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Doppel-Olympiasiegerin Ledecka : Snowboard schlägt Ski

  • -Aktualisiert am

Kaum zu fassen: Ester Ledecka gewinnt in zwei Sportarten Bild: dpa

Gold in zwei Sportarten bei den selben Spielen: Ester Ledecká glückt ein seltenes Kunststück. Am letzten Olympia-Wochenende triumphiert die Super-G-Olympiasiegerin auch noch in ihrer Spezialdisziplin.

          3 Min.

          Die Tschechin Ester Ledecká schreibt Olympiageschichte. Erst Gold auf Ski, jetzt Gold auf dem Snowboard, im Parallel-Riesenslalom. Dazu gab es Silber und Bronze für die deutschen Snowboarderinnen Selina Jörg und Ramona Hofmeister – das Finale im Phoenix Snowpark hatte es am Samstag in sich. Fehlte nur das große Happy End. Das Geschenk, die Belohnung, eine Goldmedaille für die Gastgeber. Fünftausend Zuschauer im ausverkauften Stadion hatten Sangho Lee, ihren koreanischen Landsmann, durch die K.-o.-Runden getragen, und er hatte es tatsächlich geschafft: Finale! Kampf um Gold! Jetzt standen sie oben.

          Olympische Winterspiele 2018
          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Parallele Kurse, Mann gegen Mann. Die Regie spielte den Sound des Tages ein: Herzklopfen. Es pochte aus den Lautsprechern und in den Herzen, und dann ging es los: Lee auf dem blauen Kurs, der Schweizer Nevin Galmarini auf dem roten. Der rote war etwas schneller, das hatte sich im Lauf des Rennens herausgestellt, aber Galmarini hatte wegen der besseren Qualifikationszeit die freie Wahl gehabt. Korea setzte alles auf Blau. Und durfte bis zur Hälfte der Strecke hoffen, dann aber zog der Schweizer davon. Gold für ihn. Silber für Lee. Donnernder Applaus. Die Koreaner verstehen sich auf Fairness. Auch ohne Happy End.

          Wo soll man anfangen? Ester Ledecká! Was sie bei diesen Spielen geleistet hat, ist grandios. Sie ist eine von nur fünf Sportlerinnen und Sportlern, die bei Winterspielen Olympiasieger in zwei Disziplinen geworden sind. Und nur eine von dreien, denen das bei den selben Spielen gelang. Die anderen schafften es in verwandten Disziplinen. Langlauf und Nordische Kombination oder Biathlon etwa. Aber Ski und Snowboard? Das galt bisher als ausgeschlossen. Das hatte man auch Ester Ledecká immer wieder gesagt. Ihre Antwort war: Es hat noch keiner versucht. Gold im Super-G der Skifahrer hatte sie in der vergangenen Woche mit Startnummer 26 gewonnen, mit einer Hundertstelsekunde Vorsprung vor der Österreicherin Anna Veith. Gold im Snowboarden gewann sie am Samstag im Finale überlegen gegen Selina Jörg, die mit Silber den größten Erfolg ihrer Karriere feierte. Ramona Hofmeister hatte ihr Halbfinale ebenfalls gegen die Weltmeisterin aus Tschechien verloren, sich im Kampf um Platz drei aber gegen die Russin Alena Zavarzina durchgesetzt.

          Beliebter als Alpin

          Snowboarden schlägt Skifahren. Das gilt nicht nur für Ester Ledecká. Das gilt auch für das Publikumsinteresse in Südkorea, und das gilt auch für den deutschen Wintersport. Während die Skifahrer ohne Medaille blieben, bringen die deutschen Boarder auf den letzten Drücker noch Silber und Bronze mit nach Hause. Das kann sich sehen lassen, wenn man bedenkt, dass nur die Disziplinen Parallel-Riesenslalom und Snowboardcross Medaillenchancen haben, die klassischen Freestyle-Wettbewerbe Halfpipe, Slopestyle und Big Air von der deutschen Sportförderung aber so weit links liegengelassen werden, dass sie nicht konkurrenzfähig sind.

          Und was die Zuschauer in Pyeongchang betrifft: Keine Stimmung bei Olympia? Von wegen. Snowboarden war Party zwei Wochen lang. Es war der Publikumsrenner dieser Spiele, eine so ausgelassene Stimmung wie am Samstag beim Riesenslalom oder vergangene Woche bei den Halfpipe-Entscheidungen gab es höchstens noch in der koreanischen Lieblingsdisziplin Shorttrack. Würde der kleine Kim, den der Papa zu den Events mitgenommen hat, am Ende gefragt werden, was er denn mal werden wolle, dürfte die Antwort sein: Eisflitzer oder Snowboarder.

          Auf der Pressekonferenz hatte Ester Ledecká diesmal auf die schwarze Skibrille verzichtet, die sie nach ihrem Sieg im Super-G getragen hatte. „Ich war nicht darauf vorbereitet“, hatte sie gesagt: „Ich bin nicht geschminkt.“ Diesmal war sie vorbereitet, natürlich, aber sie trug wieder eine Brille, eine goldene. Eine Medaille in jeder anderen Farbe wäre für sie in ihrer Paradedisziplin eine Enttäuschung gewesen, schließlich hatte sie in den 14 Monaten vor Olympia von 34 K.-o.-Runden 33 gewonnen. Nur Ramona Hofmeister war es gelungen, sie zu schlagen. Dass es diesmal nicht klappte, war zu verschmerzen mit Bronze um den Hals: „Es ist ein unglaubliches Gefühl, von hier eine Medaille mitzunehmen“, sagte die Deutsche.

          Bei Ester Ledecká sind es gleich zwei, und beide sind aus Gold. Wie es sich anhöre, der Superstar der Spiele zu sein, wollte einer von ihr wissen: „Ich fühle mich nicht als Superstar“, antwortete sie, „aber es hört sich gut an.“ Dass sie gerade mal eine Woche Zeit hatte, um sich von den Skiern aufs Snowboard umzustellen – ein Problem? „Das schon“, sagte die Tschechin. So einfach ist das nicht, verbunden mit all dem Trubel, der auf sie einprasselte, nachdem sie die Skifahrerinnen blamiert hatte. Aber es hat gereicht, gerade rechtzeitig. „Heute Morgen habe ich wieder die Snowboarderin in mir gefunden.“ Ihre Pläne? „Nach Hause fahren und eine sehr lange Zeit schlafen.“ Und dann? „Ich mache noch viele Fehler beim Skifahren und beim Snowboarden, ich möchte mich verbessern, in beidem.“ Es geht noch besser? „Es geht noch viel besser“, sagt sie: „Es gibt keine Limits.“

          Ein bisschen besser: Ledecka schlägt die Konkurrenz

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