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Fahnenträger André Lange : Moderner Athlet

  • -Aktualisiert am

Locker trotz Ehrenamt: Andre Lange, Fahnenträger in Vancouver Bild: DPA

André Lange trägt bei der Eröffnungsfeier in Vancouver die deutsche Fahne. Für diese Rolle hat sich der 36 Jahre alte Bobpilot nicht gerade beworben. Sieht man von der indirekten Empfehlung für die erstbeste Position im Protokoll ab.

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          Die Kraft hat er. André Lange ist ein Bär von einem Mann: 1,89 Meter groß, 98 Kilogramm schwer, aber schnell unterwegs: Wer einen Zweierbob (200 Kilogramm) zusammen mit dem Hintermann sprintend in Schwung bringt, dem wird es leichtfallen, eine Fahne durchs Stadion zu tragen. Aber die Aufgabe wiegt schwerer, als es scheint. Denn der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) verlangte von seinem ersten Mann beim Einmarsch der Nationen, im doppelten Sinne Flagge zu zeigen: „Wir haben ihn ausgewählt, weil er die Werte, die unser Olympiateam hier in Vancouver repräsentieren soll, in ganz besonderer Weise verkörpert“, sagte DOSB-Präsident Thomas Bach: „Hier in Vancouver ist er die Persönlichkeit.“

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Für diese Rolle hat sich der 36 Jahre alte Thüringer nicht gerade beworben. Sieht man von der indirekten Empfehlung für die erstbeste Position im Protokoll ab: Allein drei olympische Goldmedaillen und neun WM-Titel in elf Jahren dokumentieren seine außergewöhnliche Leistungsfähigkeit. Der Mann, der sich nach zwanzig, dreißig Metern Sprint geschwind ins Cockpit setzt, hat eine goldwerte Ausdauer bewiesen. Aber trotz aller Erfolge in Europa und Übersee nie abgehoben. Eher schaute dieser hochdekorierte Meister seines Fachs zu anderen auf: „Ich habe die Fahnenträger immer bewundert. Jetzt mache ich es selbst. Es ist eine große Ehre für mich.“

          Das klang ein bisschen wie zurechtgelegt während des zehnstündigen Fluges von Frankfurt aus, wo er vor dem Einstieg von seiner Wahl erfuhr. „Ich habe mich die ganze Zeit gefreut.“ Aber Lange bleibt trotz des Ehrenamtes locker. Das ist seine Natur. Selbst wenn die Schwerkraft ihn samt seiner Hintermänner im Vierer mit Tempo 150 ins Tal zerrt. Langes Gelassenheit hat manche Gegner in Rage versetzt, aber auch Begleiter hin und wieder rotieren lassen. Denn es gefällt ihm, ohne großen Aufwand auf den Punkt ein herausragender, unerschütterlicher, bisweilen sturer Pilot zu sein. Ein Siegertyp, der sich immer wieder im rechten Augenblick von seiner Grundgemütlichkeit löst. „Ehrgeizig, aber nicht verkniffen“, lobt Bach.

          „Ehrgeizig, aber nicht verkniffen”: DOSB-Präsident Bach (l.) über Lange

          Nur die Geradlinigkeit des Kurvenkünstlers passt nicht ganz zum Protokoll. Nach seinen Siegen im kleinen wie im großen Schlitten bei den Winterspielen vor vier Jahren in Turin lud er Fans und Freunde zum munteren „Schädelfluten“. Lange sagt eben gern, was er denkt. Etwa Gutes über einen Gegner, der ihn gerade nach allen Regeln der Kunst geschlagen hat. Und so genießt er hohen Respekt. Daran kann auch der Spitzname nichts ändern: „Bärchen“ nennen Freunde den Zwei-Zentner-Mann.

          Eigentlich kann Lange das nicht leiden. Bei der Vorstellung als Fahnenträger aber verzog der Berufssoldat keine Miene. Im Gegenteil. Lange spielte mit: „Bären stehen hier unter Naturschutz. Ich werde mich wohl frei bewegen dürfen.“ Ist er schnell genug, dann wird der Name zum Ende seiner Karriere wohl veredelt: Goldbärchen.

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