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Olympische Geschichte : Wie der Bob sein Kleid bekam

  • Aktualisiert am

Fünferbob mit Dame: Jede zweite Fahrt hat 1911 zum Unfall geführt Bild: ullstein bild

Alles begann 1888. Zwei Schlitten, ein Verbindungsbrett - und fertig war der Bob. Über manche Fehlkonstruktion führte die Entwicklung in die Windkanäle der Automobil-Industrie: Bobkonstrukteure sprechen von der Formel 1 des Winters.

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          Der Bobsport hat eine aufregende Entwicklung genommen. Angefangen beim Fünferbob, mit dem jede zweite Fahrt zum Unfall führte. Weiter über das Wettrüsten der 1980er-Jahre bis zum High-Tech-Sportgerät des 21. Jahrhunderts. Mittlerweile basteln gar die großen Autohersteller an der Aerodynamik. FAZ.NET nimmt Sie mit auf eine Zeitreise durch den Eiskanal.

          1911

          Ja, Sie haben richtig gezählt. Das ist ein Fünferbob – mit Dame! Damals, als die Bobs fahren lernten, war man auch als Quintett unterwegs. Bei den Winterspielen 1924 und 1928 durften noch alle Fünfe mitfahren. 1931 wurde dies verboten. Viel zu gefährlich: Jede zweite Fahrt soll zu einem Unfall geführt haben. Aller Anfang fand 1888 in der Schweiz statt. Über die Details streiten sich die Bob-Gelehrten. Die einen halten den New Yorker Kurgast Stephen Whitney, andere einen Engländer namens Wilson Smith für den Erfinder. Jeder soll zwei Schlitten mit einem Brett verbunden haben.

          Der erste eigentliche Bob war das Werk des St. Moritzer Hufschmieds Christian Mathis, der 1889 ein Gefährt aus Stahl konstruierte. Von da an ging’s bergauf. Bobfahren erlebte vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges einen wahren Boom. Und bald begann die Zeit der Tüftler.

          (Volker Stumpe)

          Technische Revolution: Der Schweizer Stahlbob mit U-Kufe bei Olympia 1936

          1936

          Ende der zwanziger Jahre erlebte der Bobsport seine erste technische Revolution. Bei der Olympia-Premiere 1924 in Chamonix hatten die Schweizer noch in einem hölzernen Gefährt Gold geholt, kurz darauf gelang ihrem Landsmann Karl Feierabend das Kunststück, einen Komplettstahlbob mit neuartiger U-Kufe zu konstruieren. Der Tüftler aus Engelberg stellte seine Erfindung im Winter 1927/28 vor – und fuhr als 50-Jähriger mit seinem gleichaltrigen Bremser Adalbert Odermatt der jüngeren Konkurrenz auf und davon. Der legendäre „Feierabend-Bob“ war geboren und sogleich heiß begehrt. Während der Senior die vielen Aufträge abarbeitete, lernte sein Sohn das Bobfahren.

          Und wie! Fritz Feierabend holte zwischen 1933 und 1955 dreißig Medaillen: fünf bei Olympia, 15 bei Weltmeisterschaften, zehn Mal bei den Schweizer Titelkämpfen. 1936 in Garmisch-Partenkirchen gewann er olympisches Silber im Zweier- und Viererbob. Erst Mitte der fünfziger Jahre ging die Feierabend-Ära zu Ende. Der Italiener Evaldo d’Andrea baute in Cortina d’Ampezzo den Podar-Bob, der erstmals eine hintere Kugellagerachse und eine Steuerhaube hatte.

          (Thomas Klemm)

          Masse gewinnt: Nur die schwersten Männer taugten 1952 zum Bobsport

          1952

          Je schwerer, desto schneller: Das war die einfache Formel, mit der Pilot Andreas „Anderl“ Ostler den deutschen Zweier- und Viererbob 1952 in Oslo zu zwei Goldmedaillen steuerte. Denn die Deutschland-Bobs waren nicht auf dem letzten Stand der Technik. Ostlers Zweierbob namens „Cognac“ hatte schon 17 Jahre auf dem Buckel, der Viererschlitten „Grainau“ war nicht viel jünger.

          Als sein Viererbob im Training hinter der Konkurrenz aus der Schweiz und den Vereinigten Staaten zurückblieb, war guter Rat teuer. Also überredete Ostler seinen Erzrivalen Friedrich Kuhn vom Bob Deutschland II, beide Teams aufzulösen und die schwersten Männer in einen Bob zu quetschen. Die Masse sollte den technischen Nachteil ausgleichen. Startzeit: unterirdisch. Endgeschwindigkeit: überragend. Sage und schreibe 472 Kilogramm brachte das deutsche Quartett auf die Waage, was den Verband zu einer Gewichtsbeschränkung auf zunächst 420 Kilo (ohne Schlitten) bewegte. Die Zeit der schweren Jungs mit Wohlstandsbauch war vorüber. Die Stärksten wiegen zwar heute auch noch deutlich über 100 Kilogramm – aber dank ihrer Muskelberge.

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