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Biathlon-Staffel der Frauen : Diese verfluchten Spiele

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Kaum mehr auszuhalten: Franziska Preuss spiegelt nach dem Staffel-Rennen die Gemütsverfassung der deutschen Biathletinnen Bild: EPA

Erst der Doping-Fall Sachenbacher, dann ein elfter Platz in der Staffel: Die deutschen Biathletinnen bleiben zum ersten Mal seit 1992 ohne Medaille. Das Team der Ukraine weint nicht nur über die Goldmedaille.

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          Am bittersten Tag für das deutsche Biathlon erlebte die Damen-Staffel zum Olympia-Abschluss auch sportlich noch ein Debakel. Das lähmende Entsetzen nach der positiven Doping-Probe von Evi Sachenbacher-Stehle wenige Stunden zuvor konnten Franziska Preuß, Andrea Henkel, Franziska Hildebrand und Laura Dahlmeier am Freitag in Krasnaja Poljana nicht überwinden und landeten beim Olympiasieg des ukrainischen Quartetts abgeschlagen auf Rang elf. „Wir waren alle geschockt, mehr kann ich dazu gar nicht dazu sagen“, meinte Hildebrand.

          Besonders bitter war der Abschied für Andrea Henkel. „Ich habe versucht, ein normales Rennen zu machen, weiß aber nicht, ob mir das gelungen ist“, sagte die achtmalige Weltmeisterin nach ihrem letzten Auftritt auf der Olympia-Bühne. „Mein letztes Olympia-Rennen war nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Bei den ganzen Spielen war der Wurm drin.“ Erstmals seit 1992 blieben deutsche Skijägerinnen ohne Olympia-Medaille, in den Staffeln hatte es in der Vergangenheit jedes Mal Edelmetall gegeben.

          Endlich mal gute Nachrichten für die Ukraine: Gold für die Biathletinnen-Staffel Bilderstrecke

          Während sich in ihrer Heimat das politische Chaos langsam zu lichten scheint, haben die ukrainischen Olympioniken dagegen einen symbolträchtigen Erfolg errungen: Die Biathlon-Staffel der Frauen gewann die erste Goldmedaille für die frühere Sowjetrepublik bei den diesjährigen Winterspielen - wenige Stunden, nachdem die Staatsführung und Opposition in Kiew ein weitreichendes Übergangsabkommen zur Überwindung der monatelangen Krise unterzeichnet hatten.

          „Ein unglaublicher Sieg für die Ukraine“

          Endläuferin Olena Pidhruschna brach beim Überqueren der Ziellinie in Tränen aus. „Das ist ein unglaublicher Sieg für die Ukraine, für unser Team, weil wir schwierige Momente in unserem Land durchstehen mussten“, sagte der Präsident des Ukrainischen Olympischen Komitees und frühere Stabhochspringer Sergej Bubka. „Wir widmen diesen Sieg dem gesamten ukrainischen Volk.“

          Bedrückte Gesichter gab es bei den deutschen Biathletinnen. Mit Platz elf über die 4 mal 6 Kilometer fuhren sie das schlechteste Ergebnis einer deutschen Staffel bei Winterspielen überhaupt ein. Das DSV-Team lag am Ende 3:41,7 Minuten hinter der Ukraine. Dabei war das deutsche Team zuvor in jedem Weltcup-Rennen auf dem Podest gewesen.

          Preuß stürzte am ersten Anstieg kopfüber

          Schon früh waren diesmal aber alle Hoffnungen dahin. Startläuferin Preuß stürzte am ersten Anstieg kopfüber, der Stock brach. Die 19-Jährige kam als Letzte zum Schießstand und musste noch ihr Gewehr reinigen. „Ich habe mich erst einmal daran erinnern müssen, was ich machen muss. Das lähmt auch auf der Strecke“, sagte sie. Danach vermied sie gerade so die Strafrunde, benötigte beim nächsten Schießen noch einen weiteren Nachlader. „Diese verfluchten Spiele. So etwas habe ich noch nie erlebt“, klagte Chef-Bundestrainer Uwe Müssiggang.

          Noch schlimmer erwischte es die Französinnen: Marie Laure Brunet kollabierte, musste ärztlich versorgt und weggetragen werden.

          Debütantin Preuß übergab mit einem Rückstand von fast drei Minuten an Andrea Henkel, die sich auf ihre letzten sechs Olympia-Kilometer machte. Danach war die 36-Jährige vor allem da, um Trost zu spenden. „Ich weiß gar nicht, wie mein Rennen war, denn ich bin die ganze Zeit alleine gelaufen“, sagte sie.

          „Das ist ein extremer Schock“

          Es war ein schwerer Tag für das deutsche Team. „Wir waren alle schockiert. Wir haben versucht, den Fokus auf das Sportliche zu lenken“, sagte Damen-Bundestrainer Gerald Hönig. Der Computer sollte ausbleiben, die Handys zur Seite gelegt werden, nachdem das Team informiert worden war.

          Evi Sachenbacher-Stehle war für das Staffelrennen nicht nominiert worden. Schon am Vormittag war zu ahnen, dass etwas Unangenehmes auf die Biathleten zukommen würde.

          Herren-Bundestrainer Mark Kirchner bereitete Erik Lesser, Daniel Böhm, Arnd Peiffer und Simon Schempp auf das Staffelrennen am Samstag (15.30 Uhr) vor, als das Handy klingelte. Danach rief Kirchner seine Skijäger zur Mannschaftssitzung. „Ich habe es gerade auf dem Handy gelesen. Und kann es gar nicht glauben“, sagte Peiffer. Der als Schlussläufer vorgesehene Schempp stellte fest: „Das ist ein extremer Schock. Mehr kann ich dazu nicht sagen.“

          Ergebnis, Biathlon, Damen, 4 x 6 km

          Gold: Ukraine 1:10:02,5 Std./0 Strafrd.+5 Schießfehler (Wita Semerenko, Julia Dschyma, Walj Semerenko, Olena Pidgruschna)
          Silber: Russland + 0:26,4 Min./0+4 (Jana Romanowa, Olga Saizewa, Jekaterina Schumilowa, Olga Wiluchina)
          Bronze: Norwegen + 0:37,6/0+5 (Fanny Welle-Strand Horn, Tiril Eckhoff, Ann Kristin Aafedt Flatland, Tora Berger)

          4. Tschechien + 1:23,2/0+14
          5. Weißrussland + 1:30,9/1+8
          6. Italien + 1:40,8/1+9
          7. USA + 2:11,7/0+13
          8. Kanada + 2:19,0/2+12
          9. Schweiz + 2:31,8/0+9
          10. Polen + 2:31,9/4+8
          11. Deutschland (Franziska Preuß/Haag, Andrea Henkel/Großbreitenbach, Franziska Hildebrand/Clausthal-Zellerfeld, Laura Dahlmeier/Partenkirchen) + 3:41,7/0+6

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