https://www.faz.net/-g8b-7m63l

Biathlon-Sprint : Der siebte Streich von Altmeister Björndalen

  • -Aktualisiert am

Mit 40 Jahren zum Olympia-Titel: Ole Einar Björndalen Bild: AFP

Im Alter von 40 Jahren gewinnt der Norweger Ole Einar Björndalen seine siebte olympische Goldmedaille. Österreich sichert sich mit Silber das erste Edelmetall der Winterspiele von Sotschi. Die deutschen Starter sind chancenlos.

          2 Min.

          Man muss sich das mal vorstellen. Der Mann ist vor knapp zwei Wochen 40 Jahre alt geworden. Ein Alter, in den man normalerweise im Hochleistungssport nichts mehr verloren hat. Aber bei Ole Einar Björndalen ist eben rein gar nichts normal. Wie der alte Mann am Samstag beim Olympia-Auftakt im gläsernen Biathlon-Tempel vor der prächtigen Kulisse der Kaukasus-Bergen die viel jüngeren Branchenführer im Sprint über 10 Kilometer auseinandergenommen hat, das ist schon phänomenal.

          Alle hatten nur von seinem Landsmann Emil Hegle Svendsen gesprochen und vom Franzosen Martin Fourcade, die den Weltcup und die Weltmeisterschaften seit zwei Jahren dominieren, und dann kommt der Oldie daher, fegt über den ultraschweren Kurs wie ein Jüngling und nimmt den Herren des Biathlonzirkus 12,4 beziehungsweise 29,3 Sekunden ab.

          Björndalen war am schnellsten in der Loipe

          Und die Leistungen sind direkt miteinander vergleichbar, weil sich alle Drei jeweils einen Fehlschuss leisten. Aber während Fourcade (Sechster) und Svendsen (Neunter) mit dieser Bürde chancenlos waren, setzte sich Björndalen sogar gegen die fehlerfrei schießenden Dominik Landertinger (Österreich) und Jaroslav Soukup aus der Tschechischen Republik knapp durch. „Das war mein bisher bestes Rennen dieses Jahr“, sagte Björndalen lapidar. Es war sein erster Sieg seit 2012. Und seine siebte Goldmedaille bei Olympischen Spielen.

          Deprimiert: Der Franzose Martin Fourcade geht beim Sprint leer aus

          Viele haben ja schon gedacht, dass der alte Mann aus Norwegen irgendwann den Zeitpunkt für seinen Rücktritt verpasst hat, weil er in den vergangenen beiden Jahren nicht sonderlich in Erscheinung getreten war, aber dahinter verbargen sich zum einen eine langwierige Verletzung, zum anderen legte ihn eine Virusinfektion lange lahm. „Das waren zwei schwere Jahre“, hat er gesagt, „es war das erste Mal, dass ich richtig verletzt war.“ Wobei man sagen muss, dass er sich die Verletzung beim Holzmachen mit seinem Schwager im Wald zugezogen hatte. „Das war ein blöde Geschichte.“

          Fokussiert auf Ziele

          Aber Björndalen ist einer, der sich auf seine Ziele fokussieren kann wie vermutlich kein Zweiter. Natürlich hätte er zwischendurch gerne mal die Hundert voll gemacht, was die Zahl seiner Weltcupsiege (93 im Biathlon) angeht, aber was muss man schon noch beweisen, wenn man 18 WM-Titel in der Tasche hat? Auch seine bislang sechs Goldmedaillen bei Olympischen Spielen waren Biathlon-Rekord. Aber Gold Nummer sieben, das war sein großes Ziel, auch wenn er darüber in der Öffentlichkeit nie so deutlich gesprochen hat. Hätte auch komisch geklungen in der Zeit, in der er nur mittelmäßige Resultate lieferte.

          Aber der Satz „Alles andere als der Sieg ist Scheiße“ gilt eben immer noch, wenn vielleicht auch nur noch bei ganz großen Anlässen. Um genau zu sein: Für diesen einen, seinen letzten großen Einsatz – Olympia in Sotschi. Und für den hat er im Grunde ja auch nur noch trainiert. Er hat in dieser Saison, in der er in Oberhof mit zwei Podiumsplätzen wieder aufhorchen ließ, den ein oder anderen Weltcup mehr ausgelassen als die Konkurrenz. Und statt dessen einsam in der Höhe von Antholz oder Obertiliach seine Runden gedreht. Immer mit dem bestens ausgestatteten Wohnmobil auf dem Parkplatz am Biathlonstadion. Damit er in seinem hohen Alter nicht mehr unnötig Energie verschwendet mit langen Anfahrten zum Hotel.

          Enttäuschende Deutsche

          Jetzt ist er seinem berühmten Landsmann Björn Dählie ganz nahe gerückt. Die norwegische Langlauf-Legende hat es in ihrer aktiven Zeit auf acht Goldmedaillen gebracht, und so schlecht stehen Björndalens Chance nicht, auch diese Marke einzustellen. Schließlich nimmt er seinen Vorsprung vom Sprint (1,3 Sekunden) mit in die Verfolgung an diesem Montag.

          Die können die deutschen Biathleten wohl schon abhaken. Simon Schempp ohne Fehler nur Fünfzehnter und damit Bester, 42,9 Sekunden hinter Björndalen – ein Debakel. Auch Erik Lesser (Rang 21) ging es nicht besser. Ganz zu schweigen von Arnd Peiffer (34.) und Christoph Stephan (58.) – allgemeine deutsche Ratlosigkeit. Und eine Mischung aus Verblüffung und Bewunderung für den Altmeister. Einen kleinen deutschen Anteil an Björndalens gibt es übrigens auch. Sein persönlicher Wachser ist der Ehemann der ehemaligen Siegläuferin Uschi Disl.

          Gold: Ole Einar Björndalen (Norwegen)
          Silber: Dominik Landertinger (Österreich)
          Bronze: Jaroslav Soukup (Tschechische Republik)

          Weitere Themen

          Borussias neuer „Heiland“? Video-Seite öffnen

          Haaland vor Heimdebüt : Borussias neuer „Heiland“?

          Der junge Stürmer aus Norwegen wird von vielen BVB-Fans beim öffentlichen Training beobachtet – sein Debüt am Wochenende hat große Hoffnungen geweckt. Ist Erling Haaland der neue „Heiland“ für die Borussia?

          Topmeldungen

          Im Bahnhof der Stadt Hangzhou werden ankommende Passagiere aus Wuhan mit Infrarot-Thermometern untersucht.

          Coronavirus : Zahl der Toten auf 25 gestiegen

          Auch die Anzahl der Infizierten ist mit insgesamt über 800 Fällen seit gestern noch einmal deutlich angestiegen. Die Weltgesundheitsorganisation sieht dennoch bislang keinen internationalen Gesundheitsnotstand.

          Überfüllte Kliniken in China : Ein Patient alle drei Minuten

          Überfüllte Kliniken, gewalttätige Angehörige, Arztkosten als Existenzbedrohung, Menschen, die sich selbst ein Bein amputieren – und nun auch noch ein unbekannter Virus: In China sollte man besser nicht krank werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.