https://www.faz.net/-g8b-96vdm

Eric Frenzel weiß, wie man die deutsche Fahne trägt – auch bei der Olympia-Eröffnung darf er es. Bild: Picture-Alliance

Eröffnung der Winterspiele : Frenzel trägt bei Olympia die deutsche Fahne

  • Aktualisiert am

Am Freitag wird die deutsche Fahne von Eric Frenzel getragen. Der Nordische Kombinierer setzt sich bei der Auswahl unter anderem gegen Claudia Pechstein durch. Zunächst aber muss er am Münchner Flughafen eine ungeplante Pause einlegen.

          3 Min.

          Wenn das keinen Aufschwung gibt: Noch bevor der Nordische Kombinierer Eric Frenzel bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang von der Schanze abhebt, wird er mächtig in die Höhe gehoben. Nach Informationen der F.A.Z. ist der Sachse von der Öffentlichkeit und den deutschen Athleten zum Fahnenträger der deutschen Mannschaft während der Eröffnungsfeier am Freitag in Pyeongchang gewählt worden. Das meldeten auch die Deutsche Presse-Agentur und die „Bild“-Zeitung, über die ein Teil des am Sonntag abgeschlossenen Auswahlverfahrens lief.

          Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wollte das Ergebnis nicht bestätigten und verwies auf eine Pressekonferenz an diesem Donnerstag. Frenzel war am Mittwoch nicht zu erreichen. Zudem musste er auf seinen Abflug nach Südkorea mehr als fünf Stunden warten. Der Start des Fluges LH 718 von München nach Seoul wurde am Mittwochabend verschoben. Darüber berichteten unter anderem die „Bild“-Zeitung und ein ARD-Reporter via Twitter aus dem Flugzeug. Der Flieger hatte um 16.10 Uhr starten sollen, verließ dann aber erst gegen 21.30 Uhr die bayerische Landeshauptstadt. Das Lufthansa-Flugzeug habe wegen eines technisches Defekts seine Reise nicht antreten können, bestätigte ein Unternehmenssprecher. „Lufthansa hat sich dazu entschlossen das Fluggerät in München auszutauschen“, sagte er.

          In der Regel wird der Auserwählte für diese begehrte Aufgabe des Fahnenträgers am Abend vor der Bekanntgabe über seine Nominierung informiert. Die Nachricht zieht schnell Kreise. Immer wieder ist es zu Indiskretionen gekommen. Demnach hat sich Frenzel gegen die vier anderen Kandidaten, alle fünf wurden vom DOSB bestimmt, durchgesetzt: gegen die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, die Skirennläuferin Viktoria Rebensburg, die Rennrodlerin Natalie Geisenberger und gegen Eishockey-Nationalspieler Christian Ehrhoff. Bei den Olympischen Sommerspielen in Rio war der Tischtennis-Profi Timo Boll zum Fahnenträger gewählt worden.

          Die Wahl Frenzels bewahrt den DOSB vermutlich vor einer Diskussion über die Besetzung dieser ehrenwerten Aufgabe. Neben Frenzel hatte sich Claudia Pechstein begründete Hoffnung auf die Rolle an der Spitze der deutschen Delegation gemacht. Sie war vom Internationalen Eisschnelllauf-Verband in einem zweifelhaften Indizien-Prozess wegen Blut-Dopings 2009 gesperrt worden, wurde aber nach einem jahrelangen Kampf von DOSB-Präsident Alfons Hörmann rehabilitiert. Als Ursache für ihre auffälligen, die Sperre auslösenden Blutwerte wird eine belegte, vererbte Blut-Anomalie angeführt. Pechstein, bald 46 Jahre alt, attackierte im Verlauf ihres Kampfes alle Institutionen des Sports.

          Frenzel scheint unter den Spitzensportlern sehr beliebt zu sein. Der fünfmalige Weltmeister und fünfmalige Sieger des Gesamtweltcups war von den deutschen Top-Athleten 2014 zum „Champion des Jahres“ gewählt worden, wenige Monate nach seinem Olympiasieg bei den Winterspielen in Sotschi. Die Athleten des Deutschen Skiverbandes hatten ihn 2016 zum Sportler des Jahres gekürt, noch vor Laura Dahlmeier, damals immerhin schon zweimalige Weltmeisterin im Biathlon. Der 29 Jahre alte Frenzel wäre der erste Kombinierer als Fahnenträger seit Georg Thoma vor 54 Jahren in Innsbruck 1964 eine gesamtdeutsche Mannschaft angeführt hatte. In Lake Placid 1980 trug Urban Hettich die bundesdeutsche Fahne.

          Am Mittwoch kamen nur spärliche Reaktionen aus dem deutschen Team: „Frenzel, eine gute Wahl“, stand in einer Mail an diese Zeitung, ergänzt um ein zwinkerndes Emoji samt Nachsatz: „Hoffentlich weht ihn der Wind samt Fahne nicht weg.“ Frenzel wiegt, bei 1,76 Metern Länge, angeblich 57 Kilogramm. Von dem Wind, der so einen Fahnenträger erfasst, getragen zu werden, könnte ihm gefallen. Erst symbolisch und dann auch sehr real: Nach sieben Weltcup-Siegen in der vergangenen Saison gelang ihm in dieser nur einer, wenn auch der 42., Mitte Dezember in der Ramsau. Selbst beim „Seefeld-Triple“ Ende Januar, auf seinem Terrain angesichts von vier Siegen, trat Frenzel nachdenklich, grüblerisch, pessimistisch auf.

