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Russisch-deutsches Duell : Boxkampf auf Eis

Sie setzen auf den Überraschungseffekt: Aljona Savchenko und Robin Szolkowy aus Chemnitz Bild: dpa

Rossija gegen Germanija - das ist mit der Beginn der Kurzkür am Dienstagnachmittag das Duell im Paarlauf. Jedes Mittel ist recht, auch wenn manch einer überzeugt ist, dass das Ergebnis schon ausgemacht sei.

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          Ein Eisberg steht im Betonfeld, auf dem die Olympiahallen von Sotschi gebaut wurden. Der Eisberg ist blau, hellblau, er leuchtet in der Nacht wie alle Olympiabauten am Schwarzen Meer. Seine Fassade ist aus blauen Glasrechtecken zusammengefügt, in unterschiedlichen Tönen. Wer die Seele der Spiele von Sotschi sucht, der muss in diesen Eispalast gehen, so wie die 12.000 Russen, die ihn an den Abenden der Eiskunstlaufentscheidungen besuchen. Im Eisberg sitzt die Seele der Spiele, weil die Russen ihre Seele mitbringen, ihre Liebe für den Eiskunstlauf. Und ihre Stimmen, ihre sehr lauten Stimmen. Diese Stimmen werden an diesem Dienstag (ab 16 Uhr/ live in der ARD und F.A.Z.-Liveticker) und am Mittwoch Tatjana Wolossoschar und Maxim Trankow anfeuern, das Paar aus Rossija, die Goldfavoriten, in einer ohrenbetäubenden Lautstärke. Und die Russen werden warten, mit ihrer Seele und ihren Stimmen, auf Aljona Savchenko und Robin Szolkowy, die großen Konkurrenten aus Chemnitz, Germanija.

          „Ich respektiere die Deutschen sehr, wirklich: sehr“, sagte der russische Trainer von Jewgenij Pluschenko, Alexej Mischin, am Sonntagabend. „Aber unser Paar - ich erwarte sehr viel von ihnen.“ Mischin zog mit dieser Aussage von dannen, zögerte kurz, drehte sich noch einmal um und versicherte sich, dass der Reporter aus Deutschland verstanden hatte. „Sehr viel erwarte ich“, sagte Mischin.

          Bereit für das Duell gegen ihre russischen Konkurrenten: Aljona Savchenko und Robin Szolkowy

          Hinter den Tüllkostümen und der Schminke, den Pailletten und dem Haarspray treten Athleten gegeneinander an, die es gewohnt sind, zu stürzen und weiter zu lächeln. Die athletische Höchstleistungen vollbringen, sich die Anstrengung, die das kostet, aber nicht anmerken lassen sollen. Vor allem aber fasziniert der Eiskunstlauf, wenn es zu Duellen wie im Paarlauf kommt. Da sind die kanadischen Paare, sicher, und die Chinesen Qing Pang und Jiang Tong, aber Gold und Silber gehen, bringen alle ihre Bestleistung, an Tatjana Wolossoschar/Maxim Trankow, Russland, und Aljona Savchenko/Robin Szolkowy, Germanija.

          Sie haben den Heimvorteil: Die Russen Tatjana Wolossoschar und Maxim Trankow

          Das Duell erinnert nur auf den ersten Blick an die große Show, an Theater. Tatsächlich spielt sich auf dem Eis ein Schachspiel ab - und ein Boxkampf. Das Schachspiel um den cleversten Zug, die beste Figur, hat längst begonnen, die Paare duellieren sich seit drei Jahren. Der Boxkampf beginnt an diesem Dienstagabend in Sotschi mit dem Kurzprogramm (16.00 MEZ/ live in ARD und F.A.Z.-Liveticker). Die Deutschen werden als 15. von 20 Paaren aufs Eis gehen, als 17. laufen die Russen (Startliste). Ein Nachteil für die Deutschen, weil die Russen wissen werden, welche Wertung sie übertreffen müssen? Nicht unbedingt. Beim Grand-Prix-Finale im japanischen Fukuoka Anfang Dezember war die Ausgangslage ähnlich. Die Deutschen legten vor, Wolossoschar/Trankow sahen nicht zu, aber hörten den Jubel und die hohe Wertung - und liefen anschließend ungewohnt fehlerhaft. Sieg für Savchenko/Szolkowy in Japan, Vorteil in Russland. Auch wenn das so niemand sagt: Was, wenn der Vorteil nicht genutzt wird? „Uns ist es egal“, sagte Trainer Ingo Steuer nach der Auslosung am Montag. Er hat einen weiteren, deutlich wichtigeren Zug gemacht in diesem Schachspiel der Paarläufer.

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