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Russische Wintersportler : Negativ, aber nicht integer?

Verschmähter Athlet: Anton Schipulin Bild: dpa

Das IOC berücksichtigt zahlreiche russische Sportstars wie Schipulin und Ustjugow nicht für die Winterspiele. Dopingvergehen der Athleten liegen nicht vor. In Moskau ist die Entrüstung groß.

          Die Liste bekannter russischer Sportler, die vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) keine Einladung zu den Winterspielen in Südkorea bekommen, wird peu à peu öffentlich. So wird die Mannschaft der „Olympischen Athleten aus Russland“ auf den Biathleten Anton Schipulin verzichten müssen, Staffel-Olympiasieger vor vier Jahren in Sotschi und -Weltmeister im vergangenen Jahr. Wie Schipulin ergeht es Langläufer Sergej Ustjugow, dem Sieger der Tour de Ski 2017 und zweimaligen Weltmeister sowie dreimaligen Zweiten der nordischen Ski-WM vergangenes Jahr.

          Insgesamt sind bislang 28 Namen von Sportlern veröffentlicht worden, die nicht nach Pyeongchang reisen dürfen. Auch Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Xenia Stolbowa und der Dritte der Eistanz-EM, Iwan Bukin, sind nicht eingeladen, teilte der russische Eiskunstlaufverband am Dienstag mit. Zudem hatte das IOC in den vergangenen Monaten 43 Sportler lebenslang von Olympischen Spielen ausgeschlossen und ihnen die Ergebnisse in Sotschi gestrichen. 39 von ihnen werden derzeit als Kläger vor dem Internationalen Sportschiedsgericht in Genf angehört.

          Die Exekutive des IOC hatte am 5. Dezember 2017 beschlossen, auf Grund des staatlich organisierten Doping-Betrugs bei den Winterspielen von Sotschi das russische olympische Komitee zu suspendieren und russische Sportler nur auf Einladung und unter olympischer Flagge als „Olympische Athleten aus Russland“ starten zu lassen.

          Vor der Einladung steht eine Prüfung des Olympiakandidaten durch eine vom IOC eingesetzte Kommission unter der Leitung der früheren französischen Sportministerin Valerie Fourneyron. Das Procedere und die Kriterien sind nicht veröffentlicht worden, allerdings gehört auch die Auswertung der Datenbank des Moskauer Anti-Doping-Labors dazu, die sich seit Anfang November im Gewahrsam der Welt-Anti-Doping-Agentur befindet. Anhand dieser Daten kann es möglich sein, Sportler zu erkennen, die Teil des russischen Betrugssystems waren. Dieses, so stellt es unter anderem der Kronzeuge des Betrugs, der frühere Moskauer Laborleiter Gregorij Rodtschenkow dar, hat über Jahre funktioniert.

          In Russland erzeugen die Nachrichten von der Nichteinladung von Stars abermals Empörung. Das IOC teilte am Dienstagnachmittag mit, es könne individuelle Fälle aus rechtlichen Gründen derzeit nicht kommentieren. Fourneyron wird in der Mitteilung mit den Worten zitiert, ihre Kommission habe sichergehen wollen, dass nicht der leiseste Verdacht gegen einen eingeladenen Athleten bestehe. „Nicht auf der Einladungsliste zu stehen, heißt nicht zwangsläufig, dass ein Athlet gedopt hat – es sollte nicht automatisch ihre (sic!) Integrität in Frage ziehen.“ Welcher Verdacht neben dem des Dopings gegen einen Sportler bestehen könnte, ist nicht klar. Das IOC verwies darauf, dass gegen nicht eingeladene Sportler weitere Anti-Doping-Verfahren eröffnet werden könnten.

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