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Landesverrat im Viererbob? : Russisches Gold mit deutschen Kufen

Heiße Ware: Die Kufen des Olympiasiegers Bild: dpa

Der Russe Zubkow profitiert bei seinem Olympiasieg vom Handel mit dem früheren Weltmeister Machata. „Verrat“ schreien die einen. Oder dient die Affäre als Ablenkung vom schwachen deutschen Abschneiden?

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          Die Bobfahrer ohne Medaillen zurück von Olympia? Das hat es seit einem halben Jahrhundert nicht mehr gegeben. Aber einen kleinen deutschen Anteil am Olympiasieg im Vierer gibt es schon. Alexander Zubkow ist mit deutscher Hilfe zum russischen Helden des Eiskanals geworden. Nach dem Triumph im Zweierbob sauste sein Vierer auf Kufen zur Bestzeit, die ihm der deutsche Bobpilot Manuel Machata lieh.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Der korrigierte sein Erklärung vom Sonntagabend und erklärte am Montag auf Anfrage, den Kufensatz Zubkow gegen eine Gebühr zur Verfügung gestellt zu haben: „Das stimmt“, sagte Machata: „Der Kufensatz stammt aus meinem Besitz, ich habe ihn auch weiterentwickelt. Ich verstehe die Aufregung gar nicht.“

          „Schockiert“ sei er gewesen, hatte der Vizepräsident des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD), Rainer M. Jakobus, der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Sonntag berichtet, als er im Zielbereich „davon“ erfahren habe. Ein Skandal? „Der ganze deutsche Verband ist entsetzt.“

          Tatsächlich schwelte die Geschichte nicht erst seit dem Wochenende. Aber ist es ein „Verrat“ – oder dient die Kufenaffäre eher als Ablenkung von dem schwachen Gesamtauftritt der deutschen Bobcrew?

          Das Team von Manuel Machata: 2011 Weltmeister, 2014 nicht für Olympia qualifiziert

          Bevor Machata frank und frei die Vermietung an Zubkow einräumte, hatte der Generalsekretär des BSD, Thomas Schwab, eine Befragung Machatas angekündigt. „Ich will keine Vorverurteilung. Ich werde mit ihm am Mittwoch sprechen. Und dann sehen wir weiter.“

          Wenigstens ein Präsidiumsmitglied fordert allerdings den Ausschluss Machatas aus der Förderung. Dazu müsste ein verbandsschädigendes Verhalten festgestellt werden.

          Die Kufen werden als heiße Ware gehandelt

          Der Verkauf oder die Weitergabe der Sportgeräte und des Zubehörs ist seit vielen Jahren ein heikles Thema in der Szene. Weil ein Großteil des von den Deutschen benutzten Materials vom Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) stammt. Die Einrichtung wird vom Steuerzahler finanziert, ihre Produkte sind also Staatseigentum.

          Machata, Weltmeister 2011, hat aber keine FES-Kufen an die Russen vermietet. Er hatte den Satz auf eigenes Risiko aus der Schweiz bezogen, für rund 29.000 Euro. Ein stolzer Preis, sie kosten sonst ein Drittel. Machata wagte diese Investition, weil er sich, hinter die drei Kandidaten zurückgefallen, unbedingt für die Spiele qualifizieren wollte. In Winterberg fuhr er im Januar als Spurbob außer Konkurrenz schneller als die ersten drei – allesamt deutsche Bobs.

          Gute Kufen haben schon viele Schlitten beschleunigt

          Je nach Wetter und der Beschaffenheit des Eises können Kufen den Unterschied zwischen einem großen Sieg und einer schweren Niederlage ausmachen. Sie werden gehütet wie ein Augapfel – und wie heiße Ware gehandelt. Der Vorbesitzer, ein Schweizer, hatte sie an einen österreichischen Bobfahrer ausgeliehen, der 2013 überraschend gut in Fahrt kam. Auch der Kanadier Lyndon Rush testete den Untersatz, während der Schweizer Beat Hefti, Achter im Vierer, vergeblich um den Stahl aus der Heimat geworben haben soll.

          Trotz der Demonstrationstour in Winterberg reichte es für Machata nicht zur Olympia-Nominierung. Was aber tun mit dem teuren Kufensatz, wenn man bei Olympia zuschauen muss? Angeblich war Machata an eine Vereinbarung gebunden: „Es gab einen Deal, dass ich die Kufen in diesem Fall an Zubkow ausleihe, sonst hätte ich sie nicht kaufen können“, behauptete er am Montag: „Will man jetzt ablenken und auf mich einschlagen?“

          Ob die deutschen Olympiafahrer mit den Machata-Kufen zu einer Medaille gefahren wären, hält der 29 Jahre alte Berchtesgadener für eine hypothetische Frage: „Hätte, wenn und aber.“ Neben der Anschubschwäche und Fahrfehlern fiel allerdings auf, dass die deutschen Schlitten bei dem warmen Wetter am Sonntag nicht mehr konkurrenzfähig waren. Das könnte auch an den Kufen gelegen haben.

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