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Neues Pussy-Riot-Video : Peitschen, Schlagstöcke und Pfeffergas

  • -Aktualisiert am

Improvisierte Pressekonferenz in Sotschi: die Aktivistinnen von Pussy Riot Bild: REUTERS

Auf einer Pressekonferenz in Sotschi zeigen die Aktivistinnen von Pussy Riot ihr neues Video „Putin bringt dir bei, die Heimat zu lieben“. Ihr Auftritt ist spektakulär. Kritik am Inhalt des Clips übt das IOC.

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          Mit einer spektakulären Pressekonferenz haben die Aktivistinnen der kremlkritischen russischen Punkband Pussy Riot am Donnerstagmorgen in Sotschi ein neues Protestvideo vorgestellt. Eingeladen war für 9.30 Uhr Ortszeit ins Hotel Golden Dolphin in Sotschi, einen schäbigen Bau nahe der Flaniermeile am Meer und dem „Moscow Beach“.

          Der Auftritt der Aktivistinnen um Nadeschda Tolokonnikowa und Marija Aljochina gestaltete sich, wie zu erwarten war, schwierig. Als der Berliner Jala Bizilj, der die Presskonferenz mit seinem „Cinema for Peace“ organisiert hatte, am Morgen als Erster zum Hotel kam, stand er vor  verschlossenen Türen.

          Die Pressekonferenz hatte im Dolphin-Restaurant stattfinden sollen, doch die Zusage hatte sich schnell in Luft aufgelöst, nachdem in der Nacht die Einladungen von Berlin aus verschickt worden waren. Das Hotel, so sagte man Bizilj am Morgen, habe leider einen kleinen Brandschaden erlitten und sei vorübergehend geschlossen.

          Mehrere Polizisten in Uniform und Zivil sperrten den Eingang. Die Journalisten sammelten sich vor dem Eingang, und es dauerte eine Dreiviertelstunde, bis es Bizilj geschafft  hatte, die Aktivistinnen per Handy und Taxi in die Nähe zu lotsen.

          Die kremlkritischen Aktivistinnen mögen den großen Auftritt

          Ihr Auftritt vor dem Dolphin-Hotel ließ an Deutlichkeit und Spektakel nichts zu wünschen übrig. Die Pussy-Riot-Mitglieder kamen mit mehreren lokalen Menschenrechtsaktivisten, aber auch mit staatlichen Provokateuren im Schlepptau, die in der nächsten Dreiviertelstunde verzweifelt versuchten, unter den Augen der Polizeibeamten die Veranstaltung zu stören. Meist mit hochgehalten Plastik-Hühnern und dem gebrüllten Slogan „We want sex with chicken!“ Höchstes Niveau also.

          „Putin bringt dir bei, die Heimat zu lieben“ – das ist der Titel des neuen Videos, das Pussy Riot am Ende des Auftritts auf dem Laptop vorspielte. Es zeigt unter anderem Bilder aus den vergangene Tagen, als die Aktivistinnen bei einer provokanten Performance vor einer Olympiabühne in Sotschi von Kosaken mit Peitschen, Schlagstöcken und Pfeffergas angegriffen wurden.

          Das Medienaufkommen vor dem Hotel in Sotschi ist groß

          Dabei war der Aktivist Alexej Nawalny am Kopf verletzt worden, an der improvisierten  Presskonferenz nahm er mit einem Verband teil. In ihrem Video prangern die Aktivistinnen das beispiellose Polizeiaufgebot in Sotschi an sowie die Milliarden-Ausgaben für die Olympischen Winterspiele, die als Prestigeprojekt von Präsident Wladimir Putin gelten.

          In einer Erklärung vor dem Dolphin-Hotel äußersten sich die Pussy-Riot-Mitglieder auch besorgt darüber, was mit den lokalen Aktivisten geschehe, wenn sich der Olympiatross und die Augen der Weltöffentlichkeit wieder von Sotschi abgewendet hätten.

          „We want sex with chicken!“: Höchstes Niveau in Sotschi ...

          Zwei Verhaftungen in den vergangenen Tagen standen für Pussy Riot noch zu Buche, einmal wegen eines angeblich fehlerhaften Führerscheins, einmal wegen eines angeblichen Hoteldiebstahls. Das neue Video ist unterdessen im Internet zu sehen. Es ist das erste Songprojekt seit Nadeschda Tolokonnikowa und Marija Aljochina aus dem Arbeitslager entlassen wurden.

          Das Internationale Olympische Komitee (IOC) kritisierte nach der Veröffentlichung die Verwendung olympischer Symbole im Video, in dem die Band auch vor den Olympia-Ringen tanzt. „Die Spiele sollten nicht politisch missbraucht werden“, sagte IOC-Sprecher Mark Adams. „Wir fanden diese Bilder sehr beunruhigend.“ Soweit er wisse, habe sich der Gouverneur der Olympia-Region für die Attacke entschuldigt. Die Kosaken sehen sich selbst als Hilfspolizisten.

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