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Felix Neureuther : „Olympia wird gegen die Wand gefahren“

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Skirennläufer Felix Neureuther (Mitte, l) und seine Frau Miriam Neureuther erklären Schulkindern den olympischen Gedanken. Bild: dpa

Im Gespräch mit Schulkindern erklärt Felix Neureuther seine Sicht auf olympische Werte, Fairness und Athleten. Der Arbeit des deutschen IOC-Chefs Bach stellt er ein schlechtes Zeugnis aus.

          Als Felix Neureuther ein kleiner Junge war, bewunderte er im Fernsehen einen Skifahrer „der war ganz cool“. So wollte er auch sein, „so lustig“, aber auch so gut: „Er war der Beste.“ Als der kleine Felix damals zum Skifahren ging, hat er deshalb „immer so getan, als wäre ich Alberto Tomba“. Es braucht wenig Phantasie, sich vorzustellen, dass viele Schülerinnen und Schüler der Münchner Eliteschule des Sports, die am Dienstag im Postpalast der bayerischen Hauptstadt eine Fragestunde mit Miriam und Felix Neureuther gestalteten, ab jetzt so Skifahren wollen „wie Felix“.

          Es ging um Werte rund ums Thema Olympia. Und da ist Neureuther ein guter Ansprechpartner, egal, ob er nun mit neunjährigen Kindern oder professionellen Fragestellern redet. Und egal letztlich auch, dass Deutschlands bester Slalomfahrer in diesem Winter gar nicht mehr zum Skifahren kommen wird und schon gar nicht bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang, die in gut drei Wochen beginnen. Bei der offiziellen Einkleidung des Olympiateams war er dennoch ein gefragter Gesprächspartner. „Ich habe mich damit abgefunden, nicht dabei zu sein“, sagte der 33-Jährige, der nach einem Kreuzbandriss derzeit außerstande ist, sich sportlich zu bewegen und möglicherweise als Unvollendeter in die Sport-Geschichte eingehen wird.

          Denn eine Olympiamedaille fehlt in seiner Sammlung, und ob er bis Peking 2022 durchhält, bleibt offen. Zumal Peking als Wintersport-Destination mindestens ebenso absurd erscheint wie Pyeongchang, und Neureuther auch den Einkleidungstermin nutzte, um Kritik am Internationalen Olympischen Komitee (IOC) zu üben. „So wird Olympia gegen die Wand gefahren“, sagte er zum Thema Gigantismus. Auch Thomas Bach, Präsident des IOC, habe es nicht geschafft, „in diesem System etwas zu ändern. Deshalb bin ich von ihm schon enttäuscht.“ Neureuther ermahnte nebenbei die anderen Athleten, sich nicht immer nur aufs Sportliche zu konzentrieren. Nur wenn mehr Sportler auch mal offen und nicht nur hinter vorgehaltener Hand ihre Meinungen äußerten, „könnte man was ändern“.

          Dabei hält er die Olympische Idee weiterhin für großartig: Völkerverbindung, Wettkampf, gemeinsames Fest. „Ich fände es super, wenn Nordkorea eine Mannschaft hinschicken würde“, sagte Neureuther, „das wäre ein „extrem wichtiges Zeichen für die Welt.“ Dass Bürgerentscheide zuletzt die Austragung der Spiele in Europa verhinderten und das Erlebnis von Heimspielen verhinderten, schmerzt ihn sehr. Wenn „München 2018“ gekommen wäre, mit Skiwettbewerben auf seinem Hausberg in Garmisch-Partenkirchen, „hätten sie mir schon beide Haxn abschneiden müssen, damit ich nicht mitfahre“. Doch alles hat auch sein Gutes, denn „dann hätten wir jetzt bestimmt keine Tochter“, ergänzt Ehefrau Miriam, die als Langläuferin schon 2010 eine Olympia-Medaille gewann und als Biathletin Staffel-Weltmeisterin wurde, derzeit aber ihre Karriere unterbrochen hat.

          Durch den Kreuzbandriss muss Felix Neureuther den Traum von einer Medaille bei den olympischen Winterspielen begraben.

          Ob die kleine Matilda auch mal Skifahrerin wird, wollten die Kinder von den Neureuthers wissen. Das schlossen beide nicht aus, wollten sich aber auch nicht darauf versteifen. „Ganz egal, was sie machen will: Wir werden sie hundertprozentig unterstützen.“ Hauptsache, die Werte stimmen: Bodenständigkeit, Hilfsbereitschaft, Freundschaft. Und vor allem Fairness. „Die, die dopen, sind doof“, sagte der mündige Athlet mit einem kindgerechten Schlenker zum Thema Betrug.

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