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Bob-Frauen aus Jamaika : „Wir haben etwas erreicht für schwarze Frauen“

  • -Aktualisiert am

Pilotin Jazmine Fenlator-Victorian (rechts) mit ihrem Team Bild: Achim Dreis

Der Zweierbob „Cool Usain“ landet bei Olympia nur auf Platz 19. Die Pilotinnen aus Jamaika fühlen sich dennoch wie Siegerinnen. Dabei hatte es vorher Aufregung gegeben – mit einer Deutschen in der Hauptrolle.

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          „Cool Usain“ wurde der Zweierbob getauft, mit dem Jazmine Fenlator-Victorian und Carrie Russell bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang für Furore sorgen wollten. Schnell und lässig, wie Usain Bolt, der Rekordsprinter. Und wie die Besatzung des ersten Jamaika-Bobs, die vor 30 Jahren in Calgary Aufsehen erregte. Deren Außenseiter-Geschichte wurde im Kino-Hit „Cool Runnings“ zwar sehr frei, aber auch sehr liebevoll nacherzählt.

          30 Jahre später fühlten sich auch Jazmine Fenlator-Victorian und Carrie Russell wie Siegerinnen, obwohl sie mit ihrem Bob Jamaika I nur den 19. Platz unter zwanzig Teams belegten. „Ich hatte gehofft, dass Carrie und ich ein etwas besseres Resultat erzielen könnten“, sagte Jazmine Fenlator-Victorian: „Aber am Ende des Tages zählt das größere Bild. Uns ist etwas ganz Großes gelungen: Wir haben etwas erreicht für schwarze Frauen, für Frauen im Sport überhaupt und für die karibische Bevölkerung.“ Kein Mensch habe daran geglaubt, dass sie es zu Olympia schaffen würden. „Und hier sind wir! Das ist etwas Größeres als eine Goldmedaille um den Hals.“

          Noch wenige Tage zuvor hatte es rund um Jamaikas Frauenteam allerdings überhaupt nicht cool und lässig ausgesehen. Im Mittelpunkt eines Streits standen Jamaikas Delegationschef Leo Campbell und eine Deutsche, die sich schlecht behandelt fühlt. Sandra Kiriasis, Bob-Olympiasiegerin von 2006, war von den Jamaikanern erst als Trainerin engagiert, kurz vor den Wettbewerben aber wieder entlassen worden. „Ohne Angabe von Gründen und ohne dass etwas vorgefallen ist“, wie Kiriasis behauptete. Sie beklagte, nach dem Zwangsauszug aus dem Olympischen Dorf obdachlos durch Pyeongchang geirrt zu sein. Campbell behauptete, der Verband habe ihr eine Unterkunft in einem hochpreisigen Hotel bezahlt. Im Übrigen sei sie nur Assistenztrainerin gewesen und leider eine „destruktive Kraft“.

          Kiriasis drohte damit, den Bob zurückziehen, den sie für den jamaikanischen Verband dank ihrer guten Kontakte zum Bobsportclub Winterberg organisiert habe. Für den Klub aus dem Sauerland war sie zu ihrer aktiven Zeit gefahren. Die Jamaikaner widersprachen: Der Bob gehöre ihnen. Eine jamaikanische Brauerei habe Geld für den Kauf bereitgestellt. Nun sahen sich auch die Winterberger zu einer Erklärung gezwungen und teilten mit: „Frau Kiriasis hat den Bob für Jamaika nicht organisiert oder besorgt.“ Sondern nur übergeben. Der Prozess sei ansonsten über einen Dritten gelaufen: „Frau Kiriasis war zu keiner Zeit ,Besitzerin‘ des Bobs.“

          Jazmine Fenlator-Victorian wollte sich zu dem Trouble nicht äußern. Sie erklärte, der Deutschen dankbar zu sein und bezeichnete sie im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als Freundin: „Ich lernte sehr viel von ihr“, sagte Fenlator-Victoria, die vor ihrem Engagement für den Karibik-Staat für den amerikanischen Verband gestartet war. Sie hatte damals mehrmals mit guten Plazierungen im Weltcup auf sich aufmerksam gemacht und belegte bei den Winterspielen in Sotschi Rang elf.

          Nach ihrem Verbandswechsel begann sie in Jamaika bei null. Ohne Geld, ohne Bob, ohne Aussicht auf Erfolg. Aber mit der Idee, etwas Besonderes in die Spur zu bekommen. Nun will die ehemalige Leichtathletin die kommenden Jahre nutzen, um Jamaikas Bobszene einen weiteren Schub zu geben. Der Popularität der karibischen Sportler schadete ihr sportlich nicht ganz überzeugender Auftritt bei den Winterspielen offensichtlich nicht. Nach dem vierten Durchgang wollten alle anwesenden Fernsehstationen am Olympic Sliding Center mit Jazmine Fenlator-Victorian und Carrie Russell sprechen. Und die beiden nutzten die Plattform, um über größere Dinge als einen vorletzten Platz oder den Streit mit einer ehemaligen Trainerin zu sprechen. Der Jamaika-Bob der Marke Fenlator-Victorian sollte nicht nur cool sein, sondern ein Zeichen gegen Rassismus. „Wir haben Geschichte geschrieben“, sagte die Pilotin stolz: „Egal, was die Zeitmessung sagt.”

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