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Abfahrt der Herren : Er ist Bode!

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Das ist ER: Bode Miller hat die olympische Abfahrt im Blick Bild: AP

Zu alt? Technisch rückständig? Bode Millers Rückkehr auf die Piste wurde von Zweifeln begleitet. Doch der Amerikaner will seine spektakuläre Karriere beim ersten Höhepunkt der Winterspiele von Sotschi nach Trainingsbestzeiten krönen - mit Gold in der Abfahrt am Sonntag (8 Uhr).

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          Marco Sullivan ist ein bulliger Kerl. Ein Abfahrer, 1,83 Meter groß, 95 Kilo schwer, ein Kraftpaket. Jetzt sitzt dieser Kerl neben seinem Teamkollegen Bode Miller auf dem Podium und grinst verlegen. Denn Sullivan soll erklären, wie sich Miller, der Star, der bei Olympia erfolgreichste amerikanische Skirennfahrer überhaupt, in den letzten Jahren so verändert hat. Sullivan rutscht ein bisschen hin und her, er druckst etwas rum, dann sagt er: „Bode fährt ziemlich genau so Ski wie damals, als ich ihn zum ersten Mal Ski fahren gesehen habe. Schnell, technisch wahnsinnig gut, ein echter Wettkämpfer.“ Dann ist Sullivan froh, dass es überstanden ist. „Was soll ich sagen“, setzt er noch hinzu und lacht: „Er ist Bode.“

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Das heißt: Er ist der Mann, der die Skifans seit Jahren elektrisiert. Der Mann, der fünf Olympia-Medaillen gewonnen hat, darunter Kombinations-Gold 2010 in Vancouver, und zweimal den Gesamtweltcup. Der Mann, der die Branche immer wieder in Aufregung versetzt hat, mit seinen Sprüchen und mit seinen Fahrten, spektakulären Linien am Limit, Schwüngen zum Niederknien. Der Mann, der für die einen ein unverbesserliches Großmaul ist und für die anderen ein Idol, ein Rebell, ein Künstler, der sich nicht durch Bilder oder Musik ausdrückt, sondern durch seinen Lebensstil, und das heißt vor allem: durch Skifahren. Bode Miller, das ist für viele der spannendste Typ, den der alpine Ski-Zirkus je zu bieten hatte.

          Pause nach einem Sturz in Sotschi

          Eineinhalb Jahre lang musste dieser Zirkus zuletzt auf seinen Lieblingsdarsteller verzichten. Miller hatte sich eine Auszeit genommen, um in aller Ruhe eine Knieverletzung auszukurieren. Ramponiert hatte er sich das Knie in Sotschi, vor zwei Jahren, bei der Weltcup-Premiere auf der olympischen Abfahrtsstrecke. Miller wurde Vierter damals, der harte, eisige, mit Schlägen gespickte Kurs setzte seinem Knie aber derart zu, dass er kurz darauf die Saison beenden musste.

          Erst im vergangenen Oktober kehrte er zurück, beim Weltcup-Auftakt in Sölden. Mit 36 Jahren und begleitet von vielen Zweifeln - wegen seines Alters, wegen der langen Pause, wegen der Entwicklung des Skirennsports in seiner Abwesenheit, durch die Materialreform etwa, die weniger stark taillierte Ski vorschrieb. Tatsächlich fuhr Miller anfangs oft hinterher, doch das hatte in den meisten Fällen weniger mit fehlender Geschwindigkeit zu tun als vielmehr mit fehlender Konstanz. Immer wieder war Miller auf Teilabschnitten so schnell wie kein anderer - und brachte sich dann mit haarsträubenden Fehlern selbst um einen Spitzenplatz. Mit Ausnahme des Riesenslaloms in Beaver Creek, als er fast fehlerlos durchkam und Zweiter wurde.

          Man kann das freilich auch positiv sehen, und dann heißt das: Miller ist noch immer so draufgängerisch, ungestüm und aufsehenerregend unterwegs wie zu besten Zeiten. Nur eben nicht so erfolgreich. Noch nicht.

          Optische Täuschung: Fliegen kann selbst Miller nicht

          Die laufende Saison war für Miller bisher eine Art Jagd nach dem perfekten Rennen. Jede Woche schien dieses Rennen einen Schritt näher zu rücken, und nie war es so nahe wie vor zwei Wochen in Kitzbühel. Da düpierte Miller alle Konkurrenten mit einem fantastischen Trainingslauf - patzte dann aber zwei Tage später im Rennen und wurde Dritter. Nur Dritter. Miller war stinksauer, er sah das Ergebnis nicht als Zeichen, dass er auf dem richtigen Weg war, er sah es als persönliche Niederlage. Für Miller geht es längst nicht mehr um Podiumsplätze oder um Weltcup-Punkte. Für ihn geht es um anderes. „Ich bin keiner, der das Gefühl hat, noch was beweisen zu müssen“, sagte er in Kitzbühel. „Ich will gut Ski fahren. Und wenn ich nicht gut Ski fahre, ärgert mich das.“

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