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Eishockey-Kommentar : Die Maschine bricht auseinander

  • -Aktualisiert am

An der Bande zerschellt: Alexei Yemelin (l.) und die Russen scheitern an Finnland Bild: AP

Die Sbornaja enttäuscht Putin und eine ganze Nation: Die russische Eishockey-Auswahl scheitert wie so oft seit dem letzten Olympiasieg von 1992 als Team ohne Teamgeist.

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          Eigentlich ist nichts Besonderes passiert. Eigentlich war es zu erwarten gewesen. Und so ist es nun auch gekommen: Die Eishockey-Großmacht Russland ist ausgeschieden. Schon im Viertelfinale. Nicht gegen eine andere Supermacht wie Kanada oder die Vereinigten Staaten, sondern gegen Finnland. Dass die Eiszeit nun vorüber ist, darf nicht erstaunen. Gold für die einst glorreiche Sbornaja? Das gab es zuletzt bei den Olympischen Spielen 1992 in Albertville.

          Damals trat man als vereintes Team der GUS-Staaten an und triumphierte. Das war das letzte Mal. Danach gewannen immer die anderen. Das russische Eishockey hatte seinen Zauber verloren. Dabei bleibt es. Die Magie der alten russischen Eishockey-Schule ist verflogen. Schon die Vorahnungen verhießen nichts Gutes. Als hätte man es geahnt. „Wo ist die rote Maschine?“, fragte die Zeitung „Sport Express“ schon am Montag.

          Druck auch von Putin

          Arme Eishockey-Millionäre? Man muss ihnen ja zugestehen: So schwer wie diesmal hatten sie es nie. Ganz Russland hat den Olympiasieg erwartet. Vom kleinen Mann am Fernsehbildschirm bis hinauf zum großen Mächtigen im Kreml. Wladimir Putin, der selbst ganz gerne mal in Eishockeymontur der Puckjagd nachgeht, hat ganz unverhohlen erkennen lassen, dass er von seinen Landsleuten Gold erwartet. Gold! Nichts als Gold! Das erste Gold für das eigenständige Russland!

          Auch das dürfte ein Grund dafür sein, dass das Projekt am Mittwoch gründlich schiefgegangen ist. Es scheint, als wären die Russen am Druck zerbrochen. Allen voran Alexander Owetschkin, jener famose Eishockeyspieler von den Washington Capitals, dessen Können so gigantisch schien, als könnte er sein Team im Alleingang zum Olympiasieg führen. Doch gerade er, einer von Putins Lieblingssportlern, hat bitter enttäuscht. Schon nach 77 Sekunden im ersten Spiel gegen Slowenien hatte Owetschkin den ersten Treffer erzielt. Ein Moment, der Hoffnung machte auf mehr. Im Rest des Turniers gelang ihm nichts mehr.

          Team ohne Teamgeist

          Zudem - und das ist ein russisches Phänomen - erwies sich die Sbornaja, was auf Deutsch „Mannschaft“ heißt, wieder einmal als Team ohne Teamgeist. Alle vier Jahre treffen sich gestandene Eishockeyprofis, von denen zehn in der nordamerikanischen Profiliga NHL berühmt und reich geworden sind, und entpuppen sich im Russland-Trikot als Egozentriker. So schlimm wie jetzt war es selten zuvor. Die Wut darüber ist nun groß in einem Land, das Eishockey liebt und lebt. Unter Pfiffen und Buhrufen der entsetzten Fans schlichen die vermeintlichen Helden vom Eis. Die Heimflüge zurück nach Kanada und Amerika sind schon gebucht.

          Russland ist unglücklich. Man hatte sich gesehnt nach dem großen Finale am Sonntag. Höhepunkt der Winterspiele. Die ganz große Nummer! Am besten ein Fight gegen Amerika. Für die russischen Eishockeyspieler sind die Spiele jetzt vorüber. Vielleicht sind am Mittwoch sogar die Olympischen Winterspiele von Sotschi ganz still und leise zu Ende gegangen.

          Volker Stumpe †
          Sportredakteur.

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