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Russen ohne Flagge bei Olympia : Ein Deal, kleine Strafe

Olympisches Ringen: Der Präsident des IOC und der Vorsitzende der Komission. Bild: BOTT/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Es sieht so aus, als stecke hinter der Strafe ein Deal, mit dem Russland gut leben kann und das IOC sein Gesicht wahren lässt. Dem Kampf gegen Doping, den sauberen Athleten, hilft das nicht. Im Gegenteil. Ein Kommentar.

          Das Internationale Olympische Komitee hat zugeschlagen: So liest sich der Strafenkatalog, wenn man an die so verletzliche russische Seele denkt: Keine eigene Fahne bei den Olympischen Winterspielen, keine Hymne, die Nation darf in Wort und Ton nicht vorkommen. Ihre Sporthelden werden in neutralen Trainingsanzügen einmarschieren. Und die Drahtzieher des staatlichen Anti-Doping-Systems, allen voran der stellvertretende Premierminister Witalij Mutko, ist auf Lebenszeit von allen olympischen Spielen ausgeschlossen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Daheim, bei Winterspielen im eigenen Land, wäre so eine Sanktion ein Stich ins Herz, eine wirkungsvolle Abschreckung für alle, die glauben, sie könnten mit etwas krimineller Energie die Jugend der Welt nach Strich und Faden betrügen, ihre heimlich getunte Kraft vorführen und gleichzeitig auf den Tribünen das Hohelied auf die Olympischen Werte trällern. Aber in Pyeongchang, vier Jahre nach der größten (bekannten) Manipulation seit dem Zwangs-Doping in der DDR, spielt das Verbot der russischen Insignien keine besondere Rolle mehr.

          Hinter dem großen Schlag steckt bei näherem Hinsehen eine verschmerzbare Symbolik, die letztlich eine fatale Rechnung offenbart. Der Preis für entdecktes Staats-Doping mindestens zwischen 2010 und 2015, für belastbare Hinweise, dass mehr als 1000 Athleten nolens volens involviert waren, ist lächerlich: Retuschen am Protokoll, 15 Millionen Dollar für Untersuchungskosten sowie zur Verbesserung des Anti-Dopingkampfes. Bei Wohlverhalten gibt‘s dann am Ende der Winterspiele die Fahne zurück und – wie kann man das anders sehen – eine Wiederaufnahme in die Familie. Das Risiko ist überschaubar.

          Die Sportwelt wird das Urteil begrüßen. Weil das IOC offensichtlich Rücksicht genommen hat auf diejenigen russischen Athleten, denen es eine Beteiligung am Doping-System nicht nachweisen kann. Das wirkt honorig. Aber ging es wirklich um den Schutz von Sportlern? Noch vor wenigen Tagen drohten Mutko und Co unüberhörbar mit einem kompletten Rückzug, falls das IOC ihnen die Fahne, also die Würde nehmen würde. Am Montag dann hieß es, der von Bach befürchtete Boykott sei kein Thema. Wie das so plötzlich? Es sieht so aus, als stecke hinter der Strafe ein Deal, mit dem Russland gut leben kann und das IOC sein Gesicht wahren lässt. Dem Kampf gegen Doping, den sauberen Athleten, hilft das nicht. Im Gegenteil.

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