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Hurra, sie leben noch? : Vernichtende Urteile über die Bobbahn

  • -Aktualisiert am

Nur den Schuh verloren: der Zweierbob von Beat Hefti im Training Bild: dpa

Stürze in der Eisschlange von Vancouver sind nicht zum Lachen. Gar Weltmeister und Olympiasieger sehen die Gefahr, beim in der Nacht auf Sonntag beginnenden Wettbewerb nicht auf Kufen ins Ziel zu kommen.

          Manami Hino und Konomi Asazu kichern. Sie sitzen auf der Begrenzung der Bob- und Rodelbahn von Whistler. Den Rücken dem Eis, die Gesichter der wärmenden Sonne zugewandt. Alle paar Minuten donnert ein Zweierbob mit Männerbesatzung vorbei. Schnell drehen die Japanerinnen die Köpfe, schauen der Schussfahrt gespannt hinterher in die Kurve elf hinein. Hier hat mancher Sturz vieler Könner seit der Freigabe der Bahn vor zwei Jahren seinen Lauf genommen. „Fifty-fifty“ heißt die Passage. So gering schätzen sogar Weltmeister und Olympiasieger ihre Chance ein, auf Kufen bis ins Ziel zu kommen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Das japanische Damenbob-Team nickt: „Yes, fifty-fifty.“ Sie kommen auch an die Reihe. An diesem Samstag beginnt ihr Wettkampf im kleinen Bob mit einem Extratraining. Die Frage nach der Angst, in der schnellsten Kunsteisbahn der Welt eine gute Woche nach dem Tod des georgischen Rodlers nicht über die Runden zu kommen, diskutieren beide auf Japanisch. Sie kommen zu einem einstimmigen Ergebnis: „Wir wissen es nicht.“ Hino kichert.

          Nach Lachen ist den Funktionären des Internationalen Bob- und Skeleton-Verbandes (FIBT) vor den um 2 Uhr in der Nacht zum Sonntag mit dem Zweierbob der Männer (live im FAZ.NET-Liveticker: Olympia 2010) beginnenden Wettbewerben nicht zumute. In den ersten 60 Trainingsläufen rutschten elf Bobs auf der Seite ins Ziel. Das „Sliding-Center“ kam wieder ins Gerede. Und so bat der Vizepräsident der FIBT, Paul Pruszynski, Bob-Trainer und -Athleten, nicht weiter Stellung zum tödlichen Unfall des Rodlers zu nehmen. Manche Funktionäre verstanden diesen Hinweis als Maulkorb.

          In den ersten 60 Trainingsläufen rutschten elf Bobs auf der Seite ins Ziel

          „Wir haben es den Verantwortlichen gesagt, aber es passiert nichts

          Dabei ist alles gesagt. Vernichtende Urteile waren schon vor eineinhalb Jahren gesprochen worden: „Wir wollen ja nicht, dass die ganze Bahn weggebombt wird, aber es sind kleinere Umbauten nötig. Selbst Olympiasieger Lueders ist (in seiner Heimat) durch den Kanal geflogen und hob ab – und das ist richtig gefährlich“, erklärte Medaillenkandidat André Lange - der im Training am Freitag Bestzeit fuhr - im November 2008 und fügte hinzu: „Wir haben es den Verantwortlichen gesagt, aber es passiert nichts.“

          Jedenfalls zu wenig. Der von Trainern kritisierte Eisstand an neuralgischen Stellen wurde am Mittwoch vor den ersten Testläufen im kleinen Bob nicht korrigiert. Das Reglement verbietet eine Entschärfung, weil die Trainingsfahrten der Skeletonfahrer abgeschlossen waren. Man hätte ihnen eine weitere Eingewöhnungsfahrt vor ihren Wettkämpfen gewähren müssen. Dafür ließ der Zeitplan keine Lücke.

          Die FIBT weiß längst, dass es auch im Zweier-Wettbewerb der Männer bei Tempo 150 und mehr „eng“ (Olympiasieger Christoph Langen) werden kann. An diesem Samstag steigen die Teams mit ihrem besten Material und unter Einsatz aller Kraft in den Wettbewerb ein. Anschieber wie der deutsche Richard Adje glauben an ein besonderes Vertrauensverhältnis zu ihrem Piloten (Thomas Florschütz): „Ich gebe mein Leben in seine Hände.“

          „Ich bin schon auf anderen schwierigen Bahnen herunter gekommen

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