https://www.faz.net/-g8b-15ng9

Olympische Winterspiele : Rodel-Gold für Loch, Silber für Möller

  • -Aktualisiert am

Nicht aufzuhalten: Felix Loch ist Olympiasieger 2010 im Rennrodeln Bild: dpa

Mit Gedanken an den tödlich verunglückten Nodar Kumaritaschwili raste Felix Loch im Einsitzer zur Goldmedaille bei den Winterspielen. Überraschend ist sein Sprung auf den Olymp nicht. Landsmann David Möller holte Silber. Dritter wurde der Italiener Armin Zöggeler.

          4 Min.

          Er riss sich das Visier vom Helm, reckte die Arme in den blauen Himmel über Whistler und brüllte seine Freude heraus: Der Rodler Felix Loch hat am Sonntag die erste Goldmedaille für die deutsche Olympiamannschaft bei den Winterspielen von Vancouver gewonnen. Der zwanzig Jahre alte Berchtesgadener gewann mit vier überragenden Fahrten vor seinem Mannschaftskollegen David Möller und dem Italiener Armin Zöggeler. Bundestrainer Nobert Loch, Vater des Olympiasiegers, zeichnet damit für das beste Ergebnis deutscher Rennrodler seit den Winterspielen 1988 in Calgary verantwortlich. Damals hatte Jens Müller, heute Cheftrainer der Skeleton-Mannschaft, im Namen der DDR Gold vor dem Bayern Georg Hackl gewonnen. „Das ist der Wahnsinn, was soll ich sagen? Das waren zwei perfekte Tage“, sagte Loch. Hackl, der ihm bei der Abstimmung des Schlittens hilft, glaubt: „Der Felix kann meinen Rekord von drei Goldmedaillen brechen.“

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Überraschend ist Lochs Sprung auf den Olymp nicht. Loch wurde 2008 und 2009 Weltmeister. Mit dem Rennrodelsport ist der Polizist von Kindesbeinen an vertraut. Er begleitete seinen Vater zu allen Bahnen und machte sich schon als Jugendlicher mit der Schlittentechnik vertraut. Loch zeichnet nicht nur eine besonders windschlüpfige Lage auf dem Schlitten aus, er zählt auch zu den besten Startern. Das war die Voraussetzung für den großen Erfolg der beiden Deutschen, die aus einer Kreisstadt stammen: Sonneberg in Thüringen. Mit ihrer Physis, beide sind etwa 1,90 Meter lang und wiegen 90 Kilogramm, katapultierten sie sich am schnellsten vom Start weg in den Eiskanal.

          Die Abfahrt war wegen des tödlichen Unfalls des Georgiers Nodar Kumaritaschwili beim Training am Freitag auf den Damenstart nach unten verlegt worden. Diesen Vorschlag hatten unter anderem die Deutschen gemacht. Er war erst am Samstagmorgen um 6 Uhr Ortszeit auf Druck des Bahnchefs gegen den Willen eines Gremiums des Internationalen Rodel-Verbandes (FIL) durchgesetzt worden. Aus Rücksicht auf die Gefühle der Athleten, wie die FIL offiziell erklärte.

          Mit vier starken Läufen zur Goldmedaille: Felix Loch im Einsitzer

          Die Höchstgeschwindigkeit sank im Wettbewerb von 155 auf 147

          Inoffiziell aber wollte der Bahnchef einen weitern schweren Unfall mit einer Reduzierung der Geschwindigkeit in jedem Fall ausschließen. Die anderen Rodelwettbewerbe (Damen/Doppelsitzer) werden am Juniorenstart beginnen. Bei den Herren griff die Maßnahme. Die Höchstgeschwindigkeit sank im Wettbewerb von 155 auf 147 Stundenkilometer (Loch). Die meisten Athleten, so hieß es aus dem Olympischen Dorf, begrüßten die Entscheidung.

          Armin Zöggler, der entthronte Olympiasieger, äußerte sich erst nach Ende des Rennens: „Nach allem, was passiert ist, war es richtig, das Rennen zu verkürzen, da gibt es keine Diskussion. Ich habe diese Entscheidung respektiert. Auch wenn sie für mich sportlich gesehen ein Nachteil war. Ich habe mich nicht zurechtgefunden.“ Der 36 Jahre alte Star des Rodelsports ist vergleichsweise langsam, wenn er sich mit den Händen auf Tempo bringen muss. Vom Herrenstart hätte er gute Chancen auf den Sieg gehabt, weil er mit seinem überragenden Fahrstil den Nachteil einer schlechten Startzeit häufig ausgleicht. In den Rennen aber machte der Südtiroler auch während der Fahrt viele Fehler. Der fünfmalige Weltmeister hatte schließlich schon nach drei Fahrten einen Rückstand gut einer Sekunde hinter Loch. Im Rennrodeln sind selbst wenige Zehntelsekunden kaum mehr aufzuholen. Und so musste auch Zöggeler eingestehen: „Mehr als Bronze war nicht drin.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.