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Viktoria Rebensburg im Gespräch : „Ich habe immer noch die Freude von innen raus“

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Der lange Schatten und die Hoffnung: Viktoria Rebensburg Bild: AFP

2010 wurde Viktoria Rebensburg überraschend Olympiasiegerin. Im F.A.Z.-Interview spricht sie über ihren leidvollen Winter und ein Privileg.

          4 Min.

          Wie genau können Sie sich an den 25. Februar 2010 erinnern?

          Das Datum hätte ich gar nicht mehr genau gewusst, aber natürlich sind die Momente, die für mich prägend waren, noch präsent. Es waren zwei spannende Tage, ich kann mich erinnern, es war kein gutes Wetter, es war ziemlich warm, das Rennen ist am ersten Tag wegen Nebels abgebrochen worden. Es ist das einzige Mal, dass ich erlebt habe, dass ein Rennen an zwei Tagen gefahren wurde.

          Wie gut haben Sie geschlafen in dieser Nacht zwischen den beiden Durchgängen beim Olympia-Riesenslalom von Vancouver? Sie waren nach dem ersten Lauf Sechste.

          Ja, ich weiß sogar noch den Rückstand, es waren um die 35 Hundertstel. Als ich damals ins Ziel gefahren bin, war ich nicht ganz zufrieden mit meinem Lauf, aber im Nachhinein war es eine super Voraussetzung. Es ist ja nicht unbedingt leicht, als Führende ins Bett zu gehen und noch mal eine Nacht drüber zu schlafen. Auch als Sechstplazierte gingen mir verschiedene Gedanken durch den Kopf. Aber es war trotzdem eine entspannte Nacht.

          Sie gelten als nervenstarke Fahrerin. Ist das etwas, worauf es bei Olympia besonders ankommt?

          Natürlich ist der Druck von außen größer dadurch, dass so viel über Olympia geredet wird. Aber schließlich ist es ja auch nur ein Rennen, es gibt rote und blaue Tore und eine Ziellinie, und die Schnellste gewinnt, wie bei allen anderen Rennen auch. Das muss man sich immer wieder vor Augen führen.

          Sie gehen diesmal mit einer ganz anderen Ausgangsposition in die Olympischen Spiele als 2010. Welche Erwartungen haben Sie?

          Vor der Saison war für mich klar, wenn ich fit bin, möchte ich im Riesenslalom um eine Medaille mitfahren. Allerdings muss ich jetzt aufgrund meiner langen Krankheit sagen: Die Favoritinnen sind andere. Das ist eine neue Rolle für mich. Ich konnte fünf Wochen nicht wirklich Ski fahren, das ist eine lange Auszeit, in einer wichtigen Phase.

          Aller Anfang ist schwer: Rebensburg nach der Abfahrt in Sotschi
          Aller Anfang ist schwer: Rebensburg nach der Abfahrt in Sotschi : Bild: dpa

          Was ist passiert?

          Ich bin Anfang November krank geworden. Angefangen hatte es mit einer Bronchitis und einer Nebenhöhlenentzündung, dann ist es zur Lungenentzündung geworden. Es hat gedauert, bis ich wieder auf die Beine gekommen bin. Beim Riesenslalom in Lienz Ende Dezember war das deutlich zu sehen, da ist mir einfach die Kraft ausgegangen.

          Warum hat sich die Krankheit so lange hingezogen?

          Da waren die beiden langen Flüge zu den Rennen in Nordamerika, dann die extreme Höhe dort, beim Training in Copper Mountain war der Start auf 3700 Meter, die Abfahrt war 1:40 Minuten lang, das ist brutal. Als es zu den Rennen in Lake Louise ging, dachte ich dann, super, jetzt sind wir nicht mehr so hoch - und dann hatte es minus 35 Grad. Das war für die Lunge endgültig zu viel. Die Ärzte haben mir gesagt, dass es mit einem normalen viralen Infekt angefangen hat. Das Problem war, dass dann ein bakterieller Infekt dazukam.

          Wie sehr hat Ihnen die Zwangspause mental zu schaffen gemacht?

          Am Anfang war es nicht einfach, die Rennen abzusagen. Aber die Gesundheit geht vor, die steht über allem, auch über Olympischen Spielen. Für mich war wichtig, dass ich nicht den Kopf hängen lasse, sondern sage: Okay, es ist jetzt so, ich nehm’ das an und versuche, das Beste draus zu machen. Wer anfängt, sich Gedanken über den Trainingsvorsprung der anderen zu machen, hat schon verloren.

          Sie waren sehr früh sehr erfolgreich. Ist es da schwieriger, mit so einer Situation umzugehen?

          Ja, schon. Diese fünf Wochen waren der erste lange Ausfall für mich, ich war zum Glück noch nie verletzt. Es war die erste Auszeit, in der ich keine Rennen fahren konnte, deshalb war es nicht einfach, weil ich nicht wusste: Was passiert jetzt, wie geht’s weiter? Ich habe daraus viel gelernt - zum Beispiel, auf meinen Körper noch mehr zu achten als zuvor schon.

          Sie haben in Vancouver auch mit Ihrem draufgängerischen Fahrstil Aufsehen erregt. Wie viel hat sich in den vier Jahren seit Olympia-Gold skitechnisch bei Ihnen verändert?

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