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Eisschnellläufer vor Olympia : Felix Rijhnen ist endlich ein Eismann

  • -Aktualisiert am

Herr der Elemente auf dem Eis: Felix Rijhnen Bild: Reuters

Als Speedskater gehört Felix Rijhnen schon seit Jahren zu den Besten der Welt. Nun qualifiziert er sich im Eisschnelllauf für Olympia – und betritt Neuland. Derzeit bereitet er sich auf Peking vor.

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          Felix Rijhnen wird dieser Tage besonders bewusst, wie unterschiedlich hierzulande olympischer und nichtolympischer Sport wahrgenommen werden. Seine persönliche Sternstunde auf einem Eisoval im fernen Calgary hat den 31-Jährigen wie auf einen Schlag bekannt gemacht. Der Darmstädter hat sich überraschend für die Olympischen Winterspiele in Peking qualifiziert, wurde als einer der ersten deutschen Athleten nominiert und geht im Februar im Eisschnelllauf über 5000 Meter und im Massenstartwettbewerb an den Start.

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          Seitdem ist Rijhnen kein Topathlet in seiner Nische mehr, der sich voll auf seinen Sport, das Speed­skaten, und seinen Nebenerwerb, die Sportfördergruppe der hessischen Polizei, konzentrieren kann. Hier ein Gespräch mit politischen Würdenträgern, dort ein Medientermin – Rijh­nen betritt Neuland. Auf Rollen auf Asphalt gehört der Südhesse längst zu den Besten der Welt, war Welt- und Europameister, gewann als erster Deutscher 2019 den Berlin-Marathon, das größte Speedskating-Rennen überhaupt.

          „Das ist sportlich natürlich höher einzuschätzen als jetzt die Olympiaqualifikation“, sagt Rijh­nen. Aber: Die Größe der Bühne macht den Unterschied. Und Rijh­nens Quereinsteigergeschichte zieht. Im Jahr 2015 war er als Läufer auf Asphalt und Eis schon gut dabei, tauschte Kufen und Rollen unter seinen Füßen saisonal erfolgreich aus. Doch Engstirnigkeit und alte Beharrungskräfte in der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) bremsten ihn konsequent aus.

          Der Verband verlangte vollen Fokus auf die Eisarbeit und stellte, als Rijhnen vom Speedskaten nicht ablassen wollte, die Förderung quasi komplett ein. Wohlgemerkt ein Verband, dessen Athleten seit Jahren kaum mehr international werthaltige Resultate liefern.

          Böse und gute Überraschungen

          Im Januar 2021 setzte sich Rijhnen in sein Auto und fuhr von Darmstadt zum Eisschnelllaufstützpunkt Berlin. Dort war mit dem Franzosen Alex Contin ein Coach tätig, der zu aktiven Zeiten selbst Weltklasse auf Skates und Schlittschuhen zugleich war. Man versprach sich in die Hand, einen Pfad nach Peking zu suchen. Rijhnen stürzte sich in die Arbeit on ice, machte große Fortschritte – vor allem technisch hat er nach jahrelanger Eisabwesenheit Nachholbedarf – und versuchte auszublenden, was wohl aus ihm hätte werden können, wenn ihm in den sechs Jahren zuvor adäquates Eistraining geboten worden wäre.

          Die größten Chancen für eine Qualifikation bot der Massenstartwettbewerb. Dieses Format mit seinen „verschiedenen Ebenen und Dynamiken“, wie Rijhnen sagt, wird ähnlich auch im Speedskating gefahren. „Im Massenstart ist viel mehr möglich. Dort gewinnt nicht unbedingt der Stärkste, sondern der taktisch Cleverste.“ So war es beim famosen Weltcup-Rennen in Calgary, als er als Ausreißer dem Feld entwischte und Rang drei erreichte – den ersten Podiumsplatz eines deutschen Athleten seit Jahren.

          Im Massenstart sind Überraschungen möglich, allerdings auch böse, wie er unlängst bei den Europameisterschaften in Heerenveen erlebte. Zwei Runden vor Schluss beförderte ihn ein Schubser eines russischen Gegners aus der Kurve und praktisch aus dem Rennen. Dennoch liegt im Training der Fokus auf dem Massenstart. „Ein Top-10-Ergebnis bei Olympia wäre natürlich großartig“, sagt er.

          Über 5000 Meter gelang Rijhnen in Calgary in 6:12:01 Minuten zwar die drittschnellste deutsche Zeit. Seine Bestzeit liegt aber immer noch einige Sekunden von den Weltbesten entfernt. Seit Donnerstag trainiert Rijh­nen in Inzell. Zwischen Weihnachten und Neujahr übte er in Erfurt. „Dort“, erzählt Rijhnen, „lief alles so großartig. Ich fühlte mich völlig vertraut mit dem Medium Eis und habe mich erstmals wie ein richtiger Eisschnellläufer gefühlt.“

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