          „Eric hat hohe Ziele, und von denen ist er momentan ein Stück weit weg“, sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch nach dem Wettbewerb. Aber Frenzel spürte etwas Auftrieb. Er zeigte solide, stabile Sprünge. Es sah so aus, als könnte er rechtzeitig vor Olympia die Kurve kriegen und sich mit einem neuen Anlauf wieder in die Höhe schwingen. An der Unterstützung wird es nicht scheitern. Schon die Nominierung zum Fahnenträgerkandidaten hatte Frenzel beflügelt: „Das ist schon eine gewisse Anerkennung für unsere Sportart und für meine Person.“

          Deutsche Fahnenträger bei Olympischen Winterspielen seit 1928

          1928 St. Moritz: Karl Neuner (Partenkirchen/Nordische Kombination)
          1932 Lake Placid: Martin Schröttle (Riessersee/Eishockey)
          1936 Garmisch-Partenkirchen: Georg von Kaufmann (Bayrischzell/Langlauf)
          1952 Oslo: Helmut Böck (Nesselwang/Langlauf)
          1956 Cortina d'Ampezzo: Anderl Ostler (Riessersee/Bob)
          1960 Squaw Valley: Helmut Recknagel (Zella- Mehlis/Skispringen)
          1964 Innsbruck: Georg Thoma (Hinterzarten/Nordische Kombination)
          1968 Grenoble: BRD Hans Plenk (Berchtesgaden/Rodeln) DDR Thomas Köhler (Oberwiesenthal/Rodeln)
          1972 Sapporo: BRD Walter Demel (Zwiesel/Langlauf) DDR Klaus Bonsack (Oberwiesenthal/Rodeln)
          1976 Innsbruck: BRD Wolfgang Zimmerer (Ohlstadt/Bob) DDR Meinhard Nehmer (Oberhof/Bob)
          1980 Lake Placid: BRD Urban Hettich (Schonach/N. Kombination) DDR Jan Hoffmann (Karl-Marx-Stadt/Eiskunst.)
          1984 Sarajevo: BRD Monika Holzner (Inzell/Eisschnelllauf) DDR Frank Ullrich (Oberhof/Biathlon)
          1988 Calgary: BRD Peter Angerer (Hammer/Biathlon) DDR Frank-Peter Roetsch (Zinnwald/Biathlon)
          1992 Albertville: Wolfgang Hoppe (Oberhof/Bob)
          1994 Lillehammer: Mark Kirchner (Scheibe-Alsbach/Biathlon)
          1998 Nagano: Jochen Behle (Willingen/Langlauf)
          2002 Salt Lake City: Hilde Gerg (Lenggries/alpiner Skisport)
          2006 Turin: Kati Wilhelm (Zella-Mehlis/Biathlon)
          2010 Vancouver: André Lange (Oberhof/Bob)
          2014 Sotschi: Maria Höfl-Riesch (Partenkirchen/Ski alpin)

          Weitere Themen

          Klopp kann nur noch staunen

          Champions League : Klopp kann nur noch staunen

          Beim deutlichen Sieg des FC Liverpool trifft ein Profi der „Reds“ gleich doppelt – das zweite Tor ist dabei besonders spektakulär. Barcelona wendet derweil eine Blamage ab, Salzburg verliert knapp.

          Enttäuschende Vorstellung des BVB

          Pleite in Champions League : Enttäuschende Vorstellung des BVB

          Beim 0:2 gegen Inter Mailand bleiben die Dortmunder vieles schuldig: Es fehlt weiter an Tempo und Überraschungsmomenten. Besonders eine Situation dürfte die Borussia deshalb besonders ärgern.

          Topmeldungen

          Will nicht weichen: Baschar al Assad am Mittwoch in Idlib

          Syrien-Konflikt : Wer Schutz verspricht, muss schützen

          Seit Jahren wird über sichere Zonen in Syrien diskutiert, doch nie waren die Umstände widriger. Nato-Mitglieder zweifeln an Deutschlands Motiven – derweil spielen russische und türkische Einsatzkräfte vor Ort ihre Macht aus.
          Das war nichts: Axel Witsel (Zweiter von links) und Borussia Dortmund verlieren in Mailand.

          Pleite in Champions League : Enttäuschende Vorstellung des BVB

          Beim 0:2 gegen Inter Mailand bleiben die Dortmunder vieles schuldig: Es fehlt weiter an Tempo und Überraschungsmomenten. Besonders eine Situation dürfte die Borussia deshalb besonders ärgern.
          Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow im September bei der Kartoffelernte in Heichelheim.

          Linkspartei in Thüringen : Ganz anders als gedacht

          In Thüringen führt Bodo Ramelow seit fünf Jahren die erste rot-rot-grüne Regierung. Am Sonntag will er wiedergewählt werden. Selbst ohne eigene Mehrheit könnte er im Amt bleiben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.