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Koreanisches Eishockey-Team : Zank um zwei blaue Punkte

Zuerst sorgt Randi Griffins Treffer für großen Jubel beim koreanischen Anhang aus Nord und Süd – am Ende überwiegt aber der Schmerz über die Pleite. Bild: AFP

Ausgerechnet gegen das ungeliebte Japan gelingt Koreas Frauenteam das erste Eishockey-Tor. Doch nicht nur die sportliche Rivalität steht aktuell zwischen Koreanern und Japanern.

          2 Min.

          Das Eishockey-Team der Frauen aus Nord- und Südkorea verzeichnet nach seinen beiden 0:8-Niederlagen gegen die Schweiz und Schweden einen Fortschritt: Im zweiten Drittel des dritten Spiels fiel der erste Treffer für die weniger sportlich als politisch bedeutsame Mannschaft. Die Südkoreanerin Randi Heesoo Griffin erzielte das Tor zum zwischenzeitlichen 1:2 gegen Japan. Mehr als die Ehre brachte es allerdings nicht ein. Das Spiel endete dennoch in einer 1:4-Niederlage. Griffin – eine in den Vereinigten Staaten geborene Studentin – hat eine koreanische Mutter, hatte die Staatsbürgerschaft erst im vergangenen Jahr erhalten und spricht kein Wort Koreanisch. Frenetischer Torjubel klingt aber ohnehin auf der ganzen Welt gleich. Endlich ein Tor für Korea! Und das ausgerechnet gegen das ungeliebte Land, mit dem historische Altlasten verbunden sind, die bis heute nicht richtig aufgearbeitet wurden.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Aus diesem Grund geht jeder sportliche Zweikampf zwischen Korea und Japan an die Substanz. Und jede politisch interpretierbare Panne, wie sie bei sportlichen Großereignissen unvermeidbar ist. So löste ein Kommentar des amerikanischen Fernsehjournalisten Joshua Cooper Ramo große Empörung aus. Er hatte in einer Moderation die koloniale Besetzung Südkoreas durch Japan von 1910 bis 1945 angesprochen und hinzugefügt: „Jeder Koreaner wird dir erzählen, dass Japan ein kulturelles und technologisches und wirtschaftliches Vorbild ist, das so wichtig für ihre Entwicklung gewesen sei.“ Das kam in Korea, das immer noch an den japanischen Gewalttaten während der Besetzung leidet und Entschuldigungen wünscht, gar nicht gut an. Tausende Koreaner protestierten in den sozialen Medien. NBC entschuldigte sich beim Organisationskomitee, und Cooper Ramo ist bei der Berichterstattung des Senders aus Korea nun nicht mehr dabei.

          Eine andere politische Altlast wird zum Dauerbrenner. Als friedliches Symbol der nationalen Einheit Koreas gedacht, wird die Einheitsfahne zum Zankapfel zwischen den beiden koreanischen Staaten und dem Nachbarn im Osten, Japan. Die Fahne bildet blau auf weiß die Umrisse Koreas ab. Die große Frage ist, was dazugehört. Manche der Einheitsfahnen haben östlich der Halbinsel zwei blaue Punkte, die Dokdo zeigen, zwei Felsinselchen, die von Südkorea seit dem Zweiten Weltkrieg verwaltet werden. Doch auch Japan beansprucht die Inselchen unter dem Namen Takeshima als Teil des Heimatlandes. Das Internationale Olympische Komitee ist sich des Problems bewusst.

          Für die Einheitsfahne während der Winterspiele hatte das IOC angeregt und im Januar mit Süd- und Nordkorea vereinbart, dass die Inselchen einfach nicht gezeigt werden, getreu der Devise, dass politische Botschaften während der Spiele unerwünscht sind. Bei der wichtigsten politischen Botschaft, dem gemeinsamen Einmarsch der Sportler beider koreanischer Staaten unter der Einheitsfahne, zeigte diese östlich der koreanischen Halbinsel so nur eine leere See. Gastgeber Südkorea hält sich an die Absprache und verwendet offiziell rund um die Spiele die politisch neutrale Einheitsfahne.

          Anders Nordkorea und seine Jubeltruppen junger Frauen. Sie schwenken ungeniert die Einheitsfahne mit Dokdo und bekräftigen den territorialen Anspruch Koreas gegen Japan. Das kommt in Japan gar nicht gut an. Man habe scharf bei den Nordkoreanern protestiert, heißt es im Außenministerium in Tokio. Wahrscheinlich verstoße Nordkorea gegen die Olympische Charta, die die politische Nutzung des Sports ablehne, erklärte eine Sprecherin. „Wir haben das Pyeongchang-Organisationskomitee und das IOC eindringlich aufgefordert, angemessene Maßnahmen zu ergreifen und strenge Verwarnungen zu erteilen.“

          Doch das IOC sieht sich nicht zuständig. Die offiziell verwendeten Fahnen entsprächen der Vereinbarung von Januar. Solange die Zuschauer nichts Verbotenes zeigten, könne man nichts machen. Südkoreas Regierung sehe in den Jubeltruppen keine offiziellen Vertreter Nordkoreas, sondern normale Zuschauer, heißt es im Vereinigungsministerium in Seoul. Das hört sich nicht so an, als ob die Regierung in den Einheitsfahnen der Nordkoreaner ein großes Problem sieht. Auch die südkoreanischen Fans vor und in den Sportstätten schwenken vollständige Einheitsfahnen inklusive Dokdos. Im Territorialanspruch gegen die frühere Besatzungsmacht waren die Koreaner aus Nord und Süd sich schon immer einig.

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