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Biathlon bei Olympia : Die goldenen Nerven der Laura Dahlmeier

Erstes Rennen, erstes Gold: Laura Dahlmeier hat Grund zur Freude. Bild: AFP

In Pyeongchang zeigt sie die hohe Kunst der Meisterschützin: Am Schießstand erfüllt sich Laura Dahlmeier den Traum vom Olympiasieg. Und am Montag gibt es schon die nächste Chance auf Gold.

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          Sie hat diesen Moment schon oft geübt. Damals daheim im stillen Kämmerlein, als Laura Dahlmeier noch ein kleines Kind war. Wie alt sie genau war, daran erinnert sie sich nicht mehr, aber eines weiß sie noch ganz genau: „Da habe ich auf meinen Stockbett gestanden, die Hände hochgereckt und gejubelt. Den Traum, wie es ist, eine Olympiamedaille zu bekommen, habe ich damals schon durchgespielt.“ Seit Samstag muss sie nicht mehr träumen. Da hat die 24 Jahre alte Biathletin aus Garmisch-Partenkirchen ihren Traum gleich bei erster Gelegenheit in die Realität umgesetzt: Olympiasiegerin im Sprint, die erste olympische Medaille ihrer Karriere und die erste für das deutsche Team bei den Spielen in Pyeongchang.

          Sie genoss diesen Moment, eingerahmt von den Konkurrentinnen Marte Olsbu aus Norwegen, die Silber gewonnen hatte, und der Dritten, der Tschechin Veronika Vitkova. Wenn man zuletzt aufgerufen wird, dann ganz oben steht und die ganze Sportwelt auf einen schaut, selbst wenn die Resonanz vor Ort nicht sonderlich groß ist. Und so ein Strahlen hat man bei Laura Dahlmeier selten gesehen – auch nicht nach ihren fünf WM-Titeln vor einem Jahr in Hochfilzen. Ein Strahlen, irgendwo zwischen Ungläubigkeit, unbändiger Freude und Erlösung. „Das war für mich heute ein unheimlich wichtiges Rennen. Auf diesen Tag habe ich sehr lange hingefiebert und hingearbeitet.  Dass das gleich beim ersten Rennen in Erfüllung geht, das ist unbeschreiblich und macht das besondere Gefühl aus“, sagte sie, und natürlich war auch ein großes Stück Erleichterung dabei.

          Weil doch die Saison, auch wegen einer Erkältung, bislang nicht ihren hohen Ansprüchen genügt hatte und man lange nicht sicher sein konnte, ob sie noch die Kurve bekommen würde: „Ich bin schon froh, dass Olympia erst im Februar ist, da hatte ich noch genügend Zeit zu trainieren.“ Bundestrainer Gerald Hönig, der immer daran geglaubt hat, dass es seine Spitzenfrau noch schafft, verdrückte erst einmal ein Tränchen, als am Gold nicht mehr zu kratzen war. „Laura hat sich den Sieg schwer erarbeitet. Gerade liegend war sie sehr fokussiert, sehr aufmerksam und hat sich getraut, konsequent auf die Windverhältnisse zu reagieren.“

          Es war ein Meisterstück, was sie da im gleißenden Flutlicht der kalten Winternacht mit dem Kleinkalibergewehr anstellte. Laura Dahlmeier war die Einzige aus der Weltspitze, die sich von dem steifen, böigen Wind, der bisweilen Schneefahnen vor sich hertrieb, am Schießstand nicht beeindrucken ließ. Sie kannte jederzeit die richtige Antwort, egal wie heftig und in welche Richtung die Windfähnchen auch flatterten. Im Liegendanschlag korrigierte sie sich leicht nach dem ersten Schuss und zog die Serie dennoch sauber und zügig durch. Aber was sie dann stehend demonstrierte, war die hohe Schule der abgezockten Meisterschützin. Es fing damit an, dass sie die Schießbahn 3o wählte, weil die noch am wenigsten dem sibirischen Wind ausgesetzt war.

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