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Nordische Kombination : Björn „Silbereisen“ wachsen Flügel

  • -Aktualisiert am

Von fünf auf vier: Björn Kircheisen Bild: dpa

Er war der fünfte Mann in einem Team mit vier Plätzen. Doch dann setzte sich Björn Kircheisen in einer internen Ausscheidung durch. Und schielt an diesem Dienstag (10.30 Uhr) in der Nordischen Kombination sogar auf eine Medaille.

          Zum fünften Rad am Wagen taugt Björn Kircheisen nun wirklich nicht. Dazu lodert selbst nach 13 Wettkampfjahren und im fortgeschrittenen Kombinierer-Alter von 30 Jahren das Feuer noch zu stark. Trotzdem war er genau das, als er mit der Mannschaft von Cheftrainer Hermann Weinbuch in den Westkaukasus gereist ist: der fünfte Mann in einem Team, in dem nur vier Plätze zur Verfügung stehen.

          Es gibt Ersatzleute, die pflegeleicht sind, die sich ruhig in ihre Rolle fügen. Aber Weinbuch kennt den Mann aus dem Erzgebirge ja lange genug, um zu wissen, worauf er sich da eingelassen hat. Und Kircheisen, seit 2002 stets bei Olympischen Spielen dabei, hat ja schon beim letzten Weltcup in Oberstdorf gesagt: „Fix ist noch nix.“ Obwohl das Team für den ersten olympischen Einsatz schon stand. Und der ist ja für das deutsche Team nicht nur wegen der Goldmedaille von Eric Frenzel sehr erfolgreich verlaufen: Johannes Rydzek Sechster, die Kollegen Fabian Rießle und Tino Edelmann auf den Rängen acht und neun, auch deswegen, weil sie mannschaftstaktisch für Frenzel gearbeitet hatten. Es gibt eigentlich wenig Gründe, so ein Team zu verändern.

          Eric Frenzel hat ein grippaler Infekt erwischt.

          Aber natürlich weiß Weinbuch, dass Kircheisen, wegen seiner zahlreichen Silbermedaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen mit dem Spitznamen „Silbereisen“ versehen, ein ungemein laufstarker Athlet ist. Der sich auspowern kann bis kurz vor der Ohnmacht, der nie aufgibt. Dieses Pfund konnte der Mann aus Johanngeorgenstadt aber kaum einmal ausspielen, weil er leider auch eine große Schwäche hat: Wenn er beim Springen Rückenwind bekommt, schmiert er regelrecht ab. So einen Rückstand kann keiner herauslaufen.

          Kircheisen setzte sich in einer internen Ausscheidung durch

          Aber im RusSki Gorki Center scheinen Kircheisen Flügel zu wachsen. Auf der großen Schanze kommt er bestens zurecht. So gut, dass er sich in einer internen Ausscheidung gegen Tino Edelmann durchsetzte. Von fünf auf vier also – Start an diesem Dienstag (10.30/live im ZDF und F.A.Z.-Liveticker) – ein echter Kircheisen. „Meine Situation war in den vergangenen Wochen sehr schwierig. Ich habe nichts mehr zu verlieren gehabt und meine Chance genutzt“, sagte er und schielte sogar schon nach Olympiamedaille Nummer vier in seiner Sammlung. „ Ich könnte nun sogar um die Medaillen mitkämpfen.“ Einstweilen muss er sich damit begnügen, seinen Trainer leicht verblüfft zu haben: „Ich muss schon sagen, dass ich überrascht war.“ Von einer Sprungleistung, „wie man sie von ihm in diesem Winter noch nicht gesehen hat“. Sogar eine Tagesbestweite war dabei.

          „Ich hatte keine einfache Saison“, sagt Kircheisen, der lange der Olympia-Qualifikation hinterhergelaufen ist. Die Lockerheit war dahin, die Verbesserungen gingen nur in kleinen Schritten voran und manchmal auch wieder einen zurück. „Ich bin ja auch keine Maschine“, sagt Kircheisen. Erst in der Kälte des neuen russischen Nordic Centers Tschaikowski wurde er bei minus 22 Grad binnen 24 Stunden zweimal Zweiter – in Abwesenheit eines Großteils der Weltelite. Aber danach fragt später keiner mehr. Kircheisen war erleichtert. Der Druck war endlich weg. „Ich bin einer, der Sicherheit braucht.“

          Bangen um Eric Frenzel

          Die hat er jetzt. Und für Tino Edelmann, der auch erst zuletzt sein in Schieflage geratenes Flugsystem wieder ins Lot gebracht hat, tut sich womöglich noch ein Hintertürchen auf – auch wenn das nun ganz und gar nicht in Weinbuchs Sinne wäre. Der bangt nämlich um „die coole Sau“, wie er seinen Olympiasieger Frenzel gerne nennt. Den 25 Jahre alten Sachsen hat ein grippaler Infekt erwischt. Viel Schlaf und Spaziergänge statt Training. „Die Chancen auf einen Einsatz stehen höchstens 50:50“, sagte Mannschaftsarzt Stefan Pecher am Montag. Das klingt nicht besonders optimistisch. Und bei Kircheisen schon ein wenig nach Bedauern: „Der beste Kombinierer der Welt hätte es verdient, auch auf der Großschanze Gold zu gewinnen.“ Aber vielleicht nutzt ja auch der fünfte Mann seine Chance.

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