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Biathlon : Die Streithähne

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Verfolgungsrennen: Martin Fourcade ist Emil Hegle Svendsen auf den Fersen Bild: REUTERS

Hemdsärmelig und smart: Das große Duell der Sprinter Emil Hegle Svendsen und Martin Fourcade prägt auch den Auftakt der Biathlon-Wettkämpfe am Samstag (15.30 Uhr).

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          Zuletzt sind sich die beiden aus dem Weg gegangen. So wie das im Sommer die Super-Sprinter der Leichtathletik gerne halten, bevor sie beim Saisonhöhepunkt aufeinanderprallen. Nur dass es im Biathlon nicht den einen und hoch überlegenen Usain Bolt gibt. Sondern von dieser Klasse gleich zwei: Martin Fourcade und Emil Hegle Svendsen sind gewissermaßen die Sprinter im Biathlon, die über den anderen thronen. Im Normalfall sind zwei von drei Medaillen vergeben. Denn kaum jemand ist schneller unterwegs als der Franzose und der Norweger, und weil die auch mit dem Kleinkalibergewehr oft genug treffen, macht sie das zu den unumstrittenen Branchenführern. Beide – der hemdsärmelige Norweger oder der smarte Franzose – haben auf ihre Art das Zeug zum Star, und auch das macht dieses Duell womöglich zu einer der spannendsten Angelegenheiten dieser Olympischen Winterspiele. Das erste Aufeinandertreffen findet im Zehn-Kilometer-Sprint am Samstag (15.30 Uhr/ live in der ARD und im F.A.Z.-Liveticker) statt.

          Man braucht sich, man respektiert sich, aber man spielt auch mal kleine Spielchen, wobei in der Hinsicht Svendsen eindeutig im Vorteil ist. Der Norweger gibt ganz gerne den Flegel. Ein paar Sticheleien, ein bisschen Psychoterror, so läuft das Geschäft. Er hat auch diesmal das Ballyhoo eröffnet: „Er ist nervöser als sonst, das ist meine Vermutung“, sagte der Norweger und schob nach: „Ich spüre keinen psychologischen Vorteil. Jeder weiß doch, dass Martin der beste Biathlet in dieser Saison ist.“ Und Fourcade spielt mit: „Emil ist doch ein großer Schwindler. Ich weiß doch, wie selbstbewusst und selbstsicher er ist.“

          4:1 für Svendsen

          So wie im vergangenen Jahr bei der WM in Nove Mesto, als Svendsen seinem französischen Widersacher ausrichten ließ, er wünsche ihm wirklich viel Erfolg – mit seinen sechs Silbermedaillen. Und Fourcade, der die ganze Saison im Weltcup dominiert hatte, wurde vom Norweger tatsächlich kalt erwischt. 4:1 fiel der Vergleich aus, was die Titelausbeute angeht, und dieses eine Gold für Fourcade taugte deswegen nicht zur großen Revanche, weil Svendsen wegen leichter Erkältung verzichten musste.

          fertig zum Duell: Emil Hegle Svendsen zieht sein Gewehr im Training im Laura Biathlon-Zentrum

          Der 25 Jahre alte Franzose bleibt zwar auch in der Niederlage stets Gentleman, aber dass es in seinem Inneren brodelt, lässt sich an solchen Aussagen ablesen wie: „Das wird mich die ganze Vorbereitung über antreiben.“ Nein, noch einmal will sich der Ältere der Fourcade-Brüder nicht so abkochen lassen, schon gar nicht bei Olympischen Spielen. Gold fehlt ihm noch – im Gegensatz zu Svendsen. Dabei hat der Mann aus den Pyrenäen überhaupt keinen Druck. Keinen öffentlichen jedenfalls. Viele Landsleute wissen nicht einmal, was Biathlon ist, und die Medien reißen sich nicht gerade um ihn, selbst wenn im Dezember 2013 in Annecy-Le Grand Bornand endlich der erste Weltcup auf französischem Boden stattgefunden hat. Den Svendsen prompt ausließ.

          20 Schuss, 20 Treffer

          Der 28 Jahre alte Mann aus Lillehammer weiß nur zu gut, wie tief der Stachel von Nove Mesto sitzt und dass der Franzose in Sotschi den großen Gegenschlag plant. Was er natürlich partout verhindern muss. Die Norweger sind „die“ Biathlon-Nation, das Interesse und die Erwartungen sind so groß, dass sich das Team abschotten muss, um in Ruhe arbeiten zu können. Wie stark Svendsen im Fokus steht, zeigt allein die Tatsache, dass ihm die norwegische Presse genüsslich in Tagen vorgezählt hat, wie lange ihm keine Nullserie mehr geglückt war.

          Den Gegner im Blick, die Scheibe im Visier: Martin Fourcade sinnt auf Revanche

          Bis er dem süffisanten Spiel im Januar in Ruhpolding mit dem Sieg im Einzel ein Ende machte: 20 Schuss, 20 Treffer – nach fast vier Jahren Wartezeit. Was er – in Abwesenheit von Fourcade – mit einem spontanen Freudenausbruch noch am Schießstand feierte. Damals hat der Norweger auch verraten, was den Unterschied macht. „Ich bin jetzt im Kopf wieder sehr stark. Das war wahrscheinlich auch der größte Schlüssel zu meinem Erfolg in Nove Mesto.“

          Svendsen arbeitet schon seit letzter Saison mit einem Mentaltrainer zusammen, der Fußball-Kennern als ehemaliger Fifa-Schiedsrichter bekannt ist: Tom Henning Övrebö. „In dieser Saison haben wir das mentale Training noch intensiviert“, sagt Sevendsen. Das Ergebnis lässt sich sogar in der Statistik ablesen: Seine Trefferquote ist um 4,7 Prozent gestiegen. Was für einen laufstarken Biathleten wie Svendsen eine Art Zusatzversicherung ist. Mag sein, dass die Zeichen leicht in Richtung Svendsen weisen, aber vielleicht kommt es sowieso ganz anders. Und die beiden Streithähne müssen am Ende verblüfft zu einem lachenden Dritten aufschauen.

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