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Olympische Spiele : Pussy-Riot-Aktivistinnen in Sotschi festgenommen

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Wurde in Sotschi festgenommen: Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina von der Punkband Pussy Riot Bild: AFP

Die Ende vergangenen Jahres aus russischer Lagerhaft entlassenen Aktivistinnen der Punkband Pussy Riot sind am Rande der Olympischen Spiele in Sotschi festgenommen worden.

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          Die russischen Aktivistinnen Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina von der Punkband Pussy Riot sind nach eigener Darstellung in Sotschi festgenommen worden. „Wir sitzen in einem Polizeiauto. Sie bringen uns zur Polizei im Stadtteil Adler“, sagte Aljochina der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag am Telefon.

          Pussy Riot war demnach in der Stadt der Olympischen Winterspiele am Schwarzen Meer, um einen neuen Videoclip zu drehen mit dem Titel „Putin bringt Dir bei, die Heimat zu lieben“. Olympia gilt als Prestigeprojekt des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

          „Wir haben keinen Widerstand geleistet. Aber sie sind mit grober Gewalt gegen uns vorgegangen. Sie zerrten uns in ein Polizeiauto“, sagte Aljochina. Die Festnahmen erfolgten demnach im Stadtzentrum von Sotschi. Die Telefone seien ihnen zunächst nicht abgenommen worden. Auch der prominente Menschenrechtler Semjon Simonow von der Organisation Memorial wurde nach eigenen Angaben festgenommen. Das teilte er auf Twitter mit.

          Er werde mit den Aktivistinnen von  Pussy Riot in das Polizeiquartier im Stadtteil Adler gebracht. Die Polizei gab auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa zunächst keinen Kommentar. Simonow teilte mit, dass den insgesamt zehn Aktivisten Diebstahl vorgeworfen werde. Der Menschenrechtler hatte vor allem die Ausbeutung von Gastarbeitern beim Bau der Olympia-Anlagen kritisiert.

          IOC: Scheint Fall für lokale Behörden zu sein

          Der Sprecher des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Mark Adams, sagte: „Wir warten auf eine offizielle Bestätigung, aber es scheint mir ein Fall für die lokalen Behörden zu sein.“

          Tolokonnikowa und Aljochina von Pussy Riot hatten im Februar 2012 an einem  „Punkgebet“ in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale teilgenommen, das sich gegen den heutigen russischen Präsidenten Wladimir Putin  richtete. Sie wurden darauf wegen „Rowdytums“ zu zwei Jahren  Lagerhaft verurteilt. Im Dezember kamen sie durch eine Amnestie  vorzeitig frei. Erst vor einer Woche hatten sie in Berlin für ihre  neue Organisation Zona Priva geworben, mit der sie sich für die  Verbesserung der Haftbedingungen in russischen Gefängnissen  einsetzen wollen.

          Nach der Festnahme von Aktivistinnen der russischen Punkband Pussy Riot hat die Menschenrechtsorganisation Amnesty International die sofortige Freilassung gefordert. Die Menschen in Polizeigewahrsam müssten auf freien Fuß kommen, teilte Amnesty-Sprecher John Dalhuisen mit. „Unter Präsident Wladimir Putin werden die olympischen Ringe zu Handschellen“, unterstrich er.

          Dalhuisen warf den russischen Behörden Menschenrechtsverletzungen vor, indem sie massiven Druck auf Aktivisten ausüben würden. „Es geht um Menschen, die nur ihre Meinung sagen. Das ist empörend. Fast täglich gibt es Berichte über Festnahmen. Das Internationale Olympische Komitee muss handeln“, betonte er.

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