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Eishockey bei Olympia : Deutschland verliert dramatisches Finale

  • -Aktualisiert am

Torwart Danny aus den Birken kassiert das entscheidende Tor. Bild: Reuters

Was für ein Endspiel bei Olympia in Pyeongchang! Deutschland und die russische Auswahl liefern sich ein extrem spannendes Duell mit unglaublichen Wendungen – und dem besseren Ende für die Russen.

          Zur ganz großen Sensation hat es für die deutsche Nationalmannschaft beim Olympischen Eishockey-Turnier in Pyeongchang dann doch nicht mehr gereicht. Zum Abschluss einer außergewöhnlich erfolgreichen Woche mit vier Siegen binnen fünf Tagen unterlag das Team von Bundestrainer Marco Sturm den Olympischen Athleten aus Russland im Endspiel denkbar knapp mit 3:4 nach Verlängerung (0:1, 1:0, 2:2, 0:1). Der Gewinn der Silbermedaille ist dennoch mit Abstand der größte deutsche Erfolg in der schnellsten aller Mannschaftssportarten und stellt den legendären Bronze-Gewinn von 1976 in den Schatten. „Wenn wir mal auf das gesamte Turnier zurückblicken, dann können wir unglaublich stolz sein, was wir hier mit der Mannschaft erreicht haben“, sagte Verteidiger Christian Ehrhoff, dem am Abend der deutsche Fahnenträger bei der Schlussfeier sein wird.

          Das Endspiel bedurfte einer gewissen Anlaufzeit, aber dann wurde es dramatisch. Das russische Führungstor vor 10.000 Zuschauern in der gut gefüllten Gangneung Hockey Arena erzielte Wjatscheslaw Wojnow (20.) erst unmittelbar vor Ende des ersten Drittels. Nach einer halben Stunde glich Felix Schütz aus. In den letzten Minuten des Schussdrittels überschlugen sich die Ereignisse. Erst trafen binnen Sekunden Nikita Gussew hüben zum 1:2 und Dominik Kahun (beide 54.) drüben zum 2:2. Müller (57.) brachte Deutschland sogar mit 3:2 in Führung, doch abermals Gussew (60.) glich noch einmal aus – und das in Unterzahl. Die Verlängerung musste entscheiden! Und hier entschied schließlich Kirill Kaprisow (70.) das Spiel und das Turnier. „Wir waren so knapp davor, Gold zu gewinnen, deswegen war es natürlich im ersten Augenblick extrem schmerzhaft, das mitzuerleben“, sagte Yannic Seidenberg: „Aber als die Medaillen rauskamen, war ich einfach nur unglaublich stolz, dabei gewesen zu sein und sie in der Hand zu haben.“

          Der Anzeigewürfel hatte während des großen Eishockey-Finales eine Buchstabenkombinationen aufgewiesen, die es so noch nie in einem wichtigen Spiel zu lesen gab. OAR stand da. Und GER. Das eine ein Synonym für das russische Team, das andere das Symbol für eine faustdicke Sensation. Die Abkürzung für „Olympische Athleten aus Russland“, eine Strafmaßnahme wegen des staatlich orchestrierten Dopingsystems bei den Winterspielen von Sotschi 2014, dürfte nach diesen Winterspielen wieder Geschichte sein. Und ob es „Team Germany“ noch einmal ins Finale eines großen Eishockey-Turniers schaffen würde, bleibt doch trotz der höchst erfreulichen Episode von Pyeongchang auch mehr als unwahrscheinlich. 2014 in Sotschi waren die Deutschen noch nicht mal für Olympia qualifiziert. Diesmal spielte ihnen das Fehlen der NHL-Stars in den Kadern der sonst dominierenden Eishockey-Nationen in die Karten.

          Zur frühen Mittagszeit des Schlusstags in Pyeongchang waren die Rollen bei der finalen Auseinandersetzung dennoch verteilt. Die deutsche Mannschaft hatte nichts zu verlieren, war sie doch dank ihrer Sensationssiege gegen die Weltklasseteams aus Schweden (4:3 nach Verlängerung) und Kanada (4:3) schon mehrfach über sich hinausgewachsen. Selbst der Erfolg über die Schweiz (2:1 n.V.) in der Viertelfinal-Qualifikation war keine Selbstverständlichkeit. Die siegesgewissen Athleten aus Russland waren zwar mit einer überraschenden 2:3-Niederlage gegen die Slowakei in die Vorrunde gestartet, hatten danach aber souveräne Spiele gegen Slowenien (8:2), die Vereinigten Staaten (4:0), Norwegen (6:1) und Tschechien (3:0) aneinandergereiht.

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