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Silber im Teamspringen : Deutscher Höhenflug findet Happy-End

  • -Aktualisiert am

Gemeinsam springt es sich am besten: die DSV-Adler nach ihrem Silber-Triumph beim Mannschaftswettbewerb. Bild: dpa

Für die DSV-Adler gehen mit Silber im Mannschaftswettbewerb vor Polen und hinter Norwegen „riesige Spiele“ zu Ende. Besonders überzeugt hat dabei ein Springer, der auf insgesamt drei Medaillen kommt.

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          Spannend ist es bis zum Schluss geblieben, und das bessere Ende hatten die Norweger für sich. Im abschließenden Durchgang auf der Schanze im Alpensia Resort sicherten sie sich das letzte Gold, das es für die Skispringer bei Olympia zu gewinnen gab. In dem erwarteten Dreikampf mit den beiden weiteren Top-Nationen der Saison räumte das deutsche Quartett noch einmal Silber ab: Karl Geiger, Stephan Leyhe, Richard Freitag und Andreas Wellinger hatten in der Gesamtwertung 22,8 Punkte Rückstand auf den ersten Platz.

          Aber auch 3,3 Punkte Vorsprung vor Polen, bei denen sich ausgerechnet Kamil Stoch, der Primus von der Großschanze und bei der Vierschanzentournee, eine unerwartete Schwäche gestattete und den sicher geglaubten zweiten Platz für seine Mannschaft verspielte. Genau wie Wellinger als letzter deutscher Starter erzielte er als letzter Springer aus dem polnischen Team 134,5 Meter. Für beide ein Rückschritt im Vergleich zum ersten Durchgang. Stoch hatte allerdings bessere Windverhältnisse und erhielt daher weniger Punkte. Für uns sind das riesige Spiele mit drei Medaillen“, bilanzierte Bundestrainer Werner Schuster. „Wir können stolz sein auf uns.“

          Die Deutschen hatten sich in Anbetracht der Ausgangslage für Mut zum Risiko entschieden. Durch die vorangegangenen Medaillen für Wellinger im Einzel sahen sie ihr Soll schon vor der Abschiedsvorstellung erfüllt. Und der Münchner zeigte sich aufs Neue in Feiertags-Verfassung. Mit 140 Metern im ersten Durchgang legte Wellinger im Vergleich mit Stoch (139,5) und Robert Johansson aus Norwegen (137,5) mit seinem ersten Sprung den Grundstein für diesen weiteren Erfolg, der die Ausbeute der Skisprungsparte im Deutschen Skiverband (DSV) auf viermal Edelmetall verbesserte; eine Steigerung um hundert Prozent gegenüber den Winterspielen in Sotschi.

          Der Moment der Entscheidung: Stephan Leyhe, Karl Geiger, Richard Freitag und Andreas Wellinger (von links) freuen sich über Silber.

          Schuster hatte auf die wechselhaften Ergebnisse der Athleten hinter seinem derzeit zuverlässigsten Mann Wellinger reagiert und das Team kurzfristig umgebaut. Markus Eisenbichler verlor seinen Startplatz an Stephan Leyhe. Der 26-Jährige vom Skiclub Willingen ließ sich unlängst aus sportlichen Gründen im Schwarzwald nieder, wo er am Stützpunkt Hinterzarten Anschluss an das deutsche Fördersystem fand. In Südkorea lieferte er wiederholt sehenswerte Trainingsleistungen ab, für die ihn Schuster belohnte: „Er hat sich das verdient“, sagte der Trainer über den ruhigsten Vertreter in seiner fünfköpfigen Auswahl. Leyhe absolvierte bis heute 85 Einzel-Starts im Weltcup. Seine beste Plazierung erreichte er dabei in Pyeongchang 2017, als er Fünfter wurde. Auch das beeinflusste Schuster in seinen Überlegungen. „Stephan ist ein wichtiger Baustein unseres Teams“, sagte der Chefcoach, der zuletzt angemerkt hatte, es mache ihm den Anschein, als ob „eine unsichtbare Hand“ Leyhe mitunter zurückhalten würde.

          Der Sportsoldat beschreibt sich selbst als introvertiert: „Ich habe gerne den Überblick über alles.“ Das Reden überließ er auch in Südkorea lieber Wellinger, dem als Frontfigur die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gehörte, während Leyhe abseits der Scheinwerfer an Material und Konstitution feilte und sich bereit hielt für seinen Einsatz. Er machte es gut, aber nicht so gut, dass es für das große Happy End gereicht hätte: Bei seinem Debüt landete Leyhe bei 128 und 129 Metern, woraufhin die Norweger jeweils durch Andreas Stjernen konterten (131 und 135,5) und sich absetzten.

          Jubel über die Goldmedaille: das Team aus Norwegen.

          Als erster Deutscher unter den 48 Teilnehmern war Karl Geiger an der Reihe. Der Oberstdorfer ist zwar schon 25 Jahre alt und stand lediglich einmal auf dem Weltcup-Podium. Er tastete sich jedoch in den vergangenen Monaten näher an die Elite heran und manifestierte auch mit seinem siebten Platz von der Großschanze seine ansprechende Verfassung. Geiger sei eine „stabile Größe“, so die Einschätzung Schusters, die der Berufung zugrunde lag. Seine Weitenkombination lautete: 136 und 134 Meter – das schaffte ein Polster auf Österreich, Slowenien und Japan. Geiger musste nur Skiflugweltmeister Daniel Andre Tande aus Norwegen an sich vorbeiziehen lassen. „Damit war der erste Schritt gemacht“, stellte er erleichtert fest.

          Auch Richard Freitag fehlte es nicht an Ambitionen. Es war in Pyeongchang schon seine sechste Karriere-Chance auf Olympia-Gold. Wobei er zuvor nie seine Möglichkeiten vollständig abrufen konnte. Tiefpunkt waren für ihn die Winterspiele in Sotschi. In Russland 2014 war der Sachse – wie nun Eisenbichler – wegen Formschwankungen kurzfristig aus dem Aufgebot gestrichen worden. In dieser Saison demonstrierte Freitag mehr Beständigkeit, die ihn auf den zweiten Platz im Weltcup führte.

          Er ging von der Position drei aus in die Veranstaltung. Und Freitag trug mit zweimal 134,5 Metern seinen Teil zum silbernen Resultat bei. Die Ergebnisse seien nicht alles, hatte er in Pyeongchang mehrmals betont: „Am glücklichsten fahre ich zurück, wenn ich sage, ich kann mich an jeden Tag erinnern. Man vergisst oft das ganze Drumherum.“ Bei den vorherigen Siegerehrungen hatte aus deutscher Sicht ausschließlich Wellinger im Mittelpunkt gestanden. In der Nacht zum Dienstag gebührte der Beifall des Publikums dem ganzen Team.

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