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Olympische Athleten Russlands : Olympischer Eiertanz

Ihre Silbermedaille müssen die russischen Eiskunstläufer unter neutraler Fahne feiern – dürfen Sie bei der Schlussfeier wieder Flagge zeigen? Bild: EPA

Halten sich die Olympischen Athleten Russlands in Wort und Geist an die IOC-Richtlinien, können sie bei der Schlussfeier dabei sein. Und wie benehmen sie sich? Ein Zwischenfazit.

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          Am deutlichsten ist der Unterschied in der Eis-Arena von Gangneung zu sehen. Auf den Rängen natürlich. Und auf dem Eis. Keine Medaille für die olympischen Paarläufer aus Russland am Donnerstag, keine Medaille für Dmitrij Alijew am Samstag. Er war Fünfter nach dem Kurzprogramm. Als seine Kür ansteht, halten die russischen Fans Schilder hoch, Dima ist zu lesen, auf Kyrillisch. Auf der Nahaufnahme der Kamera sieht Dima furchtbar nervös aus. Sein Trainer hält ihm die Hand. Hier kommt ein 18-Jähriger, für den Olympia eine Nummer zu groß ist. Erster Sprung, erster Sturz, viel besser wird es danach nicht. Später steht der junge Alijew ein wenig bei den russischen Journalisten, sie unterhalten sich leise. Der Japaner Yuzuru Hanyu hat gerade das zweite Mal Gold gewonnen, vor seinem Landsmann Shoma Uno und dem Spanier Javier Fernandez. In der Halle bejubeln Tausende Japaner ihre Sieger, holen ihre Nikons und Canons mit den Riesenobjektiven hervor, trocknen Tränen mit Taschentüchern. Die russischen Fans haben ihre Dima-Schilder längst eingepackt und sind verschwunden.

          Vor vier Jahren war alles anders: Russlands Eiskunstläufer, ihre Trainerinnen und Trainer, die ganze Pelzmantel-Entourage waren die Stars der Show, die Zuschauer veranstalteten Abend für Abend ein Spektakel in der funkelnden „Eisberg-Halle“ von Sotschi. Und als Jewgenij Pluschenko zur Einzelkonkurrenz nicht antreten konnte, war das zwar ein Drama, gewiss, aber ein russisches. In Pyeongchang, vier Jahre später, tragen die Sportler herbstgraue Jacken mit runden, weißen Aufnähern, auf denen „Olympic Athlete from Russia“ steht. Aus Russland ist OAR geworden, bestraft vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC), sanktioniert wegen des Staats-Doping-Systems, dessen Existenz die russische Staatsführung noch immer nicht zugegeben hat. Aber das IOC hat in Aussicht gestellt, das russische nationale olympische Komitee vor der Schlussfeier der Spiele in Korea wieder zuzulassen, und die Kriterien dafür vage gelassen, sehr vage. Ein Eingeständnis wird jedenfalls nicht gefordert. Stattdessen sollen sich Sportler, Trainer, Funktionäre und Zuschauer an „Wort und Geist“ der Beschlüsse der IOC-Exekutive halten. Viel zu lax, schimpfen Kritiker wie das älteste IOC-Mitglied Richard Pound. Der Kanadier hat angekündigt, der Schlussfeier fernzubleiben, sollte Russland auch offiziell wieder dabei sein. Die „Wort und Geist“-Direktive hat eine Grundverunsicherung über die Olympia-Mannschaft mit den grauen Mänteln und ihre Fans mit den russischen Flaggen gelegt: Was soll das heißen?

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