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Jenny Wolf über Kraft : "Ich kaufe mir eher Männer-Jeans"

  • Aktualisiert am

Kraftpaket Wolf: „Ich mache Kniebeugen mit 135 Kilogramm auf den Schultern” Bild: AFP

Ohne Energie kein Erfolg. Eisschnelllauf-Weltmeisterin Jenny Wolf im Gespräch über Stürze, Muskeln und ihre Oberschenkel. Teil 3 der Interview-Serie vor den Olympischen Winterspielen von Vancouver.

          5 Min.

          Ohne Energiezufuhr kein Erfolg. Und keine Siege ohne Einschränkugen. Eisschnelllauf-Weltmeisterin Jenny Wolf im Gespräch über Muskeln, Stürze und ihre Oberschenkel.

          Sie haben kürzlich Ihren alten Weltrekord über 500 Meter noch einmal auf 37,00 Sekunden verbessert - welche Rolle spielt die Kraft dabei?

          Gerade für den Sprint braucht man jede Menge Kraft, um diese unglaubliche Beschleunigung zu erreichen. Man hat nicht viel Zeit, um auf seine Maximalgeschwindigkeit zu kommen, und muss deshalb gleich explosiv starten. Wenn alles gut läuft und ich auf einer Bahn laufe, wo auch Weltrekorde möglich sind, dann erreiche ich schon vor der ersten Kurve beinahe Tempo fünfzig und in der Spitze rund 57 Kilometer in der Stunde. In der Kurve kommt es dann auf statische Kraft an, man muss den optimalen Knie- und Fußwinkel halten, egal, wie viel Qual dies bedeutet.

          Jenny Wolf: „Ich zähle zu den kraftvollsten Läufern im Feld”
          Jenny Wolf: „Ich zähle zu den kraftvollsten Läufern im Feld” : Bild: AFP

          Wann beginnen die Schmerzen in den Oberschenkeln?

          Den Sprint übersteht man gänzlich ohne, auf der längeren Strecke über 1000 Meter leider nicht. Es ist immer so eine Kopfsache. Man bekommt die Schmerzen immer so lange nicht mit, bis man sich überlegt: O Gott, jetzt könnte es wehtun. Bei mir setzt das immer genau nach 600 Metern ein. Wenn das Läuten zur letzten Runde kommt, schießt mit der Schmerz einfach so in die Beine rein. Dann kann man einfach die Winkel nicht mehr halten und läuft technisch nicht mehr sauber. Das ist die erste Phase, danach kann man seine Beine überhaupt nicht mehr kontrollieren, man setzt die Schlittschuhe dann nur noch auf und hofft, dass das Ziel bald erreicht ist.

          Ist es ein Trugschluss, dass Eisschnellläufer nur Kraft in den Oberschenkeln benötigen?

          Auf jeden Fall. Wenn ich keine Rumpfmuskulatur hätte, dann würde mir all die Kraft in den Beinen überhaupt nicht helfen. Der Oberkörper würde dann auf der Bahn immer nur noch hin und her schwanken.

          In den Kurven müssen Sie enge Radien laufen, um den Weg zu verkürzen. Welche Rolle spielt in diesem Moment die Fliehkraft?

          Genau das ist oft mein Problem. Nach 300 Metern habe ich meine maximale Geschwindigkeit erreicht, und dann spüre ich schon, wie es mich in der zweiten Kurve nach außen treibt. Dann muss man möglichst tief laufen und sich weit in die Kurve hineinlegen.

          Haben Sie in dem Moment keine Angst, dass die Kufen dem Druck dieser Schräglage nicht mehr standhalten könnten?

          Nein, Angst darf man keine haben. Aber natürlich kann jeder technische Fehler sofort einen Sturz bedeuten. Auch die Eisqualität kann schon so schlecht sein, dass ein Stück aus der Bahn bricht und man überhaupt keine Chance mehr hat zu reagieren. Es ist wohl jedem von uns schon einmal passiert, dass er in die Bande geflogen ist. Das ist kein Spaß mehr. Beim Weltcup in Berlin sind im letzten Rennen zwei Männer am Ausgang der Kurve mit rund sechzig Kilometern in der Stunde direkt in die Bande geknallt. Darauf kann man dann gar nicht mehr reagieren, man hat keine Chance mehr.

          Kommt es denn nur auf die Kraft an, oder wie wichtig ist eine ausgeprägte Technik?

          Gerade in meinen Fall sieht man, wie wichtig die Kraft ist. Ich zähle sicher zu den kraftvollsten Läufern im Feld und weiß einfach, dass ich technische Fehler durch meine Power ausgleichen kann. Aber natürlich wäre es ein Vorteil, wenn meine Technik noch besser wäre. Aber die leidet einfach unter dem Krafttraining. Wenn ich im Sommer einmal die Intensität erhöht und noch mehr Muskeln aufgebaut hatte, dann lief es danach auf dem Eis oft gar nicht so gut wie erwartet. Die Bewegungsabläufe waren danach auf einmal ganz anders. Man stößt ab, hat auch einen guten Vortrieb, aber der geht dann gar nicht in die Richtung, wo er hinsoll.

          Sie arbeiten unter anderem mit einem Gewichtheber-Trainer zusammen. Wie kann man sich das vorstellen?

          Ich mache unter anderem Kniebeugen mit 135 Kilogramm auf den Schultern. Das sind ganz kurze Übungen mit maximal zwei oder drei Wiederholungen. Richtung Vancouver will ich das noch mal verbessern, mein Ziel sind 140 Kilogramm. Wenn ich nicht wüsste, dass mir das etwas auf dem Eis bringt, wäre es wohl nichts für mich. Es ist deutlich zu anstrengend und nervlich belastend, weil man sich keine Fehler erlauben darf. Ich ziehe sanftere Methoden des Sports vor.

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