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Inukshuk : Maskottchen aus Stein

Ein Inukshuk ist das Logo der Olympischen Spiele in Kanada. Im Norden des Lands stehen sie seit Hunderten von Jahren herum. Bild: Freddy Langer

Ein schöneres Logo hätte man sich für die Olympischen Spiele in Vancouver kaum ausdenken können als dieses Steinmännchen mit seinen ausgebreiteten Armen. Im Norden des Lands stehen sie seit Hunderten von Jahren herum.

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          Der Sommer näherte sich schon seinem Ende, als wir im Auyuittuq-Nationalpark unterwegs waren, im hohen Norden Kanadas, in Nunavut, wie die Gegend auch heißt, die Heimat der Inuit. Wir waren deshalb die letzte Gruppe auf dem Aksayook-Pass, entlang dem Weasel River und entlang spektakulär zerklüfteter Berge wie dem Breidablik oder dem Mount Thor, der größten Granitwand der Welt - anderthalb Kilometer hoch und anderthalb Kilometer breit. Aber allein waren wir nie. Nach jeder Kuppe und nach jeder Biegung des Wegs begrüßte uns ein weiterer Inukshuk, ein aus Geröll aufgeschichteter Gnom.

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Eine ganze Armee von ihnen bevölkert diesen Landstrich. Manche scheinen den Wanderer mit ausgebreiteten Armen zu empfangen. Andere, kleine Kopffüßler sehen aus, als duckten sie sich gegen den Wind. Kaum hat man ein Männchen passiert, taucht ein paar hundert Meter weiter das nächste auf. Sie sind die guten Geister des Nationalparks. Manchen dieser Wesen sagen die Inuit magische Kräfte nach; uns machten sie zumindest Mut. Wieder ein paar Meter gewonnen, schienen sie uns zuzuflüstern, während wir mit unseren unmenschlich schwer beladenen Rucksäcken kämpften. Wir liebten die Inukshuiit dafür.

          Ein schöneres Logo hätte man sich für die Olympischen Spiele in Vancouver kaum ausdenken können als dieses Steinmännchen mit seinen ausgebreiteten Armen. Es ist Wegweiser und Willkommensgruß zugleich, Markierung, Trost - und unterwegs war es für uns eine Erinnerung an das Leben inmitten einer toten Landschaft.

          Im Auyuittuq-Nationalpark auf Baffin Island weisen Inukshuiit, Steinmännchen der Inuit, den Weg durch die einsame Landschaft.

          „Jener, der einem Menschen gleicht“

          Schon für die nomadisch lebenden Inuit erfüllten die Figuren, deren Name übersetzt heißt, „jener, der einem Menschen gleicht", eine Vielzahl von Aufgaben. Oft zeigten sie einfach nur die Anwesenheit von Inuit-Familien an, die als Jäger und Sammler ständig unterwegs waren. Andere kennzeichneten Stellen, an denen ein Inuit seine Waffen zurückgelassen hatte, eine Nachricht für andere Jäger oder Lebensmittel für Frau und Kinder, die ihm in großem Abstand folgten. An der Küste konnte ein Ort markiert werden, an dem eine erlegte Robbe im Meer versunken ist - oder einen vom Meer her schwer zu erkennenden Anlegeplatz für das Kajak. Für die Jagd auf Karibus stellten die Inuit mannshohe Inukshuiit im Halbkreis auf. Dann trieb eine Gruppe von Jägern die Tiere in die Falle, wo hinter den Figuren andere Männer mit ihren Waffen schon warteten.

          Meist aber zeigen die Inukshuiit einfach nur die Richtung an. Dann gibt der Ausschnitt zwischen den Beinen die Blickachse vor, in deren Verlängerung sich selbst bei Schnee und Nebel die nächste Figur zeigen sollte. Im Auyuittuq-Nationalpark führen sie den Wanderer so vom Cumberland Sound zur Atlantikküste. Wir sind ihnen brav gefolgt. Verirrt haben wir uns nicht ein einziges Mal.

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