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Protestzone : Dunkel, kalt und allein

  • -Aktualisiert am

Männer im Sessellift: Dunkel und kalt Bild: AP

Es wirkt, als sei der olympische Geist noch flüchtig in Krasnaja Poljana. Diese Spiele, fürchten hier viele, sind die Spiele der Funktionäre, der Politiker, der Investoren.

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          Spätabends in der Gondelbahn hoch zum Hotel. Im Bergort Krasnaja Poljana laufen die Gondeln in diesen Olympia-Tagen die ganze Nacht. Allein in einer Gondel in Dunkelheit und Kälte den Berg hoch durch die Finsternis zu schweben, das kann eine ziemlich romantische Sache sein. Aber auch eine ziemlich gruselige.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Es ist, als wäre man für zehn Minuten völlig aus der Welt gefallen, losgelöst von allem Irdischen. So nutzt man gern die Gelegenheit zu Gesellschaft in der Bahn. Diesmal ist es ein junger Typ, er kommt aus der Türkei, wie er sagt, und er ist zum Arbeiten nach Krasnaja Poljana gekommen, in einem Spa, für die Zeit der Olympischen Spiele und der Paralympics.

          Das Gespräch gondelt hin und her

          Rund tausend Türken, sagt er, seien wie er als Olympia-Arbeiter nach Russland gekommen. Das Gespräch gondelt hin und her zwischen Englisch und Deutsch, was oft nicht einfach ist, nicht zuletzt, weil es so finster ist, dass man das Gesicht des Gegenübers kaum sieht, die Stimme irgendwo aus der Dunkelheit tönt.

          Irgendwann kommt das Gespräch auf das Leben hier in Krasnaja Poljana. „Das Leben, hm, schwieriges Thema. Es ist kalt hier“, sagt Yoshkum dann und lacht. „Weather is cold, people are cold, everything cold“ - kaltes Wetter, kalte Leute, alles kalt. Es wirkt oft, als sei Olympia bisher noch nicht recht angekommen in Krasnaja Poljana, als sei der olympische Geist noch flüchtig, trotz der vielen Sicherheitsleute, vielleicht auch wegen ihnen.

          Es gibt großartige Volunteers, die wahnsinnig freundlich sind, hilfsbereit, gutgelaunt. Aber man hat eben oft auch den Eindruck, als hätten viele andere Leute nie einen Zugang gefunden zu diesen Olympischen Spielen. Als sei ihnen dieses ganze Spektakel irgendwie fremd geblieben.

          Wie ein Elefant in der Arktis

          Man kann das gut verstehen, wenn man die kilometerlangen bombastischen Betonfundamente der Bahntrasse sieht, die mitten ins Flusstal der Msymta gerammt wurden, oder all die prunkvoll-verschnörkelten Fassaden der neu hochgezogenen Mega-Hotelblöcke, die in diesem Bergtal ungefähr so heimisch wirken wie ein Elefant in der Arktis.

          Diese Spiele, das sind für viele Leute die Spiele der anderen, der Funktionäre, der Politiker, der Investoren. Yoshkum wird im März, wenn alles vorbei ist, wieder nach Hause fahren in die Türkei. Die Bausünden werden bleiben. Für lange Zeit. Und damit die Frage, ob es das wirklich alles wert war. Nur wird die dann außerhalb von Krasnaja Poljana kaum mehr jemand interessieren.

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