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Claudia Pechstein : 41 Jahre und 351 Tage: Na und?

Große alte Dame: Claudia Pechstein kann Ethel Muckelt überholen Bild: AP

Claudia Pechstein will die älteste Medaillengewinnerin der Olympischen Winterspiele werden. Die Chancen stehen gut.

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          Olympiazeit ist Rekordzeit, schneller, höher, stärker. Aber älter? Ja, na sicher, auch älter. Die Engländerin Ethel Muckelt aus Moss Side war schon 38 Jahre und 243 Tage auf der Welt, als sie am 30. Januar 1924 die Bronzemedaille im Eiskunstlaufen gewann, bei den ersten Olympischen Winterspielen in Chamonix, der Veranstaltung, die eigentlich „Internationale Wintersportwoche“ hieß.

          Ethel Muckelt starb 1953. Ihr Altersrekord bei Winterspielen ist bis heute gültig. Doch an diesem Sonntag (12.30 Uhr/ ZDF und im FAZ.NET-Liveticker) startet Claudia Pechstein in Sotschi über 3000 Meter im Eisschnelllauf. Und die Berlinerin, damit ist zu rechnen, wird alles tun, um Ethel Muckelts Rekord zu brechen. Pechstein ist dann 41 Jahre und 351 Tage alt, und die Chancen auf ihre zehnte Olympiamedaille stehen ziemlich gut.

          Der Zeitplan der Olympischen Winterspiele in Sotschi

          „Die Favoriten sind Martina Sablikova und Ireen Wüst“, sagt sie, aber auch wenn das die Wahrheit ist: Seit Ethel Muckelts Tagen hat sich nichts geändert, es werden drei Medaillen bei olympischen Wettbewerben verteilt. Aber aus Pechsteins Satz lässt sich etwas anderes herauslesen: Die anderen mögen Favoriten sein, aber Gold, wer weiß, an einem guten Tag, warum denn nicht? Die Tschechin Martina Sablikova hat sie einmal in dieser Saison, zum Auftakt der Weltcupserie in Calgary, hinter sich gelassen, Ireen Wüst weit öfter, zuletzt bei einem Trainingswettkampf in Inzell, bevor es nach Sotschi ging.

          Es ist schon erstaunlich: Da ist Claudia Pechstein 41 Jahre alt und läuft beim Heimweltcup in Berlin im Dezember schneller als je zuvor in ihrer Karriere auf dieser Bahn. Schneller als die 19-jährige Claudia Pechstein, die 1992 Bronze über 5000 Meter in Albertville gewann. Schneller als die 21-jährige, die bei den Spielen von Lillehammer ihre Bestzeit um fast zwanzig Sekunden steigerte über 5000 Meter (und Bronze über 3000 Meter gewann). Schneller als die Claudia Pechstein, die über die Jahre noch vier weitere Gold- und zwei Silbermedaillen gewann.

          Nur Training: Claudia Pechstein jagt die große Favoritin Martina Sablikova

          Sie startet in diesem Jahr mit neuen, maschinell geschliffenen Kufen, die einen beträchtlichen Vorteil bringen sollen, auf den ihr Management auch immer wieder hinweist – schließlich kämpft die Klientin nach wie vor gegen die Rufschädigung, die ihr widerfahren sei, als verurteilte Doperin aufgrund verdächtiger Blutwerte. Inzwischen wurde eine vererbte Blutanomalie festgestellt.

          Der Molekularbiologe Werner Franke sagte in dieser Woche: „Pechstein hätte niemals verurteilt werden dürfen“, auch wenn er anfügte, die Blutanomalie sei medizinisch kein Beweis, dass sie nicht gedopt habe damals. Diesen will Pechstein noch führen, außerdem will sie vier Millionen Euro Schadensersatz von der Internationalen Eisschnelllauf-Union, unter anderem für die verpassten Medaillen, die sie in Vancouver hätte gewinnen können, als sie gesperrt war. Aber jetzt, an diesem Sonntag, will sie vor allem erst mal eins: älteste Medaillengewinnerin in 90 Jahren Winterspielen werden.

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