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Eishockey bei Olympia : Der Blick geht schon nach Peking

  • -Aktualisiert am

„Wunderkind“ und Kuven-Künstler: Bei den Olympischen Spielen ist Sidney Crosby von den Pittsburgh Penguins nicht dabei. Bild: AP

Olympia als Bühne für die Besten ihrer Sportart? Auf Eishockey trifft das in Pyeongchang nicht zu. Grund ist ein Streit mit der NHL,die sich damit letztlich selbst schadet.

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          Pyeongchang ist um eine Attraktion ärmer. Die herausragenden Eishockey-Cracks fehlen bei den Olympischen Winterspielen, die sich ja als Schauplatz der weltgrößten Athleten aus allen Nationen und Sportarten verstehen. Schuld ist der Konflikt zwischen National Hockey League (NHL) und Internationalem Olympischen Komitee (IOC), der zu keiner einvernehmlichen Lösung führte. So müssen die Zuschauer auf den kanadischen Kufen-Künstler Sidney Crosby verzichten, den rasanten Russen Alexander Owetschkin oder den schwedischen Schlussmann Henrik Lundqvist, die alle nicht kommen dürfen, weil den Klubbesitzern, bei denen sie in Nordamerika beschäftigt sind, das eigene Geld wichtiger ist als das Streben ihrer Angestellten nach Gold. Für das IOC ist der Boykott ärgerlich, für die Fans schade.

          Das Männer-Turnier in Korea wird nicht mehr so hochklassige Unterhaltung bieten wie in den vergangenen 20 Jahren, in denen die NHL ihre besten Botschafter entsandte. Doch es verspricht neue Spannung, weil ohne die Top-Stars die Chancengleichheit steigt und eine Handvoll Teams zum Kreis der Medaillenkandidaten zählt. Am meisten schadet sich die NHL mit der Aussperrung selbst.

          Der Eskalation liegt ein Konflikt zweier machtbewusster Männer zugrunde, die in diesem Geschäft beide seit einem Vierteljahrhundert das Sagen haben und dabei genauso wenig zimperlich zu Werke gehen wie ein Verteidiger beim Bandencheck. Der Amerikaner Gary Bettman und der Schweizer René Fasel sind sich in einem herzlich verbunden: in ihrer Abneigung. Bettman entwickelte als Commissioner und Sprachrohr der 31 Franchiseunternehmen die NHL zu einem prosperierenden Business, das gigantische Summen bewegt. Die Zwangspause von drei Wochen im Februar (wenn die NFL-Saison traditionell beendet ist und die der MLB noch nicht begonnen hat) für ein Ereignis in einem Land wie Südkorea, das auf den ersten Blick keinen wirtschaftlichen Mehrwert verspricht, passte ihm nicht ins Konzept; vor allem weil Bettman sich in der Bringschuld gegenüber den Fernsehsendern in der Heimat sah, die für den jüngsten TV-Kontrakt fünf Milliarden Dollar bezahlten.

          Eine „Goldader“ nannte der Manager den Deal, den er alsbald erneuern möchte. IOC-Mitglied Fasel, zugleich an der Spitze des Internationalen Eishockey-Verbands, nennt diese Sichtweise kurzsichtig. Zu Recht. Eine Olympiateilnahme besitzt Werbekraft und bietet die Chance zur positiven Außendarstellung. Crosby war als „Wunderkind“ bis zum Endspiel 2010 eingefleischten Fans selbstverständlich ein Begriff. Doch als er seinen entscheidenden Treffer im Finale von Vancouver gegen die Vereinigten Staaten erzielte, schauten Menschen auf dem ganzen Erdball zu. Seine Popularität erscheint heute grenzenlos.

          Der Zorn der ausgeschlossenen Profis ließ Bettman nun bekräftigen, er werde die Lage im Hinblick auf die Winterspiele in Peking rechtzeitig sondieren. Die auf allen Feldern wachstumsstarke Volksrepublik erscheint ihm eine Reise wert. Fasel sprach bereits sein „Herzlich willkommen!“ aus – an die Spieler. Sein vor Pyeongchang als Lockmittel wiederholt aufgestocktes Angebot an die NHL, fast alle Kosten für Sonderwünsche bei der Unterkunft und Versicherungsprämien zu übernehmen, gibt er für 2022 nicht mehr ab. Kurzfristig kann Bettman zwar behaupten, seine Rechnung sei in der persönlichen Fehde mit seinem Rivalen aufgegangen – doch eine Quittung wird er bekommen. Die Spieler und ihre Anhänger können dabei nur hoffen, dass nicht wieder sie es sind, die am Ende die Zeche zahlen.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

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