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Biathlon-Verfolgung : Knapp daneben ist auch vorbei

  • -Aktualisiert am

Schießt du noch, oder jubelst du schon? Martin Fourcade lässt die Konkurrenz stehen und düpiert sie mit seiner Siegerfaust Bild: AFP

Simon Schempp liegt nach 19 von 20 Schüssen auf Medaillenkurs. Und dann verfehlt er ganz knapp das Ziel. Martin Fourcade gewinnt - und muss seine Jubelgesten erklären.

          2 Min.

          Dieser letzte Schuss wird Simon Schempp noch eine Weile beschäftigen. Wenn man mit 43 Sekunden Rückstand auf Rang elf in die Verfolgung startet, ist man normalerweise hochzufrieden, am Ende der 12,5 Kilometer inklusive vier Schießeinlagen auf Platz sechs zu landen. Aber wenn man schon an der olympischen Medaille geschnuppert hat, dann wird daraus ein bitteres Erlebnis. „Ja, die Enttäuschung ist schon da, weil ich so nahe dran war. Und dann schieße ich den letzten Schuss weg, obwohl ich zuerst gedacht habe, der hätte getroffen. Der war sicher ganz knapp.“

          Leider ist knapp daneben auch vorbei, und das gilt auch für die Medaille. Eine Strafrunde kostet rund zwanzig Sekunden, und wenn man die abzieht, wäre der 25 Jahre alte Schwabe, der vor zwei Wochen in Antholz noch Sprint und Verfolgung gewonnen hatte, auf Rang drei gelandet. Und nicht der Franzose Jean Guillaume Beatrix.

          Es wäre nach der leichten Enttäuschung im Sprint so etwas wie ein Aufbruchsignal gewesen für die deutschen Biathleten, die am Montag bei tiefen Geläuf aber auf dem Weg nach vorne waren. Erik Lesser verbesserte sich von Platz 22 auf Position 16, Arnd Peiffer von Rang 34 gar auf Platz 19. „Mir kommt mit meinen 80 Kilo dieser tiefe Schnee auf diesmal brutal schweren Kurs nicht so gelegen, aber es war ein ordentliches Rennen“, sagte Peiffer.

          Etwas enttäuschend im Abgang: Simon Schempp Bilderstrecke

          Es gab einen in diesem Rennen, für den der letzte Schuss eine noch viel größere Bedeutung hatte: Martin Fourcade: Der Weltcup-Spitzenreiter und fünfmalige Weltmeister aus Frankreich war als Sechster im Sprint schwer von Altmeister Ole Einar Björndalen geschlagen worden, und natürlich wollte er den Zuschauern im Biathlon-Tempel Laura und dem Rest der Welt an den Fernseh-Geräten beweisen, dass ihm das nur einmal passiert. Er lag in Führung, und als er die letzte Scheibe abgeräumt hatte, drehte er sich zu den Zuschauern auf der steilen Tribüne um und hob die Faust im Gefühl des sicheren Sieges.

          Mancher mag diese Geste als pure Arroganz verstanden haben, zumal Fourcade auch noch eingangs der Zielgeraden die Hand hochreckte und kurz vor dem Ziel auch noch demonstrativ bummelte, bis der Zweite, der Tscheche Ondrej Moravec, um die Kurve bog.

          Da gab es eine Menge Erklärungsbedarf. „Ich habe die Last des letzten Schusses gespürt, weil ich wusste, dass ich Olympiasieger werde, wenn ich treffe“, sagte der Franzose. „Die Geste war einfach nur die reine Freude, die ich mit dem Publikum teilen wollte.“ Arroganz? Um Gottes willen, nein. Selbst für die Bummelei hatte Fourcade eine Erklärung. „Das war die härteste Schlussrunde meines Lebens, dass ich zum Schluss einfach Energie für die nächsten Rennen sparen wollte.“

          Manche wollen das schon da einen Anflug von Petter-Northug-scher Überheblichkeit erkannt haben. Der norwegische Langläufer hat schon manches Mal seine Gegner auf ähnliche Weise gedemütigt. Allerdings steht Martin Fourcade gerade bei seinen Kollegen absolut nicht in dem Ruf, arrogant zu sein. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo mittendrin. Zum einen war es die erste Goldmedaille in der Karriere des Mannes aus den Pyrenäen. Zum anderen steckte in dieser Geste sicher auch der ganze Frust, im Sprint nicht die Rolle gespielt zu haben, die man ihm und die er sich selbst zugedacht hatte: als der große Champion.

          „Der gehört in die Hall of Fame“

          Wobei er es nicht als Schande empfunden hat, gegen die Björndalen, der diesmal Vierter wurde, so deutlich den Kürzeren gezogen zu haben. „Was Ole vor zwei Tagen mit seinen 40 Jahren gemacht gemacht hat, war unglaublich. Der gehört in die Hall of Fame.“ Der Norweger hat sich allerdings in seiner gesamten Karriere keinerlei Triumphgebaren erlaubt.

          Biathlon, Männer, 12,5km Verfolgunrg

          Gold: Martin Fourcade (Frankreich)  33:48,6 Min./1 Schießfehler
          Silber: Ondrej Moravec (Tschechien)  + 0:14,1/0
          Bronze: Jean Guillaume Béatrix (Frankreich)  + 0:24,2/1

          4. Ole Einar Bjørndalen (Norwegen) + 0:25,9/3; 5. Jewgeni Ustjugow (Russland) + 0:36,7/1; 6. Simon Schempp (Uhingen) + 0:39,1/1; 7. Emil Hegle Svendsen (Norwegen) + 0:40,2/1; 8. Simon Eder (Österreich) + 0:40,3/2; 9. Andrejs Rastorgujevs (Lettland) + 0:48,3/1; 10. Dominik Landertinger (Österreich) + 0:48,9/3;
          ...16. Erik Lesser (Frankenhain) + 1:04,5/3; 19. Arnd Peiffer (Clausthal- Zellerfeld) + 1:32,8/1; 43. Christoph Stephan (Oberhof) + 3:30,2/1

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