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Shorttrackerin Aika Klein : „Die Halle wird beben“

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Aika Kleins Vorfreude auf Vancouver: „Wenn man vor 14.000 Zuschauern läuft, kann man seinen eigenen Atem nicht mehr hören” Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Aika Klein startet als einzige deutsche Shorttrackerin in Vancouver - wo Shorttrack sehr populär ist. Die 27-Jährige im Gespräch mit Bastian Steineck über ihre Vorfreude auf Olympia und ihre Passion, von der sie nicht leben kann.

          Aika Klein ist die einzige deutsche Shorttrackerin bei den Olympischen Spielen. Die Damen-Staffel, obwohl im Januar Europameister geworden, hatte sich nicht qualifiziert. FAZ.NET traf die Einzelkämpferin am Frankfurter Flughafen vor dem Abflug nach Vancouver.

          Welche Gedanken hatten Sie beim Aufwachen vor dem Abflug zu den Olympischen Spielen?

          Ich hoffe, ich habe nichts vergessen. Das Kofferpacken war sehr spontan, ich bin erst um zwei Uhr ins Bett gekommen. Unsere Wettkämpfe beginnen zwar erst in zehn Tagen, aber die Vorfreude ist natürlich schon da. Und ich bin gespannt, wie es in Vancouver mittlerweile aussieht. Als wir im Oktober 2008 ein Worldcup-Rennen dort hatten, war von Olympia noch nichts zu sehen.

          Allein unter allen: Klein (M.) geht als Einzelkämpferin für Deutschland an den Start

          Welche Erinnerungen haben Sie an Vancouver?

          Von der Leistung her lief das Worldcup-Rennen nicht gut. Aber Vancouver ist ein toller Standort für Olympische Spiele. Shorttrack genießt in Kanada ein anderes Ansehen als in Deutschland, die Plätze für unsere Rennen sind ausverkauft. Das Publikum wird richtig mitfiebern, ich freue mich auf die tolle Atmosphäre. Die Halle wird beben. Wenn man vor 14.000 Zuschauern läuft, kann man seinen eigenen Atem nicht mehr hören. Das ist gigantisch.

          Sie nehmen zum dritten Mal an Winterspielen teil. Was bedeutet Olympia für Sie?

          Das Zusammenleben im Olympischen Dorf und der Kontakt mit den anderen Athleten ist das, was Olympia ausmacht. Allerdings bin ich über die ganzen zweieinhalb Wochen im Wettkampfgeschehen. Ich hoffe, ich kann mir in Vancouver trotzdem den einen oder anderen Wettbewerb anschauen.

          Sie sind mit der Damen-Staffel Europameisterin geworden. Die Qualifikation für Vancouver hat die Staffel jedoch verpasst. Wie erklären Sie sich das?

          Natürlich ist das widersprüchlich. Aber wir sind von externen Faktoren abhängig. Wir wurden beim Weltcup in Montreal im Vorlauf wegen angeblicher Behinderung disqualifiziert. Danach hatten wir Pech bei der Auslosung, als wir gegen Japan und Korea, die stärksten Konkurrenten, laufen mussten. Bei der Europameisterschaft konnten wir unser Leistungspotential dagegen unter Beweis stellen und haben gezeigt, dass wir die anderen schlagen können. Wir hätten es verdient, bei Olympia dabei zu sein. Aber es hat nicht sollen sein.

          Sie rufen in der Regel bessere Leistungen in der Staffel ab als in Einzelrennen.

          Mit unserer starken Staffel wäre die Chance auf einen Finaleinzug für mich größer. Man muss ehrlich sein: Im Einzel-Wettbewerb ist ein Top-Ergebnis gegen die starken Läuferinnen aus Korea und Japan für mich schwierig. Deswegen ist es schade, dass die Staffel nicht dabei ist. Gerade, weil wir so ein großes Potential haben.

          Im Einzelwettbewerb sind Sie die einzige deutsche Shorttrackerin, die sich qualifizieren konnte. Ein komisches Gefühl als einzige Frau neben den fünf Männern im Shorttrack-Team?

          Wir kennen uns alle, trainieren täglich zusammen. Natürlich ist es schade, dass der Rest des Teams nicht dabei sein kann. Aber ich schaue nach vorne und konzentriere mich auf meine Wettkämpfe.

          Was hat sich für Sie persönlich im Vergleich zu den letzten Olympischen Spielen geändert?

          In meinem Umfeld hat sich viel geändert: Wir haben einen neuen Trainer, der viel Erfahrung mit Material und Renntaktik hat. Es geht wesentlich professioneller zu als vor den letzten Winterspielen in Turin. Wir achten verstärkt auf unsere Ernährung, haben ein neues Trainingssystem und bessere Rahmenbedingungen. Im Shorttrack hat sich in den letzten Jahren viel getan. Das schlägt sich auch in den Leistungen nieder.

          Fahren Sie folglich mit höheren Zielen nach Vancouver?

          In Turin bin ich gleich in der ersten Runde gestürzt, wurde disqualifiziert - das war natürlich alles andere als befriedigend. Ich hoffe, dass es dieses Mal besser wird. Ich habe sehr gut trainiert. Wenn ich meine Trainingsleistungen auch dort zeigen kann, sollte es für mich persönlich zu einem guten Ergebnis reichen. Ich habe weniger Erwartungen als vielmehr Hoffnungen.

          Shorttrack ist nun seit über zwanzig Jahren olympisch, in Deutschland aber immer noch nicht sehr populär. Kann ein erfolgreiches Abschneiden in Vancouver dies ändern?

          Gerade die letzten Wettkämpfe in Deutschland haben gezeigt, dass die Leute begeistert sind und mitfiebern. Auch die Medien haben mehr Interesse. Es ist einfach schade, dass diese spannende Sportart so untergeht und es so schwierig ist, sie bekannt zu machen - auch weil die Erfolge nicht da sind.

          Sie wollen direkt nach den Spielen ein Praktikum beginnen. Bedeutet das einen Karriere-Stop?

          Das hängt davon ab, wie es in Vancouver läuft und welche Perspektiven ich danach noch für unseren Sport sehe. Ich muss schließlich mein Leben finanzieren. Shorttrack macht mir wahnsinnig Spaß, aber irgendwann kann man von Passion alleine nicht mehr leben.

          Aika Klein: Die 27 Jahre alte Rostockerin studiert Wirtschaftswissenschaften und trainiert parallel dazu täglich auf dem Eis, gefördert von der Deutschen Sporthilfe. Nach ihrer Rückkehr von den Olympischen Spielen wird sie ein Praktikum bei der Deutschen Telekom machen, um sich ein zweites Standbein aufzubauen.

          Shorttrack: Bei dieser spektakulären Eislauf-Disziplin treten vier bis sechs Läufer gleichzeitig gegeneinander an. In den extremen Kurven der 111,12 Meter langen, ovalen Bahn dürfen die Läufer mit der Hand den Boden berühren. Die Wettbewerbe gehen über 500, 100 und 1500 Meter; in der Staffel über 3000 (Frauen) bzw. 5000 Meter (Männer).

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