https://www.faz.net/-g8b-7mnwi

Slalom der Damen : Der eine Fehler zu viel

  • -Aktualisiert am

Star der Slalompiste: Mikaela Shiffrin Bild: REUTERS

Aus Rang zwei nach dem ersten Lauf wird nur der undankbare Platz vier. Die Amerikanerin Mikaela Shiffrin bleibt auch unter Druck souverän und wird zur bislang jüngsten Siegerin im Slalom.

          3 Min.

          Am Ende, im Ziel, blieb Maria Höfl-Riesch nichts anderes übrig, als zu warten. Zu warten darauf, dass die Führende nach dem ersten Durchgang, die amerikanische Slalom-Weltmeisterin Mikaela Shiffrin den Hang herunter kam. Denn Maria Höfl-Riesch saß gewissermaßen auf dem Schleudersitz, als Drittplazierte war sie ins Ziel gekommen, und nun entschied sich, ob es für sie im letzten Olympia-Rennen ihrer Karriere, dem Slalom am Freitagabend im Alpinzentrum Rosa Khutor, noch einmal reichen würde für eine Medaille, ihre fünfte bei den Spielen. Doch eigentlich war ihr da schon klar, „dass es der undankbare Vierte wird“, wie sie später sagte. Weil Mikaela Shiffrin einen so großen Vorsprung aus dem ersten Durchgang mitbrachte, und weil sie trotz ihrer erst 18 Jahre eine so souveräne, so sichere Slalomfahrerin ist. Und so kam es auch: Mikaela Shiffrin wurde die jüngste Slalom-Olympiasiegerin überhaupt, vor den beiden Österreicherinnen Marlies Schild und Kathrin Zettel.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          „Es wäre natürlich ein Traum-Abschluss gewesen, hier noch mal eine Medaille zu gewinnen“, sagte Maria Höfl-Riesch, die nach dem ersten Lauf mit einer halben Sekunde Rückstand auf Mikaela Shiffrin aussichtsreich auf Rang zwei gelegen war. Aber: „Man muss auch in Niederlagen, und das ist ein vierter Platz bei Olympia, die Sportlichkeit und Fairness haben zu sagen: Die Anderen waren besser heute und haben es mehr verdient.“ Zumal Mikaela Shiffrin und Marlies Schild „über die Jahre die Besten gewesen sind im Slalom“, so Maria Höfl-Riesch. Als entscheidend erwies sich am Ende ein Fahrfehler im zweiten Lauf, der ihr direkt vor einem Flachstück widerfuhr, und durch den sie viel Geschwindigkeit verlor. Am Ende fehlten ihr 38 Hundertstelsekunden auf Kathrin Zettel.

          Die Körperhaltung im Ziel sagt schon fast alles: es hat diesmal nicht gereicht Bilderstrecke
          Die Körperhaltung im Ziel sagt schon fast alles: es hat diesmal nicht gereicht :

          Schade, sehr schade für sie, das war ihr direkt nach der Zieldurchfahrt anzumerken, als sie lange fast wie versteinert zurück nach oben blickte. Mit etwas Abstand sah das aber wieder anders aus: „Es ist kein Drama für mich, ich habe hier zwei Medaillen gewonnen, und meine olympische Karriere war mit vier Medaillen auch so sehr, sehr erfolgreich.“ Tatsächlich hat sich Maria Höfl-Riesch trotz des verpassten Abschluss-Traums in Krasnja Poljana im Lauf ihrer Karriere schon einige olympische Träume erfüllt - mit den zwei Goldmedaillen in der Kombination und im Slalom bei den Spielen 2010 in Vancouver, und mit den beiden Medaillen bei den Spielen in Sotschi, dem Gold in der Super-Kombination und dem Silber im Super-G.

          Am Dienstag hatte sie noch wegen einer schweren Erkältung auf den olympischen Riesenslalom verzichtet, am Mittwoch einen freien Tag eingelegt, und am Donnerstag folgte dann der einzige Trainingstag für die Entscheidung im Slalom tags darauf. Doch als Allrounderin im Weltcup ist es Maria Höfl-Riesch gewöhnt, sich schnell von einer Disziplin auf die andere umzustellen, auch mit „Mini-Vorbereitung“, wie sie sagte, um mit den Slalomspezialistinnen mitzuhalten. Und das gelang ihr auch am Freitag wieder.

          „Ein bisschen Losglück“, wie die Kombinations-Weltmeisterin sagte, bescherte ihr die Startnummer drei, doch schon zu diesem frühen Zeitpunkt spürte sie unterwegs, dass die Slalompiste „ganz schön nachgab. Man sinkt ein bisschen ein, von den Toren weg ist gleich eine relativ tiefe Spur“, sagte sie. Die hohen Temperaturen und der Regen in den Stunden zuvor hatten der Piste stark zugesetzt, die Rückstände der später startenden Fahrerinnen waren bald enorm, „da war die Nummer drei sicher von Vorteil“, sagte die 29 Jahre Partenkirchnerin.

