https://www.faz.net/aktuell/sport/olympische-winterspiele/olympia-in-peking-beendet-die-kalten-spiele-in-china-17820446.html

Olympia in China beendet : Die kalten Spiele

Auch China wertet die Spiele als Erfolg: Präsident Xi Jinping bei der Schlussfeier Bild: AP

Mit einem Friedensappell erklärt IOC-Präsident Thomas Bach das politisch hoch problematische Sportfest für beendet. Er findet: Es waren „wahrhaft außergewöhnliche“ Olympische Spiele.

          2 Min.

          In seinem Schlusswort zu den 24. Olympischen Winterspielen beschwor Thomas Bach den Geist des Friedens. „Ihr gebt dem Frieden eine Chance“, rief er den Athleten im Pekinger Nationalstadion zu. „Mögen die politischen Verantwortlichen der Welt von eurem Beispiel inspiriert werden“, sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Das klang ein wenig hohl vor dem Hintergrund, dass ausgerechnet der russische Präsident Wladimir Putin der Ehrengast der Eröffnungsfeier vor zwei Wochen gewesen war.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Für die chinesischen Gastgeber fand Bach, wie erwartet, nur lobende Worte. „Wahrhaft außergewöhnlich” seien die Spiele gewesen. Mit den gleichen Worten hatte sein Vorgänger Jacques Rogge schon die Sommerspiele von 2008 in Peking geadelt.

          Verzicht auf politische Botschaften

          Bevor Bach die Olympische Flagge an die Bürgermeister von Mailand und Cortina übergab, wo 2026 die nächsten Winterspiele stattfinden sollen, hatte der chinesische Filmemacher Zhang Yimou das „Vogelnest“ noch einmal in ein Meer aus Licht und Farben getaucht. Anders als bei der Eröffnungsfeier, als die uigurische Skiläuferin Dilnegar Ilhamjan das Olympische Feuer entzündet hatte, verzichtete er auf hochpolitische Botschaften. Stattdessen gab es betont harmlose Symbolik.

          Singende Kinderchöre, Schillers Ode an die Freude und Verweise auf chinesische Traditionen. Das Laternenfest und der Knoten als Zeichen der Zusammengehörigkeit. Spätestens da war klar, dass mit den Algorithmen im Netzwerk Weibo etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Angeblich war das Publikum so begeistert vom Knoten-Motiv, dass mehr als 672 Millionen Internet-Nutzer Beiträge mit diesem Hashtag anschauten.

          Klare Meinung zu den Winterspielen in Peking: IOC-Präsident Thomas Bach
          Klare Meinung zu den Winterspielen in Peking: IOC-Präsident Thomas Bach : Bild: AFP

          Für gute Stimmung sorgte beim Einlauf der Athleten Chinas neues Dream-Team, die 18 Jahre alte Ski-Freestylerin Eileen Gu und der ein Jahr jüngere Snowboarder Su Yiming, die gemeinsam durch das Stadion hüpften. Beide kennen sich, seit sie Kinder waren, und beide stehen auf ihre Weise für einen neuen, selbstbestimmten Typus chinesischer Sportler. Für China waren die Spiele, trotz aller ausländischen Kritik, ein Erfolg. Mit neun Goldmedaillen landete das Land auf Platz drei des Medaillenspiegels – ein großer Sprung von Platz 16 vor vier Jahren in Pyeongchang.

          Ein Sportfest vieler Nationen: Olympia in China
          Ein Sportfest vieler Nationen: Olympia in China : Bild: AFP

          Die beiden letzten Goldmedaillen wurden während der Abschlussfeier passenderweise an die Norwegerin Theresa Johaug und den Russen Alexander Bolschunow, beides Langlauf-Sieger, vergeben. Zum sechzehnten Mal erklang die norwegische Hymne – und zum sechsten Mal Tschaikowski, anstelle der russischen, die nicht gespielt werden darf. Im chinesischen Staatsfernsehen gingen die Moderatoren darauf nicht ein. Auch vom Dopingskandal um die russische Eiskunstläuferin Kamila Walijewa bekam das chinesische Publikum fast gar nichts mit. Wichtiger erschien den chinesischen Medien am Sonntag, dass endlich eine Million weitere Exemplare des Maskottchens Bing Dwen Dwen ausgeliefert worden seien.

          Bilder, die abermals um die Welt gingen: die Schlussfeier der Olympischen Spiele
          Bilder, die abermals um die Welt gingen: die Schlussfeier der Olympischen Spiele : Bild: Reuters

          Die wirklichen Kosten der Spiele hat China bis zuletzt nicht bekannt gegeben. Mehrere Zeitungen haben sich über Ausschreibungen und andere Dokumente gebeugt und sind dabei zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Die „Financial Times“ schätzt die Kosten auf mindestens 8,8 Milliarden Dollar, das „Wall Street Journal“ auf 16 Milliarden Dollar. Eingerechnet sind darin zum Beispiel fünf Millionen Dollar für Wetterforschungen. Diese Investition scheint sich gelohnt zu haben. Am Sonntag jedenfalls war der Himmel über Peking so klar wie selten – und die Luftwerte waren identisch mit denen in Frankfurt.

          Weitere Themen

          Der Raketenmann Richard Ringer

          Historischer Marathon-Erfolg : Der Raketenmann Richard Ringer

          Nicht nur Ausdauer hat er: Bei seinem vierten Marathon sprintet Richard Ringer mit einem spektakulären Schlussspurt zur Ziellinie, überholt den lange Führenden Maru Teferi – und wird Europameister.

          Topmeldungen

          Stetige Gefahr: Bewohner auf der anderen Seite des Dnipro berichten von wiederholtem Beschuss vom Gelände des Atomkraftwerks Saporischschja.

          Atomkraftwerk Saporischschja : Die Angst vor einem neuen Fukushima

          Im von den Russen besetzten Atomkraftwerk Saporischschja gibt es von Tag zu Tag weniger Fachleute. Die geflüchteten Ingenieure machen sich Sorgen, was passiert, wenn der Strom einmal länger ausfällt.
          In Accra ruft ein Wandbild zu Hygienemaßnahmen und Corona-Impfungen auf.

          Lehren aus Corona : Die nächste Pandemie ist nur eine Frage der Zeit

          Der Austausch von Technologie und die Förderung von Innovationen ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit. Es ist auch das beste Mittel für den Kampf gegen Pandemien. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.