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Viererbob : Lange rast noch zu Silber

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Was für eine Freude: Das Bobteam Lange gewinnt um eine Hunderstelsekunde Silber Bild:

Sie sprangen, tanzten und erdrückten sich fast: André Lange und sein Team gewannen mit einer Hunderstel Sekunde Vorsprung Silber im Viererbob. „Ich gehe jetzt aus einer rosaroten Sportlerwelt heraus“, sagte der Rekord-Olympiasieger nach seiner letzten Fahrt.

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          André Lange jubelte nach Silber wie ein „Gold- Bärchen“. Schon Augenblicke nach seinem Karriere-Ende übermannten den sonst so coolen Ausnahmepiloten die Gefühle. „Ich hatte echt Tränen in den Augen“, gestand der 36-jährige Oberhofer und brach sogar ein Fernsehinterview ab. „Nach 17 Jahren ist es nicht einfach aufzuhören, doch ich weiß, dass dieser Entschluss richtig ist. 2006 stand ich auf dieser Bahn ganz oben irgendwo, habe über die Baustelle geguckt und wusste: Das ist der richtige Ort.“ Nach Olympia-Gold im Zweier und Silber im Vierer-Bob steht der Rücktritt.

          Fürst Albert von Monaco, einst selbst Bobfahrer, wollte es nicht glauben. „Das ist viel zu früh. André kann locker noch vier Jahre fahren, er ist einer der größten Bobpiloten.“ Doch darauf wollte der viermalige Olympiasieger aus Thüringen nicht hören. Lange genoss das Weißbier im Kufenstüberl nach seiner letzten Dienstfahrt in vollen Zügen. Große Anerkennung zollte er dem amerikanischen Piloten Steven Holcomb, der nach vier Läufen 38/100 Sekunden schneller war und das erste Bob-Gold für Amerika nach 62 Jahren holte. „Wir haben einen verdienten Olympiasieger, für den es mich unheimlich freut“, sagte Lange. Unmittelbar vor der Zieleinfahrt von Weltmeister Holcomb überschlugen sich die Ereignisse im Whistler Sliding Centre: Der auf Rang zwei liegende Kanadier Lyndon Rush verlor im 16-Kurven-Eiskanal ein Hundertstel nach dem anderen auf Lange. Und am Ende blinkte auf der Zeittafel die Winzigkeit von 1/100 Sekunde Vorsprung für Lange auf. Da flippten die Oberhofer völlig aus: Sie sprangen, tanzten und erdrückten sich fast, ehe Kevin Kuske all seine Mitstreiter innig auf die Stirn küsste.

          Lange, der im zweiten Lauf in der berüchtigten „Fifty-Fifty“-Kurve fast gestürzt wäre, konnte sich wie immer auf seine Anschieber verlassen. Trotz des Verletzungspechs in dieser Saison legten seine Jungs mit 4,70 Sekunden Startrekord hin. „Das war unser Versprechen an André“, sagte Kuske, während Trainer und Teammitglieder nach dem Rennen mit T-Shirts und der Aufschrift: „Thank you André for all the famous moments“ trugen.

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          „Ich gehe jetzt aus einer rosaroten Sportlerwelt heraus ins Leben“

          Zufrieden war auch der Riesaer Thomas Florschütz mit Rang vier. „Nach vorne ging einfach nichts mehr. Da hätte schon einer stürzen müssen, aber das wünscht man ja keinem“, sagte Florschütz. Karl Angerer aus Königssee wurde Siebter und beklagte die sechs Stürze im Wettbewerb: „Die Bahn ist sehr, sehr gefährlich. Das ist brutal, was den Piloten hier abverlangt wird.“ So sah es auch Bundestrainer Carsten Embach. „Das ist eine Farce für ein olympisches Rennen. Jeder wartet ab, ob der andere stürzt, das kann es doch nicht sein“, sagte er und hatte vor den letzten beiden Läufen eine deutliche Nachbesserung an der Bahn gefordert.

          Kuske wollte sich seine gute Laune aber nicht verderben lassen und meinte nur: „Das sind so die typischen Spielchen, dass man am Temperaturregler dreht. Letztlich kann man hier nichts beanstanden.“ Für Lange, der in Kürze Gespräche mit dem Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) über seine berufliche Zukunft führen wird, fängt nun ein neuer Lebensabschnitt an - vielleicht als Techniker, vielleicht als Trainer. „Jetzt beginnt eigentlich auch die harte Zeit, das Leben. Ich gehe jetzt aus einer rosaroten Sportlerwelt heraus, gehe in das Leben rein. Und das wird nicht weniger leicht“, sagte der Bobpilot. „Die Sekunden, Minuten oder Stunden der Wehmut werden noch kommen.“

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