          „Eigentlich ist Vierter nicht so schlecht“

          Im zweiten Durchgang erwies sich die Piste als deutlich besser, selbst für Maria Höfl-Riesch, die als Vorletzte der Top-Fahrerinnen startete. Am Ende blieb trotzdem nur Platz vier. „Eigentlich ist Vierter nicht so schlecht in Slalom, in dem mir zuletzt ein bisschen die Konstanz gefehlt hat“, sagte Maria Höfl-Riesch, „aber bei Olympia zählt es halt leider nichts“. Die zweitbeste deutsche Fahrerin, Barbara Wirth, landete auf Platz 14, Christina Geiger schied im ersten Durchgang nach mäßiger Fahrt kurz vor dem Ziel aus.

          Für Maria Höfl-Riesch geht es nun schon am Mittwoch weiter zu den Weltcup-Rennen in Crans-Montana, am Montag danach folgt der Flug nach Are (Schweden), direkt danach reist sie zum Weltcup-Finale nach Lenzerheide. In den nächsten Wochen warten schon die nächsten großen Ziele, den Sieg im Abfahrts-Weltcup, den Sieg im Gesamtweltcup - ehe dann die wichtigste Entscheidung ansteht: ob sie ihre Karriere fortsetzen wird. Die olympische Laufbahn endete nun mit einer starken Leistung, aber ohne weitere Medaille. Trotzdem war es ein Abschied mit Größe. Jetzt, sagte Maria Höfl-Riesch noch, gehe es im Weltcup „gleich Vollgas weiter“. Dann ging sie davon, in Richtung Ausgang des Zielgeländes der Olympia-Arena. Ende der Spiele. Games over.

          Ski alpin, Slalom, Damen

          Gold: Mikaela Shiffrin (USA)  1:44,54 Min. (52,62/51,92 Sek.)
          Silber: Marlies Schild (Österreich) 1:45,07 (53,96/51,11)
          Bronze: Kathrin Zettel (Österreich) 1:45,35 (54,00/51,35)
          4. Maria Höfl-Riesch (Partenkirchen) 1:45,73 (53,11/52,62); 5. Frida Hansdotter (Schweden) 1:45,90 (54,05/51,85); 6. Emelie Wikström (Schweden) 1:46,11 (54,55/51,56); 7. Nastasia Noens (Frankreich) 1:46,12 (53,81/52,31); 8. Tina Maze (Slowenien) 1:46,25 (53,29/52,96); 9. Marie-Michele Gagnon (Kanada) 1:47,37 (54,32/53,05); 10. Sarka Strachova (Tschechien) 1:47,39 (55,14/52,25); ...14. Barbara Wirth (Lenggries) 1:49,00 (56,31/52,69); Christina Geiger (Oberstdorf) ausgeschieden

          Weitere Themen

          Ein fatales Signal

          Deutsche Eishockey Liga : Ein fatales Signal

          Im deutschen Eishockey geht die Existenzangst um. Mit nur 20 Prozent der möglichen Zuschauer brauchen sie erst gar nicht anfangen, meinen viele Klubs: „So ist kein Überleben möglich.“

          Topmeldungen

          FBI-Direktor Wray am Donnerstag bei seiner Anhörung im Kapitol

          Wahlen in Amerika : FBI-Direktor stellt wieder starke Einmischung Russlands fest

          Sucht Russland auch 2020 die amerikanische Präsidentschaftswahl zu beeinflussen? Ja, sagt Christopher Wray. Die Aktionen richteten sich vor allem gegen Joe Biden. Für seine Einschätzung handelt sich der Chef der Bundespolizei eine öffentliche Rüge von Donald Trump ein.
          Mit Atemschutz-Maske hinter der Wärmebildkamera.

          Corona und die Zweifler : Der Tod ist nicht alles

          Wo ist die Evidenz, fragen Corona-Skeptiker: Die Verharmlosung der Katastrophe trifft längst nicht nur Wissenschaftler ins Mark. Hinter den Sterbeziffern türmt sich eine unvorstellbare Krankheitslast.
          Fulminantes Börsendebüt: Banner von Snowflake an der New Yorker Börse

          Cloud Computing : „Snowflake wird ein riesiges Unternehmen werden“

          Nach dem Börsengang hat Snowflake den Unternehmenswert verdoppelt. Das macht Mitgründer Benoit Dageville zum Milliardär. Mit der F.A.Z. spricht er über die Kursgewinne, den Berliner Standort und die Konkurrenz mit Amazon.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.