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Olympia-Kommentar : Faszinierende Maschinerie

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Das olympische Feuer brennt - trotz mancher Pannen Bild: dpa

Trotz aller Pannen und des Todes des georgischen Rodlers Kumaritaschwili begeistern die Winterspiele die Sportfans - vor allem dank faszinierender Athleten. Die olympische Bewegung zeigt sich als Einheit im Zwiespalt.

          Die Winterspiele in Vancouver sind wie das Wetter hier. Wenn sich die dunkelgrauen Wolken über dem Pazifik zusammenballen und der Regen in schweren Tropfen auf die Stadt prasselt, wird es so düster, dass man glauben könnte, es bliebe für immer so. Doch wenn die Wolken vorübergezogen sind, glitzert die Sonne auf dem Wasser, und es riecht verheißungsvoll nach Frühling. Ja, was denn nun? Die Spiele der Trauer oder die Spiele der Freude? Die Spiele der Pannen und Stürze – oder die Spiele des reinen, von keiner politischen Vereinnahmung belasteten Sports? Vielleicht werden sie als Spiele der schwankenden Gefühle in die Olympiageschichte eingehen, jedenfalls sieht es bei Halbzeit danach aus.

          Was bleibt, ist die Erfahrung, dass auch die auf den Punkt trainierte Jugend der Welt der Begegnung mit dem Tod nicht ausweichen kann. Die Bilder vom schrecklichen Unfall des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwiliwird niemand so schnell vergessen können. Und die Frage, ob das Unglück zu verhindern gewesen wäre, ist noch lange nicht beantwortet. Die Sicherheit muss vor dem Spektakel kommen, doch Wintersport ist von Natur aus oft gefährlich. Noch so ein unvereinbarer Gegensatz. Der Schock von Whistler aber stellt die Olympier, im Prinzip sogar den ganzen Leistungssport vor die Sinnfrage: Ist es nötig, dass jemand vor Publikum eine extrem teure, künstliche Eisbahn hinuntersaust, wenn dies einen erst 21 Jahre alten Menschen das Leben kosten kann? Doch der Sport selbst, die Leidenschaft der Athleten und ihre unstillbare Suche nach Grenzerlebnissen haben ihre eigene Antwort kurz darauf schon gegeben.

          Von den Sportlern geht eine Faszination aus, die die ganze Welt ergreift. Auch im Herzen von Vancouver ist das Tag für Tag zu spüren. Tausende Besucher pilgern ohne Veranstaltungsticket in die Stadt und stehen Schlange vor dem immer noch schwer zugänglichen olympischen Feuer oder vor der Münzanstalt, wo man die Medaillen besichtigen kann. Die Kritiker, die vor der Eröffnung so viel Aufmerksamkeit bekamen, sind verstummt. Viele Einwohner sind vor der Enteignung durch die Olympia-Maschinerie sowieso geflohen. Abgerechnet wird erst später.

          Die olympische Bewegung als Einheit im Zwiespalt

          Schon jetzt allerdings scheint festzustehen, dass keine Nation die Vereinigten Staaten mehr vom Gewinn der Nationenwertung abhalten kann. Kanada nicht, das angetreten war, um die meisten Medaillen im Land zu halten. Und Deutschland nicht, das vor vier Jahren in Turin nach dem europäischen Gold-System noch vorne lag. Die Leistungsplaner des Deutschen Olympischen Sportbundes werden sich etwas einfallen lassen müssen. Es zählen eben nicht nur die Klassiker wie Ski alpin und Biathlon, sondern auch die Trendsportarten (siehe: Olympische Sportarten: Den Deutschen fehlt der Spaß).

          Zeit für eine Verjüngungskur. Das alte Thema Doping hingegen ist vorerst in Vergessenheit geraten. Bisher hat es keine positiven Tests gegeben, und niemand wurde beim heimlichen Manipulieren ertappt. Ob das Grund zur Freude über den sauberer werdenden Sport oder Grund zur Sorge wegen nicht entdeckbarer Substanzen ist, lässt sich nur spekulativ beantworten. Die einen sagen so, die anderen so. So bleibt es in Vancouver, wie es immer war: die olympische Bewegung als Einheit im Zwiespalt.

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