besten Erfahrungen meines Lebens. Aber auch wenn ich das ganze Jahr über gerne Snowboard fahre, versuche ich auch, so oft zu surfen, wie es geht. Das Beste ist, ein Gleichgewicht zu finden zwischen Winter und Sommer.

          „Snowboarden ist ein großer Gewinn für Olympia”: Jake Burton

          Wie viele Tage im Jahr stehen Sie noch auf dem Brett?

          Mindestens hundert Tage, und diese Zahl ist wahrscheinlich das wichtigste Ziel, das ich mir jedes Jahr setze.

          Ski sind Sportgeräte, Snowboards sind Spielzeuge. Was halten Sie von dieser Definition?

          Wenn sie bedeuten soll, dass Snowboarden weniger ein Sport ist als Skifahren, dann muss ich deutlich widersprechen und dringend empfehlen, die Halfpipe-Wettbewerbe der Olympischen Spiele anzuschauen. Dass Skifahren dem Snowboarden als Sport überlegen ist, war Stand der Dinge in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Heute kann niemand ernsthaft in Abrede stellen, dass Snowboarden ein absoluter Weltklassesport ist. Auf der anderen Seite: Wenn Ihre Definition bedeuten soll, dass Snowboarder viel mehr Spaß haben als Skifahrer, dann bin mit ihr völlig einverstanden.

          Sie finanzieren die bedeutendsten Snowboard-Veranstaltungen der Welt. Für wen lohnt sich das? Warum tun Sie das?

          Es lohnt sich vor allem für die Fahrer. Für die Amateure, die sich in die Qualifikation einschreiben können, und für die Profis, die dadurch unseren Sport vorantreiben und ihren Lebensunterhalt mit dem verdienen können, was sie lieben.

          Wie hat sich die Aufnahme ins olympische Programm auf das Snowboarden ausgewirkt?

          Ich glaube, dass Snowboarden die Olympischen Spiele mehr verändert hat als umgekehrt. Snowboarden ist kein Sport, der für Olympia gemacht worden ist, und er ist auch nicht von Olympia gemacht worden. Die Olympischen Spiele haben einen sehr geringen Einfluss auf die Seele unseres Sports. Viele der weltbesten Snowboard-Profis haben niemals an Olympischen Spielen teilgenommen, weil sie sich auf anderes konzentrieren als auf Mainstream-Wettkämpfe. Auf der anderen Seite hat Snowboarden großen Einfluss auf Olympia, weil es ein jüngeres, unkonventionelles Publikum zu den Spielen bringt. Das ist ein großer Gewinn für eine Veranstaltung wie Olympia, die mit einem sehr traditionellen Hintergrund versucht, sich weiterzuentwickeln.

          Wenn man hört, dass Shaun White in einer 500.000 Dollar teuren Privat-Halfpipe trainiert - entspricht das noch dem ursprünglichen Geist des Snowboardens, der ja auch etwas mit Gemeinschaft zu tun hat?

          Es ist unglaublich, dass Shaun diese Möglichkeit hatte. Natürlich hatte er dadurch Vorteile, die andere Fahrer nicht hatten, aber er hat sich das verdient durch harte Arbeit und überragendes Talent. Ich kenne ihn, seit er ein kleines Kind war, und er verkörpert definitiv den Geist des Snowboardens, weil er bis heute mit größtem Spaß fährt.

          Snowboarden ist eine Community, die sich sehr über jugendliche Werte und Klischees definiert. Aber auch Snowboarder werden älter. Muss sich das Snowboarden neu erfinden?

          Snowboarden erfindet sich ständig neu, deshalb macht es so viel Spaß. Stilfragen, Trends und Marketingansätze wechseln Jahr für Jahr. Eines aber steht im Mittelpunkt: Es ist die Jugend, die Snowboarden antreibt. Was wir tun, ist, auf die Kids zu hören und auf die Profis, die jeden Tag in Parks und Pipes unterwegs sind, in deren Nähe sich ihre Eltern nicht einmal wagen. Solange wir das tun, wird Snowboarden frisch und jung bleiben.

          Was sind die Wurzeln des Snowboardens?

          Was sollten Snowboarder nie vergessen? Spaß haben - das ist alles, worum es geht.

          Bedauern Sie eigentlich das Ende des alpinen Snowboardens in den Wintersportgebieten?

          Nein. Das alpine Snowboarden war Teil der Entwicklung der Sportart, aber irgendwann haben die Kids diesen Stil nicht mehr gewollt. Deshalb haben wir die Produktion von alpinen Boards vor einem Jahrzehnt eingestellt.

          Ist es eigentlich wahr, dass es in den Vereinigten Staaten noch immer Wintersportgebiete gibt, die keine Snowboarder auf ihre Pisten lassen?

          Ja, das ist tatsächlich wahr. Es gibt noch drei Gebiete, zwei davon liegen auf staatlichem Grund, was die Sache noch unverständlicher macht, denn es sind auch die Steuern von Snowboardern, die diese Gebiete finanzieren.

          Sie haben vor Jahren Amateurfilme prämiert, die Snowboarder in solchen Sperrgebieten aufgenommen haben. Hat die Aktion etwas bewirkt?

          Dass Snowboarder Zugang zu allen Wintersportgebieten bekommen, war von Anfang an meine persönliche Mission. 2007 haben wir eine Kampagne gestartet, in der wir die Leute dazu aufgefordert haben, uns Videos zu schicken, die zeigen, wie sie in einem der damals vier Sperrgebiete zu Fuß hinaufgehen und mit dem Board hinunterfahren. Die Reaktionen waren gewaltig. Tao, eines der Gebiete, entschied nach ein paar Wochen, dass es an der Zeit sei, sich für Snowboarder zu öffnen. Jetzt haben wir noch drei Gebiete, die es zu überzeugen gilt.

          Kevin Pearce, einer der Stars aus Ihrem Team, hat beim Training eines sogenannten Doublecork schwere Kopf- und Hirnverletzungen erlitten. Was halten Sie von den neuen Tricks? Sind sie zu gefährlich?

          Ist Halfpipe-Snowboarden auf dem Weg zu einer Stuntshow? Ich befürworte die Weiterentwicklung des Wettkampf-Snowboardens, weil es das ist, was die Fahrer wollen. Sie wollen nicht auf neue Tricks verzichten, nur weil diese ein Risiko beinhalten. Die meisten Profis glauben, dass Kevins Unfall ein absolut unglücklicher Einzelfall war. In der Regel übt man einen Trick, stürzt und fährt wohlbehalten weiter. Aber manchmal passieren eben auch unvorhersehbare Unfälle - im Snowboarden wie im Leben generell. Wir alle hoffen, dass Kevin so bald wie möglich wieder gesund wird.

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