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Niederländische Eisschnelllauf-Dominanz : Die Spiele der Schaatser in Sotsji

Wettlächeln nach dem Wettlauf: Siegerin Jorien ter Mors (M.) ist eingerahmt von Ireen Wust (l.) und Lotte van Beek Bild: dpa

Die anderen können ihre zwei Kufen einpacken: Auf der Eisschnelllauf-Bahn in der Adler-Arena spielt nur noch „Kleintje Pils“. Das Geheimnis? Die Niederländer lieben die gepflegte Rivalität. Jeder läuft gegen jeden.

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          Willem-Alexander war da, der König. Aber die Kapelle fehlte. In der ersten Olympiawoche in der Adler-Arena spielte das Blasorchester der Regionsverwaltung Krasnodar, das scheint tatsächlich der offizielle Name zu sein. Wenn das Eis für die Eisschnellläufer neu bereitet wurde, kamen ein paar Blechbläser und ein Mann mit Pauke. Und Frauen mit sehr knappen Röcken und sehr tiefen Ausschnitten, sie warfen ihre Beine in die Luft, aber so richtig sprang der Funke nicht über. Der niederländische Eisschnelllauffreund mag sein eigenes Blasorchester bei Rennen, er fühlt sich gerne wie daheim, wie in, sagen wir, Heerenveen, und in Heerenveen und anderswo sorgt die Stimmungskapelle „Kleintje Pils“ für, eben, Stimmung.

          Das Problem ist gelöst, „Kleintje Pils“ ist nun also in Sotschi angekommen, man könnte sogar sagen, „Kleintje Pils“ ist in Sotsji angekommen. Denn auch wenn der Koning mittlerweile wieder abgereist ist - die Olympiaküste ist so fest in oranger Hand, dass sich die niederländische Schreibweise geradezu aufdrängt. „We will rock you!“ spielte „Kleintje Pils“ am Sonntag zur Begrüßung, danach belegten Jorien ter Mors, Ireen Wüst, Lotte van Beek und Marrit Leenstra im Rennen über 1500 Meter die Plätze eins bis vier.

          Eisschnelllauf ist, wenn viele laufen und am Ende gewinnen die Niederlande

          Inzwischen haben sich ja alle daran gewöhnt, wie Eisschnelllauf in Sotschi abläuft: Während die anderen Nationen, die Verlierer, schon mal zusammenpacken, in die Umkleidekabine und schließlich ins Olympische Dorf verschwinden, bleiben drei Niederländer, oder, wie am Sonntag nach dem Rennen über 1500 Meter, Niederländerinnen noch in der „Adler Arena“. Es steht ja noch eine Siegerehrung an, bei der Blumen verteilt werden. 16 Medaillen haben Hollands „Schaatser“ bisher gewonnen, fünf Goldmedaillen, fünfmal Silber, sechsmal Bronze. Kein Land hat in Sotschi bislang mehr Medaillen gewonnen, 17 sind es insgesamt. Die 17. war Bronze für Sjinkie Knegt beim Short Track.

          Man braucht keine oranje Brille, um die Niederländer siegen zu sehen

          Für Marrit Leenstra wurde am Sonntag nicht extra angebaut am Siegerpodest, sie packte deshalb auch schon mal ihre Sachen. „Ich war einfach nicht gut genug“, sagte sie, als sie damit fertig war. Das Leben kann selbst für niederländische Eisschnellläufer hart sein zurzeit: Besser als die ganze Welt - aber einfach nicht schnell genug für eine Medaille, weil es drei weitere Niederländerinnen gab, die noch besser waren.

          Immerhin war Leenstras Gepäck ein bisschen leichter als das der anderen, sie musste nicht die Frage mit nach Hause schleppen, die sich Amerikaner, Russen, Koreaner und Deutsche Abend für Abend aufs Neue stellen: Wie machen die Holländer das bloß? Im niederländischen Fernsehen wurde am Abend besorgt die Frage gestellt, ob das Eisschnelllaufen demnächst vom IOC wegen Langeweile in Frage gestellt wird. Die Niederländer diskutieren, ob man andere Nationen Nachhilfe geben solle, so weit ist es in Sotsji gekommen.

          Alles Oranje: Die Niederländer wie bei dieser Siegerehrung über 1500 Meter der Frauen dominieren den Eisschnelllauf

          150.000 Mitglieder hat der Koninklijke Nederlandse Schaakbond (KNSB), der niederländische Eisschnelllaufverband, und 15.000 aktive Sportler. Im deutschen Eisschnelllaufverband sprechen sie ehrfürchtig von den mehr als 10.000 Trainern, den die Konkurrenz aus dem Westen zur Verfügung hat, und natürlich ist es beim Eisschnelllauf wie in allen anderen Sportarten: Viel bringt viel. Trainer, Geld, Talente. Aber wenn das das Geheimnis ist, dann müssten die deutschen Fußball- und Handball-Nationalmannschaften in Serie Welt- und Europameister werden. Eisschnelllauf ist in den Niederlanden ein Volkssport, war es immer schon, aber die Grachten frieren längst nicht mehr zu oder höchstens alle Jubeljahre mal.

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