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Snowboard bei Olympia : „Das war eine Schande für unseren Sport“

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Solche Stürze passierten reihenweise bei der Slopestyle-Entscheidung. Bild: EPA

Nach ihrem schweren Sturz im Training vor dem Olympia-Debüt muss Silvia Mittermüller operiert werden. Beim chaotischen Rennen stürzen andere Snowboarderinnen. Die Kritik ist heftig, der Verband rechtfertigt hingegen seine Entscheidung.

          Schon vor dem umstrittenen Slopestyle-Finale war das Olympia-Debüt von Silvia Mittermüller beendet. Bei einem Trainingssturz hatte sich die Snowboarderin am Montag bei den Winterspielen in Pyeongchang einen Riss des Innenmeniskus zugezogen und muss operiert werden. Ein Start im Big-Air-Wettkampf in der zweiten Olympia-Woche ist nicht mehr möglich, noch vom Krankenbett aus verkündete die 34-Jährige die bittere Diagnose und kündigte einen baldigen Heimflug an. Bei der Entscheidung des chaotischen Rennens mit Windkapriolen, weiteren Unfällen und begleitet von heftiger Kritik der Athletinnen war Mittermüller nicht mehr dabei – darf sich aber dennoch als Olympia-Starterin bezeichnen.

          Die Münchnerin war zwar im Probelauf schwer gestürzt, musste aber noch mal hoch an den Start und ihren Rucksack holen. Mit diesem auf dem Rücken und einem kaputten Knie rutschte sie neben den Sprüngen und Hindernissen runter und damit in die offizielle Wertung. „Das war der furchteinflößendste Run von allen, weil ich nicht wusste, ob ich noch fahren kann“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Mit einem Punkt wurde sie als 26. und Letzte der Damen-Konkurrenz geführt.

          Schon am Tag vor dem Finale hatte sich die seit Jahren beste deutsche Freestylerin einen grippalen Infekt mit Fieber eingefangen, wollte aber dennoch unbedingt starten. Sie habe es mit ganzem Herzen trotz allem probieren wollen, so Mittermüller. „War das die richtige Entscheidung? Ich weiß es nicht.“

          Die Bedingungen im Phoenix Snowpark waren wegen teils heftiger Winde grenzwertig, darüber waren sich Fahrerinnen und Betreuer einig. „Es war unverantwortlich“, meinte Mittermüller. „Ich bin nach Südkorea gekommen, um Olympia mit allen Sinnen aufzusaugen und alles zu geben. Das habe ich trotz der herausfordernden und gefährlichen Bedingungen heute probiert und dafür bezahlt. Mich hat eine Windböe erwischt, dadurch bin ich zu kurz gekommen und voll eingeschlagen.“

          Der Riesenslalom der Skirennfahrerinnen wurde am Montag früh komplett abgesagt und auf Donnerstag verschoben. Die Snowboarderinnen mussten auf dem Slopestyle-Kurs mit 75-minütiger Verspätungen trotz des schlechten Wetters ran. Bei wechselndem und schwer einzuschätzendem Wind blieben die Leistungen unter dem internationalen Top-Niveau. „Das war heute leider keine Werbung für unseren Sport, insbesondere den Slopestyle, der attraktiv, spektakulär und sicher zugleich sein kann“, betonte Sportdirektor Stefan Knirsch und forderte den Weltverband zu Konsequenzen auf: „Wir müssen gemeinsam mit der FIS nach Möglichkeiten suchen, unsere Athleten besser zu schützen, zum Beispiel mit Windmessungen oder Ampelanlagen am Start.“

          Der Verband hingegen verteidigte seine Entscheidung: „Die oberste Priorität der FIS ist die Sicherheit der Athleten, und die FIS würde niemals einen Wettkampf veranstalten, wenn diese nicht sichergestellt werden kann“, hieß es in einer Stellungnahme der FIS. Die Jury habe nach dem Training und unter Berücksichtigung der Prognosen entschieden, dass das Wetter stabil genug für den Wettkampf sei. Die Wetterbedingungen seien „innerhalb der Grenzen“ gewesen.

          Die Medaillen-Vergabe wurde zum Glücksspiel, eine Zufallssiegerin gab es nicht. Gold ging an die Amerikanerin Jamie Anderson, die sich über ihren zweiten Sieg nach Olympia 2014 in Sotschi aber nur eingeschränkt freuen konnte. Ihren Schwierigkeitsgrad hatte sie aus Vorsicht reduziert. Ihr Lauf hätte sonst kaum fürs Finale gereicht, sei unter diesen Bedingungen aber ganz gut gewesen, räumte sie ein. Weltmeisterin Laurie Blouin aus Kanada wurde Zweite vor Sotschi-Silbermedaillengewinnerin Enni Rukajarvi aus Finnland.

          Rukajarvi bezweifelte ebenso wie die Britin Aimee Fuller, dass das Finale hätte stattfinden sollen. Aber am Ende sei es eben Olympia gewesen, wo keiner freiwillig einen Rückzieher macht. „Ich glaube nicht, dass es ein echtes Spiegelbild von Frauen-Slopestyle war, was eine Schande für unseren Sport ist“, sagte Fuller, die im zweiten Lauf heftig gestürzt war und 17. wurde.

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