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Olympia 2022 in Peking : Dürfen Sportler sagen, was sie denken?

Nach 2008 leuchten die Olympischen Ringe schon wieder in Peking. Bild: Reuters

Bald beginnen die Winterspiele 2022 in Peking. Vor dem Start stellen sich einige Fragen. Warum schon wieder Olympia in China? Geht das gut mit Omikron? Und liegt überhaupt Schnee?

          5 Min.

          Nicht einmal 5000 Tage liegen zwischen der Schlussfeier 2008 und der Eröffnungsfeier 2022 in Peking. Die China-Spiele steigen auch deshalb, weil demokratisch regierte Länder absagten.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          1. Warum schon wieder Olympia in China?

          Noch schneller war Olympia nur in Innsbruck zurück: Die Stadt in Österreich richtete nach 1964 auch die Winterspiele 1976 aus. Wenn es in Peking offiziell losgeht mit der Eröffnungsfeier am 4. Februar, liegt die Schlussfeier der Sommerspiele von 2008 keine 5000 Tage zurück. Da kann man schon ins Schwärmen kommen: „Peking bereitet sich darauf vor, Geschichte zu schreiben“, erzählte Thomas Bach schon im Oktober, als er dem chinesischen Staatsfernsehen in einem dreiminütigen Video zum Start von dessen Olympia-Kanal gratulierte.

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          Sommer- und Winterspiele in derselben Stadt, das gab es noch nie. Die Idee hatten auch der Deutsche Olympische Sportbund und die bayerische Landeshauptstadt München, doch weder dort noch in Garmisch-Partenkirchen noch den Landkreisen Traunstein und Berchtesgaden wollte sich eine Mehrheit der Bürger bei der Befragung im November 2013 dafür erwärmen. Am Ende der Bewerbungsperiode hatten auch die demokratisch regierten Städte Krakau, Lemberg, Oslo, Stockholm und Sankt Moritz Bachs IOC abgesagt, dem schließlich im Juli 2015 die Wahl zwischen den Diktaturen Kasachstan (Almaty) und China blieb.

          Peking wurde gekürt – im zweiten Wahlgang, nachdem Bach nach dem ersten wegen angeblicher technischer Schwächen der Abstimmungstablets vom Olympia-Sponsor Samsung und zu vieler abgegebener Stimmen eine Wahlwiederholung mit Stift und Zettel angewiesen hatte. Im zweiten Versuch passte die Stimmenzahl. Die Chinesen freute es und die europäischen Skihersteller, Schneekanonenproduzenten und Seilbahnbauer freuten sich mit. So viel Marktpotential. Oder wie es Thomas Bach sagt: „Die Olympischen Winterspiele 2022 erfüllen Chinas Vision mit Leben, 300 Millionen Menschen mit Wintersport zu beschäftigen.“

          2. Wer kommt nicht nach Peking?

          Zum Beispiel jene Tibeter und Uiguren, die vor der Verfolgung durch die Kommunistische Partei Chinas ins Ausland geflohen sind. Der Umgang der Olympia-Gastgeber mit den muslimischen Minderheiten, insbesondere in der Provinz Xinjiang, wo China nach Ansicht von Völkerrechtlern Verbrechen gegen die Menschlichkeit begeht, manche Juristen sehen auch den Tatbestand des Völkermords erfüllt, wird zudem von den Regierungen jener westlichen Länder angeführt, die einen „diplomatischen Boykott“ gegen die Winterspiele erklärt haben: die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Australien, Neuseeland, Kanada, Belgien, Dänemark, die Niederlande und Japan.

          Litauen sieht sich wegen seiner Taiwan-Politik massivem wirtschaftlichen Druck Chinas ausgesetzt und erklärte, deshalb keine Politiker zu den Spielen zu schicken. Die baltischen Nachbarn Estland und Lettland schlossen sich an. Schweden führte die Corona-Pandemie als Grund an. Eine einheitliche EU-Linie scheiterte vor allem am Widerstand des kommenden Olympia-Gastgebers Frankreich, allerdings klingt auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nicht, als wolle er den Gastgebern explizit deutlich machen, warum kein deutsches Regierungsmitglied zu den Spielen reist.

          Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und Innenministerin Nancy Faeser (SPD) erklärten, sie würden fernbleiben. Baerbock verwies darauf, dass Außenminister üblicherweise nicht zu den Spielen fahren, Faeser bleibt „schon aus Pandemiegründen“ fern. Wer kommt? Wladimir Putin. Der russische Präsident wurde von Xi Jinping eingeladen und unterläuft so die vom IOC wegen des russischen Staats-Dopings verhängte Olympia-Sperre.

          3. Dürfen Sportler sagen, was sie denken?

          Selbstverständlich! Jedenfalls, wenn sie wieder zurück sind aus China. Für die Zeit in China wiederum rät die Sportlervertretung Global Athlete dringend ab und prangert an, dass es vom Internationalen Olympischen Komitee keinerlei expliziten Sicherheitsgarantien gebe. Die Ausführungen des chinesischen Olympia-Organisators Yang Shu, stellvertretender Direktor für internationale Beziehungen im Organisationskomitee, zuletzt lassen sich jedenfalls durchaus als Drohung lesen: „Jedes Verhalten oder jede Aussage, die dem olympischen Geist widersprechen, unterliegen einer bestimmten Bestrafung, vor allem, wenn sie gegen chinesische Gesetze und Regeln verstoßen.“

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