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Olympia-Kommentar : Schicksale und Schienbeine

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Kevin Pearce stürzte schwer und sitzt derzeit im Rollstuhl - das ist ein Albtraum Bild: AP

Wintersport ist gefährlich, vor allem der alpine Skilauf. Die Liste der Fahrer, die Olympia verletzt verpassen, ist endlos lang. Lindsey Vonn prellte sich das Schienbein. Alle fragen sich: Wird der Traum zum Albtraum? Stop! Das Schicksal von Snowboarder Kevin Pearce ist eine Tragödie, ein wirklicher Albtraum.

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          Sport ist ein hartes Geschäft. Und Wintersport ist noch ein bisschen härter, viele Disziplinen jedenfalls, sie sind härter, gefährlicher und schmerzhafter als ihre Sommer-Verwandten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Abfahrtsläufer verletzungsfrei durch den Winter kommt, ist nicht sehr groß, und wollte man eine Hitparade der sportiven Leiden aufstellen, dann wäre der alpine Skilauf in diesem Winter gewiss die Nummer eins gewesen.

          Die Liste der Fahrer und Fahrerinnen, die Olympia verletzt verpassen, ist endlos lang, angeführt wird sie von der Schweizer Goldhoffnung Lara Gut und dem kanadischen Abfahrtsweltmeister John Kucera. Und nun auch noch das amerikanische Strahlemädchen Lindsey Vonn, das so gern der Superstar der Spiele werden würde?

          Es kann schnell gehen. Lindsey Vonns deutsche Freundin Maria Riesch zum Beispiel, auch sie eine Kandidatin für Medaillen in mindestens vier von fünf Disziplinen, kam beim allerletzten Weltcuprennen vor Olympia in St. Moritz um Haaresbreite um einen Sturz herum, der sie vielleicht den olympischen Traum gekostet hätte. Sie hatte Glück, Lindsey Vonn hatte Pech, sie erwischte es beim Slalomtraining.

          Ein geschwollenes Schienbein wird zur weltbewegenden Frage - Lindsey Vonn

          Kann sie Gold gewinnen, oder muss sie ihre Ziele begraben?

          Nun muss sie mit der Situation umgehen. Und die Öffentlichkeit muss das auch. Beide tun sich schwer damit. Die Verletzung war zwei Tage vor dem Olympiastart das beherrschende Thema in Vancouver, wo Lindsey Vonn vor die Presse trat, und auch in Whistler, wo der amerikanische Teamarzt eine halbe Stunde über Schienbeinköpfe, Muskeln und aus Österreich importierte Quarkumschläge referierte.

          Ein geschwollenes Schienbein wurde zur weltbewegenden Frage. Schafft sie es, schafft sie es nicht? Kann sie Gold gewinnen, oder muss sie ihre Ziele begraben? Wird der olympische Traum der Lindsey Vonn zum Albtraum? Stop! Schauen wir mal hinüber zu einer anderen gefährlichen Wintersportart: zum Halfpipe-Snowboarden. Dort hat Ende Dezember Kevin Pearce, einer der Superstars, bei einem Sturz schwerste Kopf- und Hirnverletzungen erlitten.

          Am Tag, als Lindsey Vonn von ihrer Verletzung berichtete, gaben die Eltern von Kevin Pearce voller Dankbarkeit bekannt, dass ihr Sohn mit einem Rollstuhl ins Freie gefahren worden sei und er es tatsächlich geschafft habe, aus eigener Kraft einen Schneeball zu werfen. Man sollte das nicht durcheinanderbringen: Das Schicksal von Kevin Pearce ist eine Tragödie, ein Albtraum, was Lindsey Vonn plagt, ist nur eine Schienbeinprellung.

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