https://www.faz.net/-g8b-15n6o

Felix Neureuther : Der Bub von der Gold-Rosi

  • -Aktualisiert am

Als Kind zweier Ski-Idole ist der Druck hoch. Felix Neureuther hat sich dennoch für den Profisport entschieden und rechtzeitig vor Olympia die Familienbürde abgeschüttelt.

          5 Min.

          Der Papa war nicht mehr zu halten. Er stürmte auf Felix Neureuther zu. Der innigen Umarmung im Zielraum des Ganslernhangs von Kitzbühel folgten ein paar Tränen. Von Christian Neureuther wohlgemerkt, der Junior hingegen blieb erstaunlich ruhig. Dabei war jener 24. Januar 2010 sein Tag, es war sein Sieg, auf den er im alpinen Ski-Weltcup schon so lange gewartet hatte, nach dem sich die skiinteressierte deutsche Öffentlichkeit viele Jahre gesehnt hatte. Felix Neureuther hätte sich für seinen ersten Triumph keinen besseren Ort aussuchen können als Kitzbühel, dort hatte sein Vater vor 31 Jahren den letzten seiner insgesamt sechs Weltcupsiege gefeiert und er nun seinen ersten. 25 000 Zuschauer sahen die Uraufführung des deutschen Familienrührstücks live, ein paar Millionen daheim vor dem Fernseher.

          Der Weg des 25-Jährigen aus Garmisch-Partenkirchen ist damit noch nicht zu Ende, aber dort hinzukommen, wo er nun ist, war schwer genug. Der Sieg war erst einmal eine Erlösung. Denn Felix Neureuther ist eben nicht nur Skirennläufer, sondern er ist der Sohn erfolgreicher Skirennläufer. Seine Mutter, Rosi Mittermaier, gewann bei den Olympischen Spielen in Innsbruck 1976 zweimal Gold und einmal Silber, sein Vater war in den siebziger Jahren der beste deutsche Slalomfahrer. In den vergangenen Jahren passierte es ihm manchmal, dass er mit Christian statt Felix angeredet wurde. Meistens schmunzelte er dann, was blieb ihm auch anderes übrig. „Ich würde es aber lustig finden, wenn mal jemand zu meinem Vater ,Felix sagen würde.“

          „Da schau, da ist die Mama vom Felix“

          In Kitzbühel ist das zwar noch nicht passiert, aber dort war er nun zum ersten Mal nicht mehr nur der Sohn. Rosi Mittermaier erzählt später eine Episode, die für sie „das Allerschönste an diesem Tag“ war. Nach dem Rennen seien zwei Zuschauer an ihr vorbeigegangen, und da habe der eine zum anderen gesagt: „Da schau, da ist die Mama vom Felix.“ Sie war froh, dass „der Felix endlich nicht mehr der Bub einer Olympiasiegerin ist, sondern ich die Mama des Kitzbühel-Siegers“. Wenn Neureuther in den kommenden Tagen im kanadischen Vancouver selbst um olympisches Edelmetall kämpfen wird, kann er das nun mit gestärktem Ego tun.

          Der Sieg in Kitzbühel war der große Durchbruch
          Der Sieg in Kitzbühel war der große Durchbruch : Bild: AFP

          Lange Zeit hatte er versucht, die Familienbürde zu verdrängen, nach außen wenigstens. Selten gab er zu, wie sehr ihn dies manchmal belastet. Schon gar nicht sprach er nach einem Rennen davon. Es hätte wie eine Ausrede geklungen. „Der Druck, den ich mir selber mache, ist größer als der, den ich von außen spüre“, sagte er gerne. In die Situation hat sich Felix Neureuther natürlich auch ein bisschen selbst gebracht – mit der Wahl seines Berufes. Auf der anderen Seite: Was sollen die Kinder so erfolgreicher Skirennläufer auch anderes werden, wenn die Skipiste obendrein fast vor der Haustüre liegt? „Da kommt man doch gar nicht drum rum, auch Ski zu fahren, wenn man klein ist“, findet Neureuther.

          Schwester Ameli zog die Mode den Skiern vor

          Er und seine drei Jahre ältere Schwester Ameli standen deshalb das erste Mal auf Skiern, kaum dass sie den Windeln entwachsen waren. Sie fanden großen Gefallen an dem Sport, und die Eltern schickten sie in den örtlichen Skiklub. Der Weg war erst einmal vorgezeichnet. Ameli entschied sich dann allerdings doch bald anders – wegen ihrer Herkunft. Als sie 14 Jahre alt war, durfte sie als Vorläuferin beim Weltcup-Slalom auf dem heimischen Gudiberg starten.

          Das ist eine besondere Auszeichnung, aber für den Teenager wurde der Auftritt zur Tortur. Unten im Ziel warteten schon ein paar Journalisten, um mit der talentierten Tochter der Olympiasiegerin ein erstes Interview zu führen. Die öffentliche Aufmerksamkeit aber war der scheuen Ameli zuwider. Sie ahnte wohl, dass es noch schlimmer kommen würde, wenn sie es tatsächlich in den Weltcup schaffen sollte. Wenig später stellte sie deshalb die Ski in die Ecke, sauste erst einmal nur noch auf dem Snowboard die Berge hinunter. Heute arbeitet Ameli als Modedesignerin in Berlin, in dieser Branche ist der Name Neureuther weder Bürde noch erleichterndes Entrée.

          Der Vater geht nur selten zu den Rennen mit

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wie lange geht der Boom weiter? Bulle und Bär auf dem Börsenplatz in Frankfurt am Main.

          Dank Corona : Deutschland wird wieder Aktienland

          Während der Corona-Pandemie haben viele Menschen hierzulande Wertpapiere gekauft. Besonders die Jungen zieht es an die Börse. Ihre Hoffnung: dass der Aktienboom auch im Jahr 2021 weitergeht.
          Alles fake? Eine Nachbildung der Akropolis in Peking

          Querdenker in China : Das historische Komplott

          Auch in China gibt es Querdenker, die gegen den Mainstream anrennen: Der ganze Westen sei eine missratene Kopie Chinas, behaupten sie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.