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Biathlon : Deutsche schießen sich wieder um die Medaille

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Zu oft daneben, zu oft nachgeladen: Die deutschen Biathleten um Simon Schempp (im Bild) landen bei Norwegens Sieg nur auf Rang fünf Bild:

Die deutschen Biathlon-Männer beenden die Olympischen Spiele ohne Medaille. Im „Hoffnungslauf“, der Staffel über 4x7,5 Kilometer, sorgte Birnbachers Blackout für das Ende aller Träume. Biathlon-König Björndalen sichert Gold für Norwegen.

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          Es war die letzte Gelegenheit. Die letzte Chance, nicht mit leeren Händen zurückzukehren. Der fünfte Platz von Michael Greis in der Verfolgung als herausragendes Ergebnis ist für deutsche Ansprüche einfach zu wenig. Aber das erhoffte Ausrufezeichen zum Schluss ist ausgeblieben. Während Ole Einar Björndalen die norwegische Staffel im dichten Schneetreiben weit vor Österreich und Russland zum ungefährdeten Sieg führte und damit nun sechsmaliger Olympiasieger ist, landete ein enttäuschtes deutsches Quartett in der Besetzung Simon Schempp, Andreas Birnbacher, Arnd Peiffer und Michael Greis mit 1:37,9 Minuten Rückstand auf Platz fünf.

          Das entspricht zwar absolut der Position in der Weltcup-Wertung, bedeutet aber andererseits, dass erstmals seit 1968 in Grenoble ein deutsches Team ohne Medaille geblieben ist. „Das ist bitter. Aber nach dem Blackout von Andreas Birnbacher war nicht mehr möglich“, sagte Bundestrainer Frank Ullrich, für den es der olympische Ausstand war. „Die drei anderen haben ihre Sache gut gemacht.“ Die zwei Strafrunden Birnbachers waren nicht mehr wieder gut zumachen.

          Auch 1998 in Nagano hatten die deutschen Biathlon-Männer vor der 4x7,5-Kilometerstaffel ohne Medaille dagestanden, damals rettete Gold aber noch eine verhagelte Bilanz. Aber damals ging es bei den Rennen zuvor ums Material allein, und der richtige Schliff wendete das drohende Unheil noch ab. 2010 liegen die Probleme tiefer, das Team ist im Umbruch und nicht in Medaillen reifer Verfassung (siehe auch: Biathlon: Die Großmacht Deutschland schwächelt). Und die Staffel ist in dieser Saison bestenfalls Dritter geworden. „Wir greifen an. Die Mannschaft ist topmotiviert“, hatte Ullrich zuvor noch angekündigt.

          Mann mit Fahne: Biathlon-König Ole Einar Björndalen bringt Gold ins Ziel
          Mann mit Fahne: Biathlon-König Ole Einar Björndalen bringt Gold ins Ziel : Bild: REUTERS

          Stephan fehlte als Startläufer

          Was blieb auch übrig. Aber der Bundestrainer hatte ausgerechnet in dieser ungeheuren Drucksituation auf den erkrankten Oberhofer Christoph Stephan verzichten müssen, der bislang als Startläufer eine feste Größe war. Für ihn stand nun der 21 Jahre alte Schwabe Simon Schempp am Anfang der Viererkette. Den hat Ullrich immerhin schon zweimal in dieser Saison als Schlussläufer eingesetzt, und da machte der Uhinger seine Sache stets ordentlich. Und er hatte den Vorteil noch frisch zu sein. Und Schempp rechtfertigte das Vertrauen. Nur einen Nachlader brauchte er, um die zehn Scheiben zu treffen, biss sich am Österreicher Simon Eder fest und wechselte mit 2,9 Sekunden Rückstand auf die führenden Russen als Dritter. „Ich war nervös, aber ich bin froh, dass es für mich so gelaufen ist“, sagte Schempp.

          Andreas Birnbacher hat in den letzten Tagen in Whistler oft kopfschüttelnd da gestanden und nicht gewusst, warum er es wieder „nicht zusammengebracht“ hat. Am Freitag in der Staffel hätte er zeigen können, was in ihm steckt. Was er anfangs auch tat. Null Fehler im Liegendanschlag, Führungsarbeit bis zum zweiten Schießen, und dann die Krise: Ein wildes Trefferbild, zwei Strafrunden, und ruckzuck war aus der Führung mehr als eine Minute Rückstand geworden.

          Zeitverlust mit Rucksack auf den Schultern

          Und wenn man diesen Rucksack mit sich herumschleppt, dann werden auch die Beine schwer. 1:21,7 Minuten beim Wechsel, Platz zehn. Ein schwerer Schlag. Irreparabel. „Ich war in Zugzwang, weil keiner Führungsarbeit leisten wollte“, sagte Birnbacher. „Und am Schießstand hatte ich dann vom ersten Schuss an eine brutale Nähmaschine.“ So nennen es die Biathleten, wenn sie das Muskelzittern befällt. Und nach den zwei Zusatzrunden in der vom dichten Schneefall stumpfen Strafrunde sei er „schon blau“ auf die Strecke gegangen.

          Aber warum lässt sich einer mit der Erfahrung von Jahren zum Schneepflug machen? Ein Anfängerfehler. Arnd Peiffer und Michael Greis konnten nur noch leichte Schadensbegrenzung betreiben. Platz fünf als Endergebnis ist sogar noch fast ein kleines Wunder. Dennoch ist die Enttäuschung groß.

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