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Matthias Plachta und Yannic Seidenberg sind nach dem Sieg über Kanada völlig aus dem Häuschen. Bild: Reuters

Deutschland im Olympia-Finale : „Ihr seid ja völlig wahnsinnig“

  • Aktualisiert am

Die deutschen Spieler stellen bei Olympia die Eishockey-Welt auf den Kopf. Nach dem sensationellen 4.3-Sieg über Kanada stehen sie im Finale. FAZ.NET hat die besten Reaktionen gesammelt.

          Der Final-Einzug der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft beim Olympia-Turnier sorgt für eine um einen Tag verlängerte Öffnungszeit im Deutschen Haus in Pyeongchang. „Das sind wir der Mannschaft in jeder Hinsicht schuldig“, sagte DOSB-Chef Alfons Hörmann am Freitag der Deutschen Presse-Agentur nach dem 4:3-Sieg über Titelverteidiger Kanada. „Wer sich so einsetzt, wer solch grandiose Sportgeschichte schreibt, der hat das gute Recht am letzten Tag hier in der guten Stube von Sport Deutschland so empfangen zu werden, wie er es über das Turnier hinweg verdient hat“, sagte Hörmann. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) verlängerte kurzerhand die Öffnungszeiten. „Deshalb gibt es eine präsidiale Verfügung: Das Haus wird für die Eishockeyspieler und andere geöffnet.“

          Normalerweise hätte der zentrale Treffpunkt für die Athleten am Samstag die Türen geschlossen. Das Eishockey-Finale zwischen Deutschland und den Olympischen Athleten aus Russland findet am Sonntag statt, am Tag der Schlussfeier in Pyeongchang. Das Deutsche Haus ist für die Olympiamannschaft der zentrale Treffpunkt der Winterspielen und ist im Birch Hill Golf Club beheimatet.

          Hörmann hatte die Eishockey-Spieler schon zuvor in höchsten Tönen gewürdigt. „Das ist ein historischer Erfolg, der in den Geschichtsbüchern von Sportdeutschland an keiner Stelle fehlen wird“, sagte er am Freitag in Pyeongchang. „Der Erfolg ist schon eine gefühlte Goldmedaille. Das ist Wahnsinn, ich bin sprachlos.“ Hörmann hatte das Halbfinale gegen den klaren Favoriten Kanada auf der Tribüne verfolgt. „Es war einfach Anspannung pur. Am Ende sind dann alle Dämme gebrochen. Es haben wahrscheinlich noch nie so viele weinende Männer auf engstem Raum gestanden, zumindest habe ich es in der Form noch nicht erlebt.“

          Die deutschen NHL-Profis gratulierten ihren Kollegen umgehend. „Ihr seid ja völlig wahnsinnig“, kommentierte Tom Kühnhackl bei Twitter. Auch Leon Draisaitl zeigte sich ungläubig: „Are you kidding me?! Playing for gold“ (Wollt ihr mich veräppeln? Wir spielen um Gold), schrieb der 22-Jährige und ergänzte drei Emojis mit Herzen in den Augen. Einen „Glückwunsch“ gab es von Thomas Greiss via Instagram. Weil die nordamerikanische Liga NHL für die Winterspiele nicht pausiert, fehlen zahlreiche Profis in Pyeongchang.

          Auch zahlreiche andere Prominente zeigten sich begeistert. „Wir sind alle total fasziniert von der Eishockey Mannschaft und haben mitgefiebert!!! Jetzt im Finale gegen OAR (Russland)“, schrieb Tennis-Legende Boris Becker bei Twitter und ergänzte: „Wahnsinn, wer hätte das vor dem Turnier gedacht...auf geht's Männer!!“ Der frühere Handball-Star Stefan Kretzschmar bezeichnete den Erfolg als „The real miracle on ice“ – das wahre Wunder auf dem Eis.

          Fußball-Weltmeister Lukas Podolski kommentierte: „Wahnsinn“. DFB-Teammanager Oliver Bierhoff wandte sich in einer Videobotschaft an die deutsche Eishockey-Auswahl: „Wow! Das ist der Wahnsinn, was ihr da geschafft habt, was ihr da leistet“, sagte Bierhoff. „Jetzt müsst ihr natürlich auch noch den letzten Schritt gehen. Wir drücken euch ganz, ganz fest die Daumen.“

          Auch Politiker reagierten auf den Erfolg. „Im Flieger das letzte Drittel durchgefiebert. Nach der Landung Flugmodus aus und - YES!! Herzlichen Glückwunsch!!!“, schrieb Familienministerin Katarina Barley (SPD). Vom Auswärtigen Amt hieß es: „Aktueller Hinweis für Südkorea: Sensation im Eishockey. Reisenden wird dringend empfohlen, sich mit TeamDeutschland zu freuen! Empfehlung für Reisende in Kanada: Thema Eishockey vermeiden.“

          Nach dem Halbfinal-Coup traut 1976-Medaillengewinner Alois Schloder dem Team sogar noch mehr zu. „Es ist alles möglich“, sagte der ehemalige Kapitän der DEB-Auswahl der Deutschen Presse-Agentur. Das 4:3 im spannenden Halbfinale gegen Kanada sei „gewaltig gewesen“, sagte Schloder. „Neue Helden braucht das Land. Die Mannschaft hat an den Erfolg geglaubt.“ 42 Jahre nach Sensations-Bronze von Innsbruck freut sich der 70 Jahre alte Schloder mit der neuen Generation. „Es ist Zeit geworden, wir hatten unsere Zeit. Das ist großartig. Hoffentlich kann man den Schwung mitnehmen für die Liga und das ganze deutsche Eishockey“, sagte Schloder.

          Großen Anteil am Erfolg hat Bundestrainer Marco Sturm. „Nach dem Bronzeschmied Xaver Unsinn haben wir jetzt zumindest einen Silberschmied aus Landshut“, sagte der gebürtige Landshuter Schloder. Der Eishockey-Routinier bangte in der Schlussphase mit der deutschen Auswahl. „Ich glaube der Blutdruck war etwas erhöht. Es war gigantisch. Aber man weiß ja, was alles passieren kann“, schilderte Schloder seine Gefühlslage.